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Investitionen in Milliardenhöhe, spektakuläre Klagen und geopolitische Spannungen prägen die aktuelle Wirtschaftswoche: Roche setzt mit einer neuen US-Fabrik auf Wachstum im Pharmamarkt, während Elon Musk mit einer Klage gegen Apple und OpenAI die KI-Branche aufmischt. Unicredit erhöht den Druck auf die Commerzbank, die US-Regierung steigt bei Intel ein, das Handwerk fordert politische Entlastung – und Angriffe auf russische Energieinfrastruktur verschärfen die Lage in Osteuropa.
Roche investiert 700 Millionen Dollar in neue US-Fabrik
Der Pharmakonzern Roche hat mit dem Bau eines neuen Werks in Holly Springs, North Carolina, begonnen. Die US-Tochter Genentech investiert 700 Millionen Dollar in die Fertigungsstätte, in der künftig Medikamente gegen Übergewicht produziert werden sollen. Die Fabrik wird mehr als 1900 Arbeitsplätze schaffen und soll ab 2029 einsatzbereit sein. Zusätzlich verfügt der Standort über Landreserven für mögliche Erweiterungen.
Die Investition ist Teil eines größeren Plans: Roche plant, in den kommenden Jahren insgesamt 50 Milliarden Dollar in den Ausbau der Produktion in den USA zu investieren. US-Präsident Donald Trump droht derweil Pharmafirmen mit hohen Zöllen auf Medikamentenimporte, um die Produktion ins eigene Land zu holen.
Investitionssumme | 700 Millionen Dollar (neues Werk) |
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Gesamtinvestition USA | 50 Milliarden Dollar |
Arbeitsplätze | über 1900 |
Fertigstellung | ab 2029 |
Infobox: Roche setzt mit dem neuen Werk einen wichtigen Expansionsschritt in den USA und schafft zahlreiche neue Arbeitsplätze. (Quelle: NZZ)
Elon Musk verklagt Apple und OpenAI wegen KI-Chatbots
Elon Musk hat mit seiner KI-Firma xAI eine Klage gegen Apple und den Chat-GPT-Entwickler OpenAI eingereicht. xAI wirft Apple vor, andere Chatbots zu behindern, um Chat-GPT einen Vorteil zu verschaffen. Die Klage wurde in Texas eingereicht. Apple hatte im Vorjahr eine Kooperation mit OpenAI gestartet, die es iPhone-Nutzern ermöglicht, direkt Anfragen an Chat-GPT zu stellen. Laut Apple könnten künftig auch andere KI-Chatbots integriert werden.
Aus Sicht von xAI ist Apple mit einem Marktanteil von 65 Prozent Monopolist im US-Smartphone-Markt, während OpenAI bei KI-Chatbots einen Anteil von 80 Prozent hält. Ziel der Klage ist neben Schadenersatz ein Verbot der aktuellen Kooperation zwischen Apple und OpenAI.
- Apple: 65 % Marktanteil bei Smartphones in den USA
- OpenAI: 80 % Marktanteil bei KI-Chatbots
Infobox: Musk sieht durch die Kooperation zwischen Apple und OpenAI den Wettbewerb bei KI-Chatbots gefährdet und strebt ein gerichtliches Verbot an. (Quelle: NZZ)
Unicredit erhöht Anteil an Commerzbank auf 26 Prozent
Die italienische Großbank Unicredit hat ihren direkten Aktienanteil an der Commerzbank auf rund 26 Prozent erhöht. Das Unternehmen kündigte zudem an, weitere Finanzinstrumente in Commerzbank-Aktien umzuwandeln, womit der Anteil auf etwa 29 Prozent steigen könnte. Überschreitet Unicredit die 30-Prozent-Marke, wäre sie gesetzlich verpflichtet, ein offizielles Übernahmeangebot für die restlichen Anteile zu machen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel wirbt seit Herbst für einen grenzüberschreitenden Zusammenschluss. In Deutschland gibt es jedoch Sorgen über mögliche Stellenstreichungen und Filialschließungen. Der deutsche Staat hält nach wie vor gut 12 Prozent der Commerzbank-Anteile und schließt weitere Verkäufe aus.
Unicredit-Anteil (direkt) | 26 % |
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Geplanter Anteil nach Umwandlung | ca. 29 % |
Schwelle für Übernahmeangebot | 30 % |
Staatsanteil | gut 12 % |
Infobox: Mit der Anteilsaufstockung rückt eine Übernahme der Commerzbank durch Unicredit näher. (Quelle: NZZ)
US-Regierung steigt mit knapp zehn Prozent bei Intel ein
Die US-Regierung ist neuer Großaktionär beim Chipkonzern Intel. Handelsminister Howard Lutnick gab bekannt, dass der Staat nun einen Anteil von zehn Prozent an Intel hält. Als Kaufpreis werden 8,9 Milliarden Dollar an Subventionen für den Ausbau der US-Produktion gezahlt. Intel hatte zuvor bereits gut zwei Milliarden Dollar erhalten. Die US-Regierung erhält Aktien ohne Stimmrechte und kann somit keinen direkten Einfluss auf das Management nehmen.
Die Regierung kann innerhalb von fünf Jahren einen weiteren Anteil von fünf Prozent zum Preis von 20 Dollar pro Aktie nachkaufen, falls Intel weniger als 51 Prozent an seinem Fertigungsgeschäft halten sollte. Die Intel-Aktie stieg im US-Handel am Freitag um rund 5,5 Prozent auf 24,80 Dollar.
Staatsanteil an Intel | 10 % |
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Subventionen (neu) | 8,9 Mrd. Dollar |
Aktienkurs (Freitag) | 24,80 Dollar (+5,5 %) |
Option auf weitere Anteile | 5 % zu 20 Dollar/Aktie |
Infobox: Die US-Regierung sichert sich mit der Beteiligung an Intel Einfluss auf die heimische Chipproduktion, ohne Stimmrechte zu erhalten. (Quelle: NZZ)
Handwerksverband: Wachsende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sieht bei vielen Mitgliedern eine wachsende Unzufriedenheit mit der Bundesregierung. ZDH-Präsident Dittrich erklärte gegenüber der "Bild"-Zeitung, der von Bundeskanzler Merz versprochene Stimmungsumschwung bis zur Sommerpause sei nicht zu spüren.
Niedersachsens Ministerpräsident Lies (SPD) forderte eine Lösung für die Stromsteuer, um die Belastung für Unternehmen zu senken. Die Diskussion um die Energiepreise bleibt damit ein zentrales Thema für das Handwerk.
- ZDH-Präsident Dittrich: Stimmungsumschwung nicht spürbar
- Forderung nach Senkung der Strompreise
Infobox: Die Stimmung im Handwerk bleibt angespannt, insbesondere wegen hoher Energiepreise und fehlender politischer Impulse. (Quelle: Deutschlandfunk)
Ukraine trifft Russlands Wirtschaft: Angriffe auf Energieinfrastruktur
Die Ukraine hat erneut die zentrale Druschba-Pipeline angegriffen, über die russisches Rohöl nach Ungarn transportiert wird. Es handelt sich bereits um die dritte Attacke in kurzer Zeit. Ungarns Außenminister Péter Szijjártó bezeichnete den Angriff als weiteren Versuch, Ungarn in den Konflikt hineinzuziehen, und betonte, dass Ungarn weiterhin auf stabile Energiekooperation mit Russland setze.
Die Rohöllieferungen nach Ungarn kamen nach dem Angriff erneut zum Erliegen, liefen aber nach Reparaturen wieder an. 2024 transportierte Russland 4,78 Millionen Tonnen Rohöl über die Druschba-Pipeline nach Ungarn, zu Jahresbeginn 2025 bereits 956.000 Tonnen. Die Slowakei und Ungarn sind weiterhin auf russische Energie angewiesen. Die EU-Preisobergrenze für russisches Rohöl soll künftig auf unter 50 Dollar pro Barrel gesenkt werden, nachdem sie lange bei 60 Dollar pro Barrel lag.
Rohölmenge 2024 (Ungarn) | 4,78 Mio. Tonnen |
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Rohölmenge Anfang 2025 | 956.000 Tonnen |
EU-Preisobergrenze (bisher) | 60 Dollar/Barrel |
EU-Preisobergrenze (geplant) | unter 50 Dollar/Barrel |
„Ungarn setzt auf die Fortsetzung der Energiekooperation mit Russland und schätzt deren Ergebnisse – stabile Öl- und Gaslieferungen, die die Energiesicherheit unseres Landes gewährleisten“, so Szijjártó im März 2025 laut Interfax.
Infobox: Die Angriffe auf die Druschba-Pipeline zeigen die Verwundbarkeit der russischen Energieinfrastruktur und die Abhängigkeit einzelner EU-Staaten von russischem Öl. (Quelle: Merkur)
Einschätzung der Redaktion
Die Investition von 700 Millionen Dollar in eine neue US-Fabrik durch Roche ist ein strategisch bedeutsamer Schritt, der die Position des Unternehmens im wachsenden Markt für Medikamente gegen Übergewicht stärkt. Die Schaffung von über 1900 Arbeitsplätzen unterstreicht die wirtschaftliche Relevanz des Projekts für die Region und signalisiert langfristiges Engagement. Die geplanten Gesamtinvestitionen von 50 Milliarden Dollar in den USA verdeutlichen die Ambitionen von Roche, sich als führender Akteur im amerikanischen Pharmamarkt zu etablieren und auf politische Rahmenbedingungen wie drohende Importzölle zu reagieren. Die Landreserven am Standort bieten zudem Flexibilität für zukünftige Erweiterungen und sichern die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im globalen Umfeld.
Infobox: Roche setzt mit der Großinvestition ein klares Zeichen für Wachstum, Innovation und Standortbindung in den USA.
Quellen:
- Wirtschaft vor acht
- Wirtschaft: die neusten Meldungen
- Konjunktur: Ende der Krise? KfW wird zuversichtlicher für Wirtschaft
- Jobwechsel: So mischen ehemalige Lehrer die Wirtschaft auf
- Wirtschaft - Handwerksverband sieht bei vielen Mitgliedern "Wut" über Regierung - Niedersachsens Ministerpräsident Lies (SPD): Strompreise müssen gesenkt werden
- Ukraine trifft Russlands Wirtschaft: Angriff auf Putins Energiequellen