Wirtschaft unter Druck: Krieg, Energiepreise und Europas Wettbewerbsfähigkeit
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Der Ukraine-Krieg belastet Russlands Wirtschaft zunehmend, während neue Gasheizungen zum Kostenrisiko werden und erneuerbare Energien Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken könnten.
Geopolitische Konflikte, Energiepreise und der Umbau der Wirtschaft setzen Unternehmen, Staaten und Verbraucher zunehmend unter Druck. Der Pressespiegel zeigt, wie der Ukraine-Krieg Russlands Wirtschaft schwächt, warum neue Gasheizungen zum Kostenrisiko werden und weshalb erneuerbare Energien zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil Europas werden könnten.
Russlands Wirtschaft gerät unter Druck
Die Frankfurter Rundschau berichtet über eine neue Welle ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Militär-, Energie- und Logistikinfrastruktur. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj lagen die Ziele teilweise bis zu 1200 Kilometern von der Grenze entfernt. Getroffen worden seien unter anderem Produktionsunternehmen für russische Waffen, eine Ölraffinerie, eine Logistikeinrichtung in Jekaterinburg sowie ein Treibstoff- und Schmierstofflager in Rostow am Don.
Im Mittelpunkt steht auch der Onlinehändler Wildberries. Angriffe auf Standorte in St. Petersburg, Woronesch, Elektrostal, Kotowsk, Krasnodar und Newinnomyssk hätten laut Frankfurter Rundschau bereits rund acht Prozent der gesamten Lagerkapazität des Unternehmens lahmgelegt. Die Angriffe werden damit begründet, dass Wildberries auch militärisches Equipment versende.
Zusätzlich meldet die Frankfurter Rundschau einen Drohnenangriff auf die Ölraffinerie Tjumen. Die Anlage sei die einzige Großraffinerie im Föderationskreis Ural und eine der größten unabhängigen Raffinerien Russlands. In Derhachi sei nach einem russischen Angriff mit einer Geran-3-Drohne eine Energieinfrastrukturanlage getroffen worden; zwei 60-jährige Männer seien verletzt und mit Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Ort sei anschließend vollständig von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten gewesen.
Auch die russischen Angriffe auf die Ukraine gingen weiter. In Saporischschja sei bei einem schweren Raketenangriff mindestens eine Person getötet worden. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden in der Nacht zum Samstag insgesamt 127 Drohnen und eine Rakete abgefangen.
Die Frankfurter Rundschau berichtet außerdem, dass US-Präsident Donald Trump den ukrainischen Präsidenten am kommenden Dienstag im Weißen Haus empfangen wolle. Im Mittelpunkt der Gespräche sollten weitere US-amerikanische Unterstützung für ein Ende des Krieges und eine Stärkung der Flugabwehr stehen.
Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs verlor Russland im Verlauf des vergangenen Tages 1450 Soldaten. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs stiegen die von der Ukraine angegebenen Gesamtverluste damit auf 1.437.550 Soldaten; außerdem seien 12.208 Panzer, 25.011 gepanzerte Kampffahrzeuge sowie 46.724 Artilleriesysteme zerstört worden. Die Frankfurter Rundschau weist darauf hin, dass die Angaben der Kriegsparteien nicht unabhängig überprüft werden können.
Zusammenfassung: Die Ukraine weitet ihre Angriffe auf russische Wirtschafts-, Energie- und Logistikziele aus. Gleichzeitig werden anhaltende russische Angriffe, steigende Verluste und mögliche Gespräche zwischen Selenskyj und Trump gemeldet.
IW warnt vor neuen Gasheizungen
ZDFheute berichtet über eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft, die vor dem Einbau neuer Gasheizungen warnt. Laut der bislang unveröffentlichten Untersuchung könnten sich die jährlichen Heizkosten einer neuen Gasheizung bis 2040 fast verdoppeln.
Eine Wärmepumpe könne das Kostenrisiko dagegen in den kommenden Jahren deutlich reduzieren. In teilsanierten Altbauwohnungen könnten im Vergleich zu einer Gasheizung 1.000 Euro oder mehr im Jahr eingespart werden. Bei einer Wärmepumpe blieben die Heizkosten über viele Jahre weitgehend stabil.
„Es ist günstiger, auf eine Wärmepumpe zu setzen“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztip, laut ZDFheute.
Das neue Heizungsgesetz bewertet das Institut der Deutschen Wirtschaft kritisch, weil die Vorgaben für den Heizungstausch abgeschafft worden seien und der Einbau von Gas- und Ölheizungen weiterhin möglich bleibe. ZDFheute sieht darin ein unmittelbares Spannungsverhältnis zum gesetzlichen Ziel, spätestens 2045 Klimaneutralität zu erreichen.
Gleichzeitig sollen Gas- und Ölheizungen künftig mit steigenden Anteilen alternativer Brennstoffe betrieben werden. Nach Einschätzung der IW-Forscher könnte dies die Kosten zusätzlich erhöhen und neue Unsicherheit schaffen. Haushalte könnten zu Investitionen verleitet werden, die kurzfristig zulässig, langfristig aber unwirtschaftlich oder regulatorisch nicht tragfähig seien.
Infobox: Laut ZDFheute warnt das IW vor deutlich steigenden Heizkosten bei neuen Gasheizungen. Für Wärmepumpen nennt die Studie in teilsanierten Altbauwohnungen ein mögliches Einsparpotenzial von 1.000 Euro oder mehr im Jahr gegenüber einer Gasheizung.
Investoren sehen erneuerbare Energien als Wettbewerbsvorteil
n-tv.de berichtet über ein Gespräch mit Jan Lozek, dem Chef des Risikokapitalgebers Future Energy Ventures. Lozek bezeichnet die jährlichen deutschen Ausgaben für Erdöl und Erdgas in Höhe von 80 Milliarden Euro als eine „unsichtbare Steuer“, weil dieses Geld in die USA, den Nahen Osten und nach Norwegen fließe und nicht in Deutschland reinvestiert werden könne.
Nach seinen Angaben benötigen Deutschland und seine Unternehmen weiterhin 57 Prozent fossile Energien, um Auto zu fahren und zu produzieren. Die Abhängigkeit von fossilen Importen sei deshalb ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland und Europa. Lozek fordert, stärker in Batteriespeicher, Wärmepumpen, Elektroautos, Photovoltaik und die Elektrifizierung des Verkehrs zu investieren.
Eurostat zufolge hätten die EU-Staaten im vergangenen Jahr 336,7 Milliarden Euro für Erdgas, Flüssiggas und Öl ausgegeben. Im Jahr 2022 seien es auf dem Höhepunkt der Energiekrise 693,4 Milliarden Euro gewesen. Lozek sieht darin zwar eine Bewegung in die richtige Richtung, warnt aber davor, dass Europa seine Wettbewerbsfähigkeit an die USA und Asien verlieren könnte.
Als zentrale Hindernisse nennt der Investor fehlende finanzielle Möglichkeiten vieler Haushalte und Unternehmen sowie langwierige Genehmigungen. Der Anschluss eines Wind- oder Solarparks beziehungsweise eines großen Batteriespeichers ans Netz dauere je nach Region fünf bis sieben Jahre. Auch für die Vermarktung von Energie aus Haushalten und die Verteilung erneuerbarer Wärme in Mietshäusern müssten geeignete Marktsysteme geschaffen werden.
„In zwei Jahren wird der Strompreis niedriger sein als im alten fossilen System“, sagt Jan Lozek laut n-tv.de.
Lozek plädiert für eine Anschubfinanzierung, die zurückgezahlt werden könne und mit den erzielten Einsparungen verbunden werde. Er bezeichnet erneuerbare Energien und erneuerbare Wärme als wesentlich preiswerter als fossile Energie oder fossile Wärme, betont aber, dass viele Menschen die notwendigen Investitionen zunächst nicht bezahlen könnten.
Für das vergangene Jahr nennt Lozek weltweit 2,5 Billionen Euro, die in Technologien investiert worden seien, die die Energiewende unterstützen oder voranbringen. Dazu zählt er unter anderem Wärmepumpen, Photovoltaik, die Elektrifizierung des Transports sowie Technologien zur besseren Integration erneuerbarer Energien in die Stromnetze.
Zusammenfassung: Nach Einschätzung von Jan Lozek belasten fossile Energieimporte die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Er sieht in Investitionen in erneuerbare Energien, Speicher, Wärmepumpen und Netze die Möglichkeit, langfristig Kosten zu senken und die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern.
Russische Wirtschaft spürt die Folgen des Kriegs
MDR.de berichtet über die Einschätzung des Ökonomen Wassili Astrow, wonach Russlands Wirtschaft zunehmend unter dem Ukraine-Krieg leidet. Neben hohen Zinsen und Sanktionen belasteten auch ukrainische Angriffe auf Energieanlagen sowie auf Standorte des Onlinehändlers Wildberries die Konjunktur.
Astrow zufolge befindet sich Russland in einer Konjunkturflaute. Zuletzt habe es einen Konjunktureinbruch von etwa 30 Prozent gegeben. Ein Frieden wäre für die russische Wirtschaft unabhängig von den Bedingungen gut, sagte der Ökonom laut MDR.de. An der russischen Börse seien die Kurse immer dann gestiegen, wenn Hoffnung auf einen Waffenstillstand bestanden habe.
Die Auswirkungen unterscheiden sich nach Branchen. Bauwirtschaft und Autobranche seien wegen ihrer Abhängigkeit von Kreditfinanzierungen in schlechtem Zustand. Die Exportwirtschaft, zu der unter anderem Stahl- und Holzindustrie gehörten, leide vor allem unter den Sanktionen. Einzelhandel und Tourismus entwickelten sich trotz gewisser Abstriche insgesamt relativ gut.
Die Rüstungsproduktion sei laut Astrow die einzige Industriebranche innerhalb des verarbeitenden Gewerbes, die weiterhin Wachstum verzeichne. Damit profitiere letztlich nur die Rüstungsindustrie wirklich vom Krieg.
Breite Bevölkerungsschichten bekämen die Folgen des Kriegs nach Einschätzung des Ökonomen vor allem durch die aktuelle Treibstoffkrise zu spüren. Zuvor seien Internetsperren, Einschränkungen des mobilen Internets sowie die Sperrung von WhatsApp und Telegram besonders wahrgenommen worden.
Astrow hält eine Verschärfung der russischen Angriffe auf die Ukraine für möglich. Gründe seien die massiven ukrainischen Angriffe und die schwindende Zustimmung in der russischen Bevölkerung. Diese gebe Wladimir Putin demnach weniger die Verantwortung für den Kriegsbeginn als vielmehr dafür, dass er nach viereinhalb Jahren nicht in der Lage sei, den Krieg zu gewinnen, und russische Städte unter ukrainischen Beschuss geraten seien.
„Das heißt, ein Frieden, eigentlich egal zu welchen Konditionen, wäre für die Wirtschaft gut“, sagt Wassili Astrow laut MDR.de.
Infobox: MDR.de nennt einen Konjunktureinbruch von etwa 30 Prozent und beschreibt die Rüstungsproduktion als einzige Industriebranche im verarbeitenden Gewerbe mit weiterem Wachstum. Die weitere Entwicklung des Kriegs bestimmt demnach maßgeblich die Lage der russischen Wirtschaft.
Weltwirtschaft zwischen Krisen und Anpassungsfähigkeit
SZ.de untersucht, wie widerstandsfähig die Weltwirtschaft angesichts von Zöllen, Krisen und Kriegen ist. Der Iran-Krieg wird dabei als möglicher Kipppunkt beschrieben, zugleich gebe es Gründe für Zuversicht. Der Ökonom Gabriel Felbermayr habe gemeinsam mit den anderen Wirtschaftsweisen die Prognose für das deutsche Wachstum um 0,5 Prozent nach unten korrigiert.
Trotz der erwarteten Schäden beurteilt Felbermayr die Anpassungsfähigkeit der Weltwirtschaft vergleichsweise positiv. Er verweist darauf, dass die Marktwirtschaft wirke und die befürchtete Katastrophe ausgeblieben sei. Die SZ stellt damit den aktuellen wirtschaftlichen Belastungen auch eine gewisse Widerstandsfähigkeit der Märkte gegenüber.
Im weiteren Kontext verweist der Bericht auf die strategische Bedeutung technischer und wirtschaftlicher Eigenständigkeit Europas. Niall Ferguson und Moritz Schularick warnen demnach, dass China und die USA Europa wirtschaftlich „Stück für Stück“ aufessen könnten, wenn Europa keine technologische Autonomie erlange. Der Abstieg der deutschen Industrie lasse sich nach dieser Einschätzung jedoch stoppen.
Die Debatte berührt insbesondere Energiepreise, Chemieindustrie, Welthandel und die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten. Als Themenfelder werden unter anderem Erdgas, Öl, Energiepreise, Norwegen, die USA, China sowie die Straße von Hormus genannt. Damit verbindet der Bericht geopolitische Konflikte mit den Risiken für Unternehmen und Industriestandorte.
Zusammenfassung: Die SZ beschreibt eine Weltwirtschaft, die durch wiederkehrende Schocks belastet wird, aber bislang anpassungsfähiger ist als vielfach erwartet. Für Europa bleiben technologische Autonomie, Energieversorgung und die Zukunft der Industrie zentrale wirtschaftliche Herausforderungen.
Einschätzung der Redaktion
Die Entwicklungen zeigen, dass moderne Kriege nicht nur militärisch, sondern zunehmend über Energie, Logistik und industrielle Kapazitäten ausgetragen werden. Für Russland steigt damit der wirtschaftliche Preis des Kriegs, während die Ukraine ihre begrenzten Mittel gezielt gegen strategisch relevante Strukturen einsetzt. Eine dauerhafte Schwächung der russischen Kriegsfähigkeit ist jedoch nur zu erwarten, wenn die Angriffe mit anhaltendem Sanktionsdruck und wirksamer internationaler Unterstützung verbunden bleiben.
Zusammenfassung: Die wirtschaftliche Verwundbarkeit Russlands nimmt zu, doch ein entscheidender Wendepunkt ist daraus noch nicht abzuleiten.
Einschätzung der Redaktion
Die Warnung vor neuen Gasheizungen ist wirtschaftlich besonders relevant, weil eine kurzfristig zulässige Entscheidung langfristig hohe Folgekosten verursachen kann. Für Haushalte wird damit weniger die technische Frage als vielmehr die Planungssicherheit zum entscheidenden Kriterium. Eine widersprüchliche Regulierung erhöht das Risiko von Fehlinvestitionen und erschwert eine verlässliche Wärmewende.
Zusammenfassung: Unklare Regeln können Haushalte finanziell belasten und den klimafreundlichen Heizungstausch bremsen.
Einschätzung der Redaktion
Erneuerbare Energien sind nicht mehr nur ein klimapolitisches Ziel, sondern ein Faktor für Kosten, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit. Der entscheidende Engpass liegt weniger bei der grundsätzlichen Technologie als bei Finanzierung, Netzen und Genehmigungen. Wer diese Infrastruktur nicht rasch ausbaut, riskiert dauerhaft höhere Importabhängigkeit und verliert wirtschaftlichen Handlungsspielraum.
Zusammenfassung: Der Ausbau erneuerbarer Energien wird zur zentralen Wettbewerbsfrage und erfordert schnellere Investitions- und Genehmigungsprozesse.
Einschätzung der Redaktion
Eine Wirtschaft, deren wichtigste Wachstumsbranche die Rüstungsindustrie ist, erzeugt keine nachhaltige Stärke, sondern eine zunehmende strukturelle Abhängigkeit vom Krieg. Hohe Zinsen, Sanktionen und Angriffe auf Infrastruktur treffen dabei schrittweise auch Bereiche, die für den Alltag der Bevölkerung entscheidend sind. Ein Frieden könnte deshalb wirtschaftlich entlasten, würde aber zugleich die Grenzen eines bislang künstlich gestützten Wachstumsmodells offenlegen.
Zusammenfassung: Der Krieg stabilisiert einzelne Industriezweige, untergräbt aber zunehmend die wirtschaftliche Substanz des Landes.
Einschätzung der Redaktion
Die Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft darf nicht mit dauerhafter Stabilität verwechselt werden. Märkte können einzelne Schocks abfedern, doch wiederkehrende Konflikte, Energieunsicherheit und technologische Abhängigkeiten erhöhen die langfristigen Kosten. Für Europa wird deshalb entscheidend sein, Anpassungsfähigkeit mit strategischer Eigenständigkeit zu verbinden, statt Krisen lediglich kurzfristig zu überbrücken.
Zusammenfassung: Die Weltwirtschaft bleibt anpassungsfähig, doch Europas Verwundbarkeit wächst ohne eigene technologische und energetische Grundlagen.
Quellen:
- Ukraine-Krieg aktuell: Russlands Wirtschaft in Flammen – Auch Wildberries wird Ziel von Drohnen-Dauerfeuer
- IW-Studie warnt vor dem Einbau von neuen Gasheizungen
- "In zwei Jahren ist Strom günstiger als im alten fossilen System"
- Wirtschaftsexperte Astrow: Jetzt spüren auch die Russen den Krieg
- Zölle, Krisen, Kriege: Wie widerstandsfähig ist die Weltwirtschaft?
- Wirtschaft geht auch gerecht