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Zwischen Reformdruck in Berlin, einer überraschend robusten Börse und wachsenden Belastungen für die internationale Wirtschaft zeigt der Pressespiegel die wichtigsten wirtschaftlichen Spannungsfelder des Tages. Im Fokus stehen Merz’ Reformagenda, die Dax-Rallye, BYDs Expansionspläne und Russlands angeschlagene Kriegswirtschaft.
Reformen, Börsenrallye und internationale Wirtschaft unter Druck
Merz setzt vor Kabinettsklausur auf Tempo bei Reformen
Bundeskanzler Friedrich Merz will das schwarz-rote Kabinett bei der Kabinettsklausur in Schloss Neuhardenberg auf eine zügige Umsetzung der Reformvorhaben ausrichten. Gegenüber der „Bild am Sonntag“ bezeichnete Merz Wirtschaftswachstum und Beschäftigung als „das wichtigste Thema“.
Im Mittelpunkt stehen nach Angaben von ZDFheute Reformen bei Rente, Steuern, Entbürokratisierung und Digitalisierung. Merz verwies darauf, dass vor der parlamentarischen Sommerpause „historische Beschlüsse“ gefasst worden seien, die nun „so schnell wie möglich umgesetzt“ werden müssten. Ziel sei eine schnelle und umfassende Entlastung der Wirtschaft, insbesondere für Handwerk und Mittelstand.
Das Kabinett kommt am Dienstag und Mittwoch in Brandenburg zusammen. Neben der Ankurbelung der Wirtschaft soll auch ein stärkerer Schutz vor Hitze und weiteren Folgen des Klimawandels beraten werden.
Zur Kritik aus Wirtschaftsverbänden, der Opposition und den eigenen Reihen sagte Merz laut ZDFheute: „Die Bundesregierung lässt sich nicht von ihrem Kurs abbringen, wir wissen, was richtig und gut ist für das Land. Da lassen wir uns nicht beirren.“
Zum Reformpaket der Koalition gehören unter anderem das Spargesetz für die gesetzlichen Krankenkassen, das Gebäudemodernisierungsgesetz mit neuen Regeln für das Heizen sowie die angekündigte vollständige Umsetzung der Empfehlungen der Rentenkommission. Außerdem verständigten sich Union und SPD auf steuerliche Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen ab 2027, Änderungen des Arbeitsrechts und weiteren Bürokratieabbau.
Infobox – Quelle: ZDFheute: Merz will Reformbeschlüsse beschleunigt umsetzen. Im Fokus stehen Wirtschaftswachstum, Beschäftigung, Entlastungen für Handwerk und Mittelstand sowie Reformen bei Rente, Steuern, Digitalisierung und Bürokratie.
Dax steigt trotz schwacher deutscher Konjunktur
Die Berliner Morgenpost berichtet über einen deutlichen Gegensatz zwischen der deutschen Wirtschaftslage und der Entwicklung des Dax. Während die deutsche Wirtschaft kaum vom Fleck komme, notiere der deutsche Leitindex auf Rekordniveau.
Bei genauerer Betrachtung sei die Rallye jedoch weniger spektakulär als vielfach dargestellt. Christian Röhl, Chefvolkswirt bei Scalable Capital, sagte der Redaktion: „So gut performt der Dax nun wahrlich nicht.“ Seit Jahresbeginn liegt der Dax als Performance-Index inklusive Dividenden 6,3 Prozent im Plus. Der S&P 500 kommt auf 13,6 Prozent, der STOXX 600 auf 11,5 Prozent.
| Index | Entwicklung seit Jahresbeginn |
|---|---|
| Dax als Performance-Index inklusive Dividenden | 6,3 Prozent im Plus |
| US-amerikanischer S&P 500 | 13,6 Prozent |
| Europäischer STOXX 600 | 11,5 Prozent |
Der Dax sei nicht mit der deutschen Wirtschaft gleichzusetzen, weil die großen Konzerne international aufgestellt seien. Nur gut 20 Prozent ihrer Umsätze erzielten die Dax-Konzerne auf dem deutschen Heimatmarkt; bei der Belegschaft liege der gewichtete Deutschland-Anteil bei etwa einem Drittel. Damit sei die Entwicklung der deutschen Binnenwirtschaft für die Gewinnentwicklung der Unternehmen nicht ausschlaggebend.
Als weiteren Grund für die Kursentwicklung nennt Sabrina Reeh von der DWS Group die widerstandsfähige Gewinnentwicklung vieler Unternehmen. Nach dem Zollschock im Frühjahr hätten Anleger zunächst mit einer deutlichen Abschwächung gerechnet. Die Berichtssaison habe jedoch gezeigt, dass viele Dax-Unternehmen resilienter als erwartet seien. Zudem hätten sich die Konjunkturerwartungen für Europa und Deutschland verbessert, während die Sorgen über die Folgen der US-Zollpolitik nachgelassen hätten.
Siemens, Siemens Energy, Allianz und SAP als wichtige Kurstreiber
Zu den Unternehmen, die den Dax nach oben treiben, zählen laut Berliner Morgenpost vor allem Siemens, Siemens Energy und Allianz. Hinzu komme SAP, nachdem der Softwarekonzern den Index zuvor zeitweise belastet habe.
Siemens und Siemens Energy profitieren dem Bericht zufolge vom weltweiten Boom rund um Künstliche Intelligenz. Für Rechenzentren werden große Mengen an Energie und eine entsprechende Infrastruktur benötigt. Siemens verbindet mit den Sparten Digital Industries und Smart Infrastructure die digitale mit der physischen Welt.
Andreas Hürkamp, Kapitalmarktstratege bei der Commerzbank, bezeichnet die „KI-Sonderkonjunktur“ ebenfalls als wichtigen Treiber. Analysten hätten unter anderem ihre Gewinnschätzungen für RWE, Merck, Siemens Energy, Hochtief und Siemens angehoben, weil diese Unternehmen vom Bau von Rechenzentren und vom Ausbau der Energieinfrastruktur profitieren.
Bei SAP habe sich die Stimmung nach einer schwierigen Phase gedreht. Hürkamp bezeichnete die „Renaissance der Softwareaktien“ als einen entscheidenden Grund für die Dax-Rallye. Die Allianz werde laut Röhl unter anderem durch wieder höhere Zinsen unterstützt, die dem Versicherungsgeschäft und der Vermögensverwaltung zugutekämen.
Belastet wurde der Index dagegen von Mercedes, BMW und Volkswagen. Der Kursverfall der drei deutschen Autobauer habe den Dax laut Röhl in diesem Jahr rund 1,5 Prozent Performance gekostet, nicht zuletzt wegen schwacher Absätze in China.
Infobox – Quelle: Berliner Morgenpost: Der Dax legte seit Jahresbeginn 6,3 Prozent zu. Zu den Kurstreibern zählen Siemens, Siemens Energy, Allianz und SAP; Mercedes, BMW und Volkswagen kosteten den Index laut Quelle rund 1,5 Prozent Performance.
Risiken für die weitere Börsenentwicklung
Die Experten sehen mehrere Faktoren, die die Börsenrallye stoppen könnten. Dazu gehören weiterhin hohe Energiepreise sowie die ungelösten Kriege in der Ukraine und im Iran.
Bleiben Öl, Gas und andere Energieträger dauerhaft teuer, könnte die Inflation wieder stärker steigen. Die Notenbanken könnten dann länger an hohen Zinsen festhalten oder sogar weitere Zinserhöhungen andeuten. Höhere langfristige Zinsen könnten insbesondere die Bewertungen von Wachstumsunternehmen belasten.
Als politische Risiken nennt Hürkamp die US-Zwischenwahlen am 3. November. Außerdem könnten die Wahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September sowie in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern am 20. September die Sorgen ausländischer Investoren über politische Trends in Deutschland verstärken.
- Hohe Energiepreise können den Inflationsdruck erhöhen.
- Weitere Zinssteigerungen oder länger hohe Zinsen könnten Wachstumsunternehmen belasten.
- Die Kriege in der Ukraine und im Iran bleiben politische und wirtschaftliche Unsicherheitsfaktoren.
- Wahlen in den USA und Deutschland können die Einschätzung internationaler Investoren beeinflussen.
Für Anleger erwartet Hürkamp bis Ende Oktober wahrscheinliche Rücksetzer im Dax, die er allerdings eher als Kaufchancen einstuft. Mögliche Dax-Korrekturen von fünf bis zehn würden laut seiner Einschätzung Gelegenheiten bieten, Positionen in deutschen Aktien nochmals leicht aufzustocken. Reeh hält den Dax für unterbewertet; gegenüber dem US-Markt würden Unternehmen im deutschen Leitindex weiterhin mit einem Bewertungsabschlag von rund 25 Prozent gehandelt.
Infobox – Quelle: Berliner Morgenpost: Als Risiken gelten Energiepreise, Inflation, Zinsen, geopolitische Konflikte und anstehende Wahlen. Dax-Korrekturen von fünf bis zehn werden von Hürkamp als mögliche Kaufgelegenheiten bewertet; deutsche Unternehmen werden gegenüber dem US-Markt mit einem Bewertungsabschlag von rund 25 Prozent gehandelt.
Niedrigwasser belastet Schifffahrt und Wirtschaft
NDR.de berichtet über die Folgen der Hitzewelle für Deutschlands Flüsse. Niedrige Pegelstände beeinträchtigen demnach nicht nur die Wirtschaft, sondern führen auch zu weiteren Auswirkungen, die mit den Veränderungen des Klimawandels zusammenhängen.
Auf dem Rhein läuft der Fährbetrieb laut NDR.de zumindest wieder an. Für große Binnenschiffe dürfte sich die Lage jedoch erst in einigen Wochen normalisieren. Das Niedrigwasser erschwert damit weiterhin den Transport auf wichtigen Wasserwegen.
Neben den niedrigen Flusspegeln nennt der Bericht schlechte Ernten und Waldbrände als weitere Folgen der Hitze. Einer Schätzung von Greenpeace zufolge verursache die Hitzewelle wirtschaftliche Einbußen in zweistelliger Milliardenhöhe. Zu den Folgekosten der Hitze liegen demnach bereits mehrere Studien vor.
Der Bericht verweist außerdem darauf, dass geeignete Maßnahmen dazu beitragen könnten, Flüsse an die Veränderungen des Klimawandels anzupassen. Welche Maßnahmen konkret getroffen werden, sei jedoch unklar.
Infobox – Quelle: NDR.de: Der Fährbetrieb auf dem Rhein läuft wieder an, während große Binnenschiffe weiterhin Probleme haben. Niedrigwasser, schlechte Ernten und Waldbrände verursachen laut einer Greenpeace-Schätzung wirtschaftliche Einbußen in zweistelliger Milliardenhöhe.
BYD plant zweites Europa-Werk vor Fertigstellung des ersten
Die WirtschaftsWoche berichtet, dass der chinesische Autohersteller BYD nach einem zweiten europäischen Produktionsstandort sucht, obwohl das erste Werk in Europa noch nicht fertiggestellt ist. Bislang transportiert BYD seine Fahrzeuge per Schiff nach Europa; zur Konzernflotte gehören inzwischen acht eigene Frachter, die teilweise bis zu 7000 Fahrzeuge laden können.
Das Exportvolumen nach Europa stieg von 50.912 Fahrzeugen im Jahr 2024 auf 187.657 Fahrzeuge im Jahr 2025. Bis Ende des Jahrzehnts will BYD sein Exportgeschäft deutlich ausbauen. Bis dahin soll die Hälfte aller BYD-Autos im Ausland verkauft werden.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Eigene Frachter | acht |
| Nach Europa verschiffte Fahrzeuge 2024 | 50.912 |
| Nach Europa verschiffte Fahrzeuge 2025 | 187.657 |
| Verkäufe in China im ersten Halbjahr 2026 | 1.016.255 Fahrzeuge |
| Verkäufe außerhalb Chinas im ersten Halbjahr 2026 | 792.256 Fahrzeuge |
Die Produktion in Europa soll die Flottenkapazitäten entlasten und Kosten senken. Außerdem entfielen für in Europa gebaute Elektroautos die Strafzölle, die BYD auf aus China in die Europäische Union importierte Elektroautos zahlt.
Das erste europäische Werk entsteht im ungarischen Szeged. Das 300 Hektar große Areal liegt im Süden Ungarns nahe der Grenze zu Serbien und Rumänien. Inzwischen stehen dort sechs größere Fabrikhallen, ein großer Teil des Geländes befindet sich jedoch noch im Bau.
Die Eröffnung wurde mehrfach verschoben. Ursprünglich war sie für Ende 2025 vorgesehen; im Juni teilte BYD mit, das Werk solle spätestens Ende 2026 eröffnet werden. Anfangs sollen in Ungarn rund 150.000 Fahrzeuge jährlich produziert werden, langfristig bis zu 300.000.
Die ersten Modelle aus ungarischer Fertigung sollen Dolphin Surf und Atto sein. Mindestens zwei weitere Modelle sollen folgen. Eigene Batteriezellen werden in Szeged vorerst nicht hergestellt. Nach Berichten sollen Zellen aus China importiert und in Ungarn zu Batteriemodulen und -paketen montiert werden.
BYD richtet den Blick auf Südeuropa
Das zweite europäische Werk soll im Süden Europas entstehen. Eine BYD-Managerin nannte laut WirtschaftsWoche unter anderem Spanien als interessanten Standort. BYD wolle diesmal kein neues Werk auf der grünen Wiese bauen, sondern eine bestehende Anlage übernehmen.
Autoexpertin Beatrix Keim sieht darin einen Zeitvorteil, weil Infrastruktur und Lieferketten bereits vorhanden seien. Zudem gebe es in der Umgebung Arbeitskräfte mit dem nötigen Know-how, und viele Genehmigungen seien grundsätzlich vorhanden und müssten häufig nur angepasst werden.
Die Türkei-Pläne des Unternehmens liegen dagegen vorerst auf Eis. BYD hatte eine Investition von rund einer Milliarde US-Dollar für eine Fabrik im westtürkischen Manisa bei Izmir vorgesehen. Dort sollten jährlich 150.000 Autos vom Band laufen.
Im ersten Halbjahr 2026 fiel der Absatz von BYD in der Türkei auf 6809 verkaufte Autos, ein Minus von 73,3 Prozent. Zudem erklärte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan im August, der EU-Beitritt habe für ihn nicht länger Priorität.
| BYD in der Türkei | Wert |
|---|---|
| Geplante Investition | rund eine Milliarde US-Dollar |
| Geplante jährliche Produktion | 150.000 Autos |
| Verkäufe im ersten Halbjahr 2026 | 6809 Autos |
| Absatzveränderung | Minus von 73,3 Prozent |
Für den Markterfolg in Europa sei die Produktion allein nicht ausreichend, betont Keim. Die Fahrzeuge müssten sich über zwei oder drei Jahre auf dem Markt beweisen. Dabei seien Service, Pannenstatistik und Restwerte für europäische Kunden und Händler von Bedeutung.
Der deutsche Neuwagenmarkt umfasst laut Quelle circa drei Millionen Fahrzeuge im Jahr, der Gebrauchtwagenmarkt bis zu sieben Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Der Marktanteil von BYD in Deutschland liegt bisher bei zwei Prozent.
BYD arbeitet zugleich am Ausbau seines Händlernetzes. Anfang 2025 war das Unternehmen in Deutschland bei gerade mal 26 Händlern vertreten, Ende 2025 waren es 150. Bis Ende dieses Jahres sollen es 350 sein.
Infobox – Quelle: WirtschaftsWoche: BYD verschiffte 2025 insgesamt 187.657 Fahrzeuge nach Europa. Das Werk in Szeged soll zunächst rund 150.000 und langfristig bis zu 300.000 Fahrzeuge jährlich produzieren; ein zweiter Standort im Süden Europas wird gesucht.
Russlands Wirtschaft wird vor der Wahl zur Belastung für Putin
Die Frankfurter Rundschau berichtet über wachsenden wirtschaftlichen Druck auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der russische Ökonom Sergei Guriev sagte gegenüber Newsweek, Putin habe Schwierigkeiten, die Unzufriedenheit über den Zustand der russischen Wirtschaft zu dämpfen.
Putin habe in einer Rede vor Abgeordneten ein BIP-Wachstum von 1 Prozent als „bescheiden“ bezeichnet. Gleichzeitig kämpfe Russland mit hartnäckiger Inflation, einem wachsenden Arbeitskräftemangel und rekordhohen Militärausgaben.
Wiederholte ukrainische Drohnenangriffe auf den E-Commerce-Händler Wildberries hätten Lieferungen von Kleidung, Elektronik, Lebensmitteln und Haushaltswaren an Millionen von Russen behindert. Angriffe auf die Öl-Infrastruktur führten zudem zu Benzinknappheit, langen Schlangen und Auseinandersetzungen an Tankstellen.
„All das ist jetzt sehr schwer zu verbergen. Die Staatsmedien berichten nicht so viel über all diese Probleme, wie man denken könnte, aber Putin muss bereits darüber sprechen.“ – Sergei Guriev, laut Frankfurter Rundschau
Die bevorstehenden Dumawahlen im September würden zwar streng zugunsten der regierenden Partei Einiges Russland kontrolliert, fänden jedoch vor dem Hintergrund landesweiter Kriegsmüdigkeit statt. Das Land werde laut dem im Bericht genannten Center for Strategic and International Studies seit dem Einmarsch Moskaus in die Ukraine am 24. Februar 2022 von 450.000 gefallenen russischen Soldaten erschüttert.
Guriev sieht in der Zurückweisung einer Berufung der Antikriegspartei Jabloko gegen das Verbot ihrer Teilnahme an der Septemberwahl ein starkes Signal dafür, dass Putin sich Sorgen mache. Zugleich müsse Putin seine Botschaft vor der Wahl darauf ausrichten, dass Russland den Krieg nicht verlieren dürfe und den Donbass verteidigen müsse.
Risse an der Spitze und mögliche neue Mobilisierung
Eine zentrale Unsicherheit besteht laut Guriev darin, ob Putin nach der Wahl eine neue Einberufung starten könnte. Der Kreml hat Berichte über eine geplante Mobilisierung zurückgewiesen, während Abgeordnete der Staatsduma ein mobilisierungsbasiertes Wirtschaftsmodell ins Spiel brachten.
Der Moskauer Bürgermeister Sergei Sobjanin, ein Putin-Verbündeter, kritisierte dieses Modell und sagte, es könne „das Land vollständig umbringen“. Auch German Gref, Chef der größten russischen Bank Sberbank, habe wiederholt vor der stagnierenden Kriegswirtschaft gewarnt.
„Es gibt eine gewisse Spaltung an der absoluten Spitze.“ – Sergei Guriev, laut Frankfurter Rundschau
Guriev erklärt die öffentlichen kritischen Äußerungen damit, dass einige Funktionäre möglicherweise keinen Zugang zu Putin hätten und nicht mehr hinter verschlossenen Türen mit ihm sprechen könnten. Der frühere Chefökonom der russischen staatlichen Entwicklungsbank VEB, Andrej Klepatsch, sei wegen seiner unverblümten Einschätzung der russischen Wirtschaft entlassen worden.
Putin setze laut Guriev auf den Zeitfaktor und auf die Belastbarkeit der russischen Bevölkerung. Er glaube, dass die Ukrainer den nächsten Winter nicht überstehen würden. Gleichzeitig könnten die Benzinknappheit und weitere wirtschaftliche Probleme vor dem Winter zu Unruhen führen.
In dieser Woche gab es laut Bericht Meldungen, wonach Truppen der russischen Nationalgarde an Tankstellen eingesetzt worden seien. Das Institute for the Study of War wertete Putins Äußerungen als Hinweis darauf, dass er die Lebensqualität der russischen Bürger priorisiere, während der Kreml die Gesellschaft zugleich auf weitere Opfer für den Krieg vorbereite.
„Russland kann den Abnutzungskrieg gegen den Westen nicht gewinnen.“ – Sergei Guriev, laut Frankfurter Rundschau
Infobox – Quelle: Frankfurter Rundschau: Russland verzeichnet laut Bericht 1 Prozent BIP-Wachstum, Inflation, Arbeitskräftemangel und rekordhohe Militärausgaben. Benzinknappheit, Drohnenangriffe und Kriegsmüdigkeit erhöhen den Druck auf Putin vor der Wahl.
Wirtschaftliche Daten im Nachrichtenüberblick
tagesschau.de veröffentlichte am 24.08.2026 ein „Update Wirtschaft“. In dem Beitrag werden die Themen Demografie und BIP genannt.
Der vorliegende Quelltext enthält zu diesen Themen keine weiteren nutzbaren Angaben. Deshalb werden keine zusätzlichen Daten oder Bewertungen ergänzt.
Infobox – Quelle: tagesschau.de: Das Wirtschaftsupdate vom 24.08.2026 nennt Demografie und BIP als Themen, enthält im vorliegenden Material jedoch keine weiteren verwertbaren Zahlen oder Fakten.
Einschätzung der Redaktion
Die zentrale Herausforderung ist nicht der Mangel an Reformankündigungen, sondern deren verlässliche und schnelle Umsetzung. Bleiben konkrete Entlastungen, Digitalisierung und Bürokratieabbau hinter den Erwartungen zurück, dürfte der politische Vertrauensverlust die wirtschaftliche Wirkung überlagern.
Die Börsenentwicklung sollte dabei nicht als Beleg für eine breite Erholung der deutschen Wirtschaft missverstanden werden. Ihre Abhängigkeit von international erfolgreichen Konzernen, einzelnen Wachstumsfeldern und günstigen Gewinnerwartungen macht sie anfällig für Zins-, Energie- und geopolitische Schocks.
Besonders relevant ist die zunehmende Verbindung von Industrie-, Klima- und Standortpolitik: Niedrigwasser, Energieinfrastruktur und der Aufbau ausländischer Produktionsstandorte zeigen, dass Wettbewerbsfähigkeit zunehmend von resilienten Lieferketten und anpassungsfähiger Infrastruktur abhängt.
BYDs Expansion erhöht den Anpassungsdruck auf europäische Hersteller erheblich. Entscheidend wird nicht allein die Produktionskapazität sein, sondern ob der Konzern dauerhaft Vertrauen bei Kunden, Händlern und im Service aufbauen kann.
Der wirtschaftliche Druck auf Russland besitzt zugleich politische Bedeutung. Solange Belastungen im Alltag zunehmen und der Krieg hohe Ressourcen bindet, steigt das Risiko innerer Spannungen; daraus folgt jedoch nicht automatisch eine kurzfristige politische Kursänderung.
Zusammenfassung: Reformtempo, wirtschaftliche Resilienz und politische Stabilität sind eng miteinander verknüpft. Kurzfristige Börsengewinne können strukturelle Schwächen nicht verdecken.
Quellen:
- Merz vor Kabinettsklausur: Wirtschaft ist "das wichtigste Thema"
- Deutsche Aktien: Warum der Dax trotz schwacher Wirtschaftslage so gut performt
- Niedrigwasser in Flüssen hat nicht nur Folgen für die Wirtschaft
- BYD sucht ein zweites Europa-Werk, obwohl das erste noch nicht fertig ist
- Update Wirtschaft vom 24.08.2026
- „All das ist sehr schwer zu verbergen“ – Russischer Top-Ökonom über Putins Wirtschaftsdilemma vor der Wahl



















