Deutsche Wirtschaft vor Erholung, Schweiz und Russland kämpfen mit Wachstumssorgen
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Der Pressespiegel zeigt: Während Deutschlands Wirtschaft erste Erholungssignale sendet, kämpft die Schweiz mit Arbeitskräftemangel und Russland mit massiven Verlusten.
Konjunkturhoffnung in Deutschland, Arbeitskräftemangel in der Schweiz, massive Verluste in Russlands besetzten Gebieten und ein dramatischer Umsatzeinbruch im deutschen Gastgewerbe: Der aktuelle Pressespiegel beleuchtet die zentralen Herausforderungen und Wendepunkte der Wirtschaft in Europa und Russland. Wer wissen will, wie Experten die Zukunft einschätzen und welche Maßnahmen jetzt gefordert sind, findet hier die wichtigsten Fakten und Analysen im Überblick.
Deutsche Wirtschaft: Hoffnung auf Ende der Durststrecke
Die deutsche Wirtschaft steht laut Experten vor einem möglichen Ende der langanhaltenden Schwächephase. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, betont die Vielfalt Deutschlands, die sich nicht nur in großen Konzernen, sondern vor allem im starken Mittelstand zeigt. Diese Unternehmen gelten als Rückgrat der Wirtschaft, sind flexibel und haben in der Vergangenheit viele Arbeitsplätze geschaffen sowie gute Löhne gezahlt. Dennoch ist die Basis des bisherigen Erfolgs – die reibungslose globale Arbeitsteilung – ins Wanken geraten. Energiepreise sind gestiegen, Lieferketten gestört und neue Konkurrenten setzen andere Maßstäbe.
Die OECD prognostiziert, dass Deutschland 2025 das langsamste Wachstum aller Industrienationen aufweisen wird. Nur Norwegen und Österreich schneiden im OECD-Vergleich noch schlechter ab. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hält dennoch ein Mini-Wachstum für möglich und sieht ein Ende der Durststrecke, warnt aber vor weiterhin herausfordernden Bedingungen. Die Zahl der Insolvenzen ist im Mai erstmals seit über zwei Jahren zurückgegangen, was als positives Signal gewertet wird. Unternehmen reagieren mit Restrukturierungen, Standortschließungen und dem Verkauf von Tochtergesellschaften auf die veränderten Rahmenbedingungen.
"Für die deutsche Wirtschaft zeichnet sich ein Ende der langen Durststrecke ab." (Joachim Nagel, Bundesbank-Präsident)
- OECD: Deutschland 2025 mit langsamstem Wachstum unter den Industrienationen
- Erstmals seit zwei Jahren sinkende Zahl der Insolvenzen (Mai 2025)
- Fiskalpaket und Reform der Schuldenbremse sollen Investitionen anregen
Infobox: Die deutsche Wirtschaft bleibt unter Druck, zeigt aber erste Anzeichen einer Erholung. Experten fordern mehr Investitionen in Infrastruktur und eine technologieoffene Haltung, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. (Quelle: tagesschau.de)
Schweiz: Arbeitskräftemangel bedroht Wirtschaftswachstum
In der Schweiz droht in den kommenden zehn Jahren eine Lücke von 400.000 Arbeitskräften. Die OECD warnt, dass sich das Wachstumstempo in westlichen Ländern um etwa 40 Prozent verringern wird. Während der jährliche Pro-Kopf-Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) bisher bei 1,0 Prozent lag, wird er in den nächsten drei Jahrzehnten auf 0,6 Prozent sinken. Besonders betroffen sind Länder mit niedriger Geburtenrate – in der Schweiz liegt diese aktuell unter 1,3 Kindern pro Frau.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rechnet damit, dass die Erwerbsbevölkerung in den nächsten zehn Jahren nur noch um 310.000 Personen wächst, während es im letzten Jahrzehnt noch 670.000 waren. Die Arbeitsdauer pro Erwerbsperson ist seit 1980 von 38 auf 30 Stunden pro Woche gesunken. Die SNB sieht als mögliche Gegenmaßnahmen eine Erhöhung des Rentenalters, mehr Zuwanderung und eine Steigerung der Effizienz, etwa durch künstliche Intelligenz. Allerdings stoßen spätere Renten und hohe Immigration auf Widerstand in der Bevölkerung.
| Jahr | Wachstum Erwerbsbevölkerung | Geburtenrate | Arbeitsstunden/Woche |
|---|---|---|---|
| letztes Jahrzehnt | +670.000 | über 1,3 (1970er) | 38 |
| nächste 10 Jahre | +310.000 | <1,3 (heute) | 30 |
Infobox: Die demografische Entwicklung stellt die Schweizer Wirtschaft vor große Herausforderungen. Ohne Gegenmaßnahmen droht ein massiver Rückgang des Wachstums. (Quelle: NZZ)
Russland: Wirtschaft unter Druck – Rüstungsindustrie und Banken in der Krise
Russlands Wirtschaft gerät zunehmend unter Druck. Das 18. Sanktionspaket der EU sieht vor, den Ölpreisdeckel dynamisch zu regulieren, sodass der Preis auf 15 Prozent unter dem Weltmarktpreis gedrückt wird. Der neue Deckel liegt zunächst bei 47,60 Dollar pro Barrel. Zudem werden 105 weitere Schiffe der russischen Schattenflotte sanktioniert und die Reaktivierung der Nord-Stream-Gaspipelines verboten. Die russischen Staatseinnahmen aus Öl und Gas sind im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat um 35 Prozent gefallen. Das Haushaltsdefizit lag zwischen Januar und Mai bei 37 Milliarden Euro (rund 3,4 Billionen Rubel).
Die Inflationsrate liegt bei über zehn Prozent, der Leitzins bei 20 Prozent. Die Zahl der notleidenden Kredite steigt, bei der VTB-Bank lag der Anteil im Mai bei fünf Prozent, ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte seit Jahresbeginn. Der VTB-Vizevorsitzende erwartet für das kommende Jahr einen Anteil von sechs bis sieben Prozent. Die russische Zentralbankchefin Elwira Nabiullina erklärte, dass die bisherigen Wachstumsreserven erschöpft seien und ein neues Wachstumsmodell notwendig sei. Im vergangenen Jahr lag das Wirtschaftswachstum noch bei 4,3 Prozent, für dieses Jahr werden nur noch ein bis zwei Prozent erwartet.
"Diese Ressource sei nun aber 'wirklich erschöpft'. Sie forderte ein 'neues Wachstumsmodell' für die Wirtschaft ihres Landes." (Elwira Nabiullina, Zentralbankchefin)
- Öl- und Gaseinnahmen im Mai: -35 % zum Vorjahr
- Haushaltsdefizit Jan-Mai: 37 Mrd. Euro
- Leitzins: 20 %, Inflation: >10 %
- Wachstum 2023: 4,3 %, Prognose 2024: 1-2 %
Infobox: Die russische Wirtschaft leidet unter westlichen Sanktionen, steigender Inflation und einem wachsenden Anteil notleidender Kredite. Die Rüstungsindustrie und Banken schlagen Alarm. (Quelle: T-Online)
Russlands Wirtschaft in besetzten Gebieten: Milliardenverluste und Hilfsprogramme
Auch in den von Russland besetzten Gebieten der Ukraine verschärft sich die wirtschaftliche Lage. Metallurgische Anlagen und Kokereien in Donezk und Luhansk arbeiten derzeit im Minus und fordern staatliche Unterstützung. Die Nachfrage soll 2025 um zehn bis 15 Prozent einbrechen. Die Produktionskosten steigen, während die Preise fallen. Der Kreml hat bereits 2023 ein Hilfsprogramm mit einer Summe von über einer Billion Rubel (10,76 Milliarden Euro) für die besetzten Gebiete aufgelegt. Präsident Putin sprach sogar von 1,2 Billionen Rubel, die 2023 in die Gebiete geflossen seien.
Zwischen Januar und September 2024 wurden Steuern in Höhe von 118 Milliarden Rubel (1,3 Millionen Euro) aus den besetzten Gebieten eingesammelt. Die Investitionen übersteigen die Einnahmen jedoch deutlich. Für die Jahre 2025 bis 2027 sind weitere zehn Milliarden US-Dollar für den Wiederaufbau vorgesehen. Experten warnen, dass diese Maßnahmen kurzfristig keine wirtschaftlichen Erfolge bringen werden.
| Jahr | Staatliche Hilfen (Rubel) | Steuereinnahmen (Rubel) |
|---|---|---|
| 2023 | 1,2 Billionen | 118 Milliarden (Jan-Sep 2024) |
Infobox: Die besetzten Gebiete in der Ukraine sind für Russland ein finanzielles Minusgeschäft. Die staatlichen Hilfen übersteigen die Steuereinnahmen deutlich. (Quelle: Frankfurter Rundschau)
Deutsches Gastgewerbe: Stärkster Umsatzeinbruch seit Ende 2021
Das deutsche Gastgewerbe hat im Mai den größten Umsatzeinbruch seit dreieinhalb Jahren verzeichnet. Laut Statistischem Bundesamt setzten Restaurants, Kneipen, Hotels und Beherbergungsstätten 2,2 Prozent weniger um als im Vormonat. Inflationsbereinigt lag das Minus sogar bei 4,6 Prozent – der stärkste Rückgang seit Dezember 2021. Im Vergleich zum Mai 2024 betrug der Rückgang real 4,0 Prozent. Besonders betroffen waren Hotels und Beherbergungsunternehmen mit einem realen Minus von 7,0 Prozent, während Gastronomiebetriebe ein Minus von 3,9 Prozent verzeichneten.
Die Branche rechnet mit deutlichen Personalkostensteigerungen, da der Mindestlohn zum 1. Januar 2026 von 12,82 auf 13,90 Euro je Stunde und ein Jahr später auf 14,60 Euro angehoben wird. Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fordert daher politische Impulse, etwa eine dauerhafte Senkung der Umsatzsteuer für Speisen auf 7 Prozent ab Januar 2026.
| Monat | Umsatzveränderung (real) | Hotels/Beherbergung | Gastronomie |
|---|---|---|---|
| Mai 2025 vs. Vormonat | -4,6 % | -7,0 % | -3,9 % |
| Mai 2025 vs. Mai 2024 | -4,0 % | - | - |
Infobox: Das Gastgewerbe in Deutschland steht unter massivem Druck durch sinkende Umsätze und steigende Kosten. Die wirtschaftliche Belastungsgrenze vieler Betriebe ist erreicht. (Quelle: Spiegel)
Einschätzung der Redaktion
Die aktuellen Entwicklungen deuten auf eine fragile Stabilisierung der deutschen Wirtschaft hin, die jedoch keineswegs als gesichert betrachtet werden kann. Die strukturellen Herausforderungen – insbesondere die gestörten globalen Lieferketten, hohe Energiepreise und der zunehmende internationale Wettbewerbsdruck – bleiben bestehen und erfordern entschlossene politische und unternehmerische Antworten. Die leichte Entspannung bei den Insolvenzen ist ein positives Signal, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das prognostizierte Wachstum weiterhin deutlich hinter dem internationalem Vergleich zurückbleibt. Ohne substanzielle Investitionen in Infrastruktur, Innovation und eine Modernisierung des regulatorischen Rahmens droht Deutschland, den Anschluss an dynamischere Volkswirtschaften zu verlieren. Die Bedeutung des Mittelstands als Stabilitätsanker bleibt hoch, doch auch dieser steht vor der Aufgabe, sich an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die eingeleiteten Maßnahmen ausreichen, um die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Infobox: Die deutsche Wirtschaft steht an einem Scheideweg: Erste Erholungstendenzen sind erkennbar, doch ohne tiefgreifende Reformen und Investitionen bleibt die Gefahr einer anhaltenden Wachstumsschwäche bestehen.
Quellen:
- "Ende der Durststrecke zeichnet sich ab"
- Wachstum in Gefahr: Der Schweiz droht ein Defizit von 400 000 Arbeitskräften
- Russlands Wirtschaft: Putins Schlüsselindustrie geht die Puste aus – Banken schlagen Alarm
- Neue Herausforderung für Russlands Wirtschaft: Industrie in besetzten Gebieten leidet
- Deutsches Gastgewerbe erleidet stärksten Umsatzeinbruch seit Ende 2021
- US-Wirtschaft kurz vor Kipppunkt - mitten im Börsenrausch?