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Weniger Bürokratie für Gründer, Rekordbeschwerden bei der Post, ein gigantischer Lithium-Fund in China und Deutschlands Schulden auf Höchststand: Der aktuelle Pressespiegel beleuchtet zentrale wirtschaftliche Entwicklungen, die nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbraucher und Politik vor neue Herausforderungen stellen.
Weniger Bürokratie für Gründer im Gastgewerbe in Baden-Württemberg
In Baden-Württemberg soll die Eröffnung von Kneipen, Cafés und Restaurants künftig mit deutlich weniger bürokratischem Aufwand verbunden sein. Ein Änderungsentwurf des Gaststättengesetzes, den die grün-schwarze Landesregierung auf den Weg bringen will, sieht vor, dass es künftig ausreicht, das Vorhaben bei der zuständigen Behörde anzuzeigen. Eine formelle Erlaubnis mit Zuverlässigkeitsüberprüfung sowie raum- und ortsbezogener Prüfung bei Alkoholausschank ist dann nicht mehr nötig. Auch das schriftliche Antragsverfahren und die bisher geforderten umfangreichen Unterlagen entfallen laut Wirtschaftsministerium.
Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) begrüßt die geplante Reform ausdrücklich. Dehoga-Landeschef Fritz Engelhardt betont, dass die Vereinfachungen Betriebsübergaben und Gründungen in der Gastronomie erleichtern und die Branche durch den Wegfall des bisherigen Konzessionsverfahrens entlastet wird. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes gibt es jährlich durchschnittlich 6.200 Gewerbeanzeigen im Gastronomiebereich, sodass Tausende Gründerinnen und Gründer von der Reform profitieren könnten. Die Branche steht jedoch weiterhin unter Druck: Seit 2019 haben mehr als 3.200 Gastronomiebetriebe aufgegeben, viele davon im ländlichen Raum. Die Umsätze des Gastgewerbes sanken in den ersten fünf Monaten des Jahres, zuletzt im Mai um real 1,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, besonders betroffen ist die klassische Speisegastronomie.
Jahr | Gewerbeanzeigen Gastronomie | Betriebsaufgaben seit 2019 | Umsatzentwicklung Mai (real) |
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Durchschnitt/Jahr | 6.200 | 3.200+ | -1,1 % |
- Weniger Formulare und Unterlagen für Gründer
- Wegfall des Konzessionsverfahrens
- Branche weiterhin unter wirtschaftlichem Druck
Infobox: Die geplante Gesetzesänderung in Baden-Württemberg soll die Gründung und Übergabe von Gastronomiebetrieben deutlich vereinfachen und die Branche entlasten. (Quelle: SZ.de)
Rekordhoch bei Beschwerden über Postdienstleistungen
Im ersten Halbjahr 2025 haben sich Verbraucher so häufig wie nie zuvor über die Deutsche Post und ihre Wettbewerber beschwert. Nach Angaben der Bundesnetzagentur gingen 22.981 Beschwerden zu Postdienstleistungen ein, das sind 13,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der bisherige Höchstwert wurde damit deutlich übertroffen: Im ersten Halbjahr 2019 waren es nur rund 8.700 Beschwerden.
Die Beschwerden betreffen vor allem verspätete, falsch abgegebene oder beschädigte Pakete und Briefe. 89 Prozent der Kritik richtet sich gegen den Marktführer Deutsche Post (DHL). Die Post verweist darauf, dass der Anteil der Beschwerden an den Milliarden zugestellten Sendungen gering sei. Einschränkungen in den betrieblichen Abläufen, wie Warnstreiks zu Jahresbeginn und die Hitzewelle im Juni, hätten das Arbeitspensum zusätzlich reduziert.
Zeitraum | Anzahl Beschwerden | Steigerung zum Vorjahr | Beschwerden 2019 | Anteil Beschwerden gegen Deutsche Post |
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1. Halbjahr 2025 | 22.981 | +13,4 % | 8.700 | 89 % |
- Hauptkritikpunkte: Verspätung, Falschzustellung, Beschädigung
- Warnstreiks und Hitzewelle als Gründe für Einschränkungen
Infobox: Die Zahl der Beschwerden über Postdienstleistungen hat ein Rekordhoch erreicht, wobei die Deutsche Post besonders im Fokus steht. (Quelle: SZ.de)
China entdeckt riesiges Lithium-Vorkommen – Auswirkungen auf die Weltwirtschaft
In der chinesischen Provinz Hunan wurde ein massives Lithium-Vorkommen entdeckt, das die Wirtschaft weltweit beeinflussen könnte. Ein geologisches Forschungsteam fand rund 490 Millionen Tonnen Lithiumerz, das vor allem die Industrie in Chenzhou stärken soll. Die Lagerstätte enthält neben Lithium auch Zinn, Rubidium und Wolfram, die für Hightech-Anwendungen wie Smartphone-Akkus und Energiespeicher für Elektroautos unverzichtbar sind.
China deckt bisher laut Electrive.net nur rund sieben Prozent der weltweiten Lithium-Förderung aus eigenen Minen, kontrolliert aber durch Investitionen im Ausland fast die Hälfte der globalen Lithium-Produktion. Über 70 Prozent der globalen Raffineriekapazitäten befinden sich in China. Aus dem neuen Lithiumerz sollen in den kommenden Jahren bis zu 1,3 Millionen Tonnen Lithiumoxid gewonnen werden. Laut dem „China Geological Survey“ machen Chinas Vorkommen inzwischen 16,5 Prozent der weltweiten Bestände aus, womit das Land auf Platz zwei hinter Bolivien läge. Das „U.S. Geological Survey“ sieht China dagegen auf Rang sechs.
Vorkommen | Menge Lithiumerz | Geplanter Lithiumoxid-Gewinn | Chinas Anteil an weltweiten Beständen | Raffineriekapazität weltweit |
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Hunan, China | 490 Mio. Tonnen | 1,3 Mio. Tonnen | 16,5 % (China Geological Survey) | 70 %+ |
- Stärkung der heimischen Industrie und Verringerung der Importabhängigkeit
- Unterschiedliche Einschätzungen zur globalen Rangfolge der Lithiumreserven
Infobox: Der neue Lithium-Fund in China könnte die globale Rohstoffversorgung und die E-Mobilität maßgeblich beeinflussen. (Quelle: Frankfurter Rundschau)
Deutschland: Rekordschulden und Debatte um Umverteilung
Deutschland sitzt auf einem Schuldenberg von 2,7 Billionen Euro. In den nächsten zwölf Jahren kommen mit kreditfinanzierten Sondervermögen für Infrastruktur und Verteidigungsausgaben noch rund 1.000 Milliarden Euro hinzu. Für die erste Billion benötigten die Bundesregierungen von 1949 bis 1994 fast 50 Jahre, die zweite Billion wurde bis 2012 erreicht. Das Verschuldungstempo wächst rasant. Die Schuldenquote Deutschlands beträgt 62 Prozent der Wirtschaftsleistung, in den USA liegt sie bei 120 Prozent, in Japan bei über 200 Prozent.
Die Sozialversicherungen belasten den Staatshaushalt erheblich: Jährlich fließen 120 Milliarden Euro als Zuschuss in die Rentenkasse, das entspricht rund einem Viertel des Staatsbudgets. Die Wiedereinführung der Vermögensteuer wird als unumgänglich angesehen, da dem Staat seit 1997 rund 380 Milliarden Euro an Einnahmen entgangen sind. Steuerhinterziehung, Mehrwertsteuerbetrug und Schwarzarbeit verursachen jährlich einen Schaden von rund 100 Milliarden Euro. Das Bürgergeld soll künftig nur noch an krankheitsbedingt arbeitsunfähige Menschen gezahlt werden, während andere eine Arbeit annehmen müssen. Das DIW schlug einen „Boomer-Soli“ vor, bei dem reiche Ruheständler zur Finanzierung niedriger Renten beitragen sollen.
Schuldenstand | Zusätzliche Schulden (12 Jahre) | Schuldenquote | Zuschuss Rentenkasse/Jahr | Entgangene Einnahmen Vermögensteuer | Schaden durch Steuerhinterziehung/Jahr |
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2,7 Billionen € | 1.000 Mrd. € | 62 % | 120 Mrd. € | 380 Mrd. € | 100 Mrd. € |
- Staatliche Leistungen und Sozialversicherungen sprengen die Leistungsfähigkeit des Staates
- Debatte um Vermögensteuer, Schließung von Steuerschlupflöchern und Umverteilung
- DIW schlägt „Boomer-Soli“ für reiche Ruheständler vor
Infobox: Deutschlands Verschuldung erreicht Rekordwerte, während die Debatte um Umverteilung und Steuerreformen an Fahrt gewinnt. (Quelle: SZ.de)
Weitere Wirtschaftsmeldungen im Überblick
- Die EU-Kommission hat noch keinen Beschluss zu CO2-Regeln für Firmenwagen gefasst. Der Verkehr trägt entscheidend zu klimaschädlichen CO2-Emissionen bei, konkrete Maßnahmen zur Reduktion stehen jedoch noch aus. (Quelle: Tagesspiegel)
- US-Präsident Trump hat das Stablecoin-Gesetz unterzeichnet. Damit erfüllt er ein Wahlversprechen und trägt zur Entfesselung der Kryptobranche bei. (Quelle: Tagesspiegel)
- Geothermie soll eine wichtige Rolle in der Energieversorgung spielen. Für viele Kommunen sind die Bohrungen jedoch zu riskant, da ein Fehlschlag Millionen kosten kann. Eine Versicherung gegen Misserfolg soll helfen. (Quelle: Tagesspiegel)
- China hat mit dem Bau eines neuen Riesen-Staudamms in Tibet begonnen, um seine Klimaziele zu erreichen. Am Unterlauf des Flusses gibt es jedoch wachsende Sorgen und diplomatische Spannungen. (Quelle: Tagesspiegel)
- Der Krankenstand unter Erwerbstätigen bleibt laut Kassendaten zum Start ins Jahr weiter erhöht. Erkältungen, psychische Probleme und Rückenschmerzen sind die Hauptursachen. (Quelle: Tagesspiegel)
Infobox: Die aktuellen Wirtschaftsmeldungen zeigen eine Vielzahl an Herausforderungen und Entwicklungen – von Klimapolitik über Digitalisierung bis hin zu Gesundheit und Energieversorgung. (Quellen: Tagesspiegel, SZ.de, Frankfurter Rundschau)
Einschätzung der Redaktion
Die geplante Entbürokratisierung für Gründer im Gastgewerbe in Baden-Württemberg ist ein wichtiger Schritt, um die Gründungsdynamik in einer von Strukturwandel und Umsatzrückgängen betroffenen Branche zu stärken. Die Vereinfachung der Verfahren kann die Attraktivität des Standorts erhöhen und insbesondere Betriebsübergaben erleichtern. Allerdings bleibt die wirtschaftliche Lage der Gastronomie angespannt, sodass die Maßnahme allein nicht ausreichen wird, um die strukturellen Herausforderungen wie sinkende Umsätze und zahlreiche Betriebsaufgaben zu bewältigen. Entscheidend wird sein, ob die Entlastung bei den Gründungsformalitäten tatsächlich zu einer nachhaltigen Belebung der Branche führt oder ob zusätzliche Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage und zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit notwendig werden.
- Erleichterung für Gründer und Betriebsübernahmen
- Positive Signalwirkung für das Gastgewerbe
- Strukturelle Probleme der Branche bleiben bestehen
Quellen:
- Gastgewerbe - Künftig weniger Bürokratie bei Eröffnung einer Gaststätte - Wirtschaft - SZ.de
- Alle Artikel in „Wirtschaft“ vom 20.07.2025
- Pakete verschwunden, Briefe vertauscht; So viele Post-Beschwerden wie noch nie - Wirtschaft - SZ.de
- Nächster Triumph für China: Rohstoff-Fund gibt Wirtschaft Auftrieb
- Deutschland: Rekordschulden und drohende Umverteilung - Wirtschaft - SZ.de
- „Absolut beunruhigend“ - Wirtschaftsminister für Stahlgipfel