Deutsche Wirtschaft stagniert, US-Autozölle sinken, Schweiz sucht Entlastung im Handel
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Die deutsche Wirtschaft stagniert, der Handelsstreit mit den USA bleibt trotz Zollsenkung unsicher und die Schweiz setzt auf Reformen zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
Stagnation in Deutschland, Zollstreit mit den USA und Reformdruck in der Schweiz: Der aktuelle Pressespiegel beleuchtet, wie die Bundesbank, die EU und die Schweizer Regierung auf wirtschaftliche Herausforderungen reagieren. Prognosen, Handelsabkommen und Reformvorschläge zeigen, wie eng die Konjunktur in Europa mit globalen Entwicklungen verknüpft ist und welche Unsicherheiten die Wirtschaftspolitik derzeit prägen.
Bundesbank: Deutsche Wirtschaft stagniert weiterhin
Die Bundesbank prognostiziert, dass die deutsche Wirtschaft im Sommerquartal 2025 voraussichtlich stagnieren wird. Im aktuellen Monatsbericht heißt es, dass die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal auf der Stelle treten könnte. Die trüben Aussichten für den Welthandel, eine weiterhin schwache Auftragslage und die niedrige Auslastung vorhandener Kapazitäten beeinträchtigen die Investitionstätigkeit der Unternehmen. Vom Bau werden keine starken Impulse für die Konjunktur erwartet, und auch die Dienstleister bleiben insgesamt ohne Schwung. Die Kapazitätsauslastung in der Industrie hat sich zwar weiter erhöht, befindet sich aber weiterhin deutlich unter dem langjährigen Durchschnitt. Der private Konsum wird voraussichtlich schwunglos bleiben.
„Von der Industrie dürften im dritten Quartal noch keine Wachstumsimpulse ausgehen“, schätzt die Bundesbank. (Quelle: Ntv)
Auch T-Online berichtet, dass die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal in etwa stagnieren könnte. Die Einschätzung der Bundesbank ist jedoch etwas zuversichtlicher als noch Anfang Juni. Für das Gesamtjahr hält die Bundesbank inzwischen statt Stagnation ein leichtes Plus des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für möglich. Dennoch bleibt die Unsicherheit angesichts offener Fragen im Handelsstreit zwischen den USA und der EU hoch. Die Belastung für Exporte „Made in Germany“ in die USA wird in jedem Fall steigen. Im zweiten Quartal schrumpfte das Wirtschaftswachstum in Deutschland zum Vorquartal nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 0,1 Prozent.
| Quartal | Wirtschaftswachstum (Deutschland) |
|---|---|
| Q2 2025 | -0,1 % |
| Q3 2025 (Prognose) | Stagnation |
- Schwache Auftragslage und niedrige Kapazitätsauslastung belasten die Industrie.
- Vom Bau und von Dienstleistern werden keine starken Impulse erwartet.
- Private Konsumausgaben bleiben schwach.
Infobox: Die deutsche Wirtschaft zeigt weiterhin keine deutlichen Wachstumsimpulse. Die Prognosen für das dritte Quartal 2025 deuten auf eine Stagnation hin, wobei die Unsicherheiten im internationalen Handel und die schwache Binnennachfrage die Entwicklung belasten. (Quellen: Ntv, T-Online)
Handelsstreit: US-Importzoll auf EU-Autos sinkt rückwirkend
Im Handelsstreit zwischen den USA und der EU wurde eine Einigung erzielt, die den US-Importzoll auf aus der EU eingeführte Autos von zuletzt 27,5 Prozent auf 15 Prozent senkt – rückwirkend zum 1. August. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič kündigte an, dass die EU die dafür notwendigen Voraussetzungen erfüllen werde. Die EU und die USA haben eine gemeinsame Erklärung auf Basis der in Schottland Ende Juli getroffenen Handelsvereinbarungen veröffentlicht. In der Erklärung ist festgehalten, dass die USA ihre Autozölle senken, sobald die EU den Gesetzgebungsprozess für Einfuhrerleichterungen zugunsten bestimmter US-Produkte einleitet.
Konkret sollen Zölle auf sämtliche US-Industriegüter vollständig abgeschafft werden und Barrieren für den Import zahlreicher Lebensmittel fallen, darunter Meeresfrüchte, Schweinefleisch, Obst, Gemüse, Saatgut, Milchprodukte und Sojaöl. Die EU akzeptierte den Deal, weil ohne Einigung ab dem 1. August US-Zölle in Höhe von 30 Prozent sowie ein echter Handelskrieg gedroht hätten. Die Zollfreiheit für US-Importe in die EU bedeutet jedoch, dass europäische Hersteller künftig mit stärkerer Konkurrenz aus den USA rechnen müssen. Der neue 15-Prozent-Zoll ist immer noch hoch, da vor Trumps Amtsantritt der Zollsatz bei 2,5 Prozent lag.
| Produkt | Alter US-Zollsatz | Neuer US-Zollsatz | Gültig ab |
|---|---|---|---|
| EU-Autos | 27,5 % | 15 % | 1. August 2025 (rückwirkend) |
| Vor Trumps Amtsantritt | 2,5 % | - | - |
- Die EU muss mit stärkerer Konkurrenz aus den USA rechnen.
- Die Einigung ist nicht rechtsverbindlich, die Gefahr erneuter Zollerhöhungen bleibt bestehen.
- Wein und Spirituosen sind nicht Teil des Abkommens.
Infobox: Die Senkung des US-Importzolls auf EU-Autos auf 15 Prozent bringt kurzfristig Entlastung, bleibt aber deutlich über dem Vorkrisenniveau. Die Unsicherheit im transatlantischen Handel bleibt bestehen. (Quelle: Spiegel)
Schweiz unter Druck: Acht Vorschläge zur Entlastung der Wirtschaft
Die Schweiz steht angesichts willkürlicher US-Zölle und des generellen Trends zu mehr Protektionismus unter Druck. Der Bundesrat setzt auf administrative Entlastungen, doch Experten fordern weitergehende Maßnahmen. Die Neue Zürcher Zeitung präsentiert acht ordnungspolitisch unproblematische Ansätze, um die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft zu stärken:
- Zugang zu anderen Märkten erleichtern: Das Freihandelsabkommen mit Indien tritt demnächst in Kraft, jenes mit dem Mercosur soll im September unterschrieben werden. Abkommen mit Thailand, Malaysia, China, Japan, Mexiko, Kanada und Großbritannien sollen modernisiert oder abgeschlossen werden.
- Zugang zum EU-Binnenmarkt sichern: Das neue Vertragspaket mit der EU soll rasch in Kraft gesetzt werden, um den Zugang zum Binnenmarkt zu sichern.
- Marktzugang für Rüstungsindustrie erhalten: Das Kriegsmaterialgesetz soll angepasst werden, um Exportmöglichkeiten zu sichern.
- Anpassung mit Kurzarbeit erleichtern, Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig halten: Zugang zu Kurzarbeit für bis zu 18 Monate erleichtern, das Arbeitsgesetz modernisieren und Berufslehren entbürokratisieren.
- Innovationsklima verbessern: Zusammenarbeit mit Hochschulen stärken, Fachkräfte und Startup-Gründer aus Drittländern leichter ins Land holen.
- Verlässliche und günstige Stromversorgung sichern: Anschluss ans europäische Stromnetz, Netzausbau beschleunigen, Netzkosten senken und das Verbot des Baus von Kernkraftwerken aufheben.
- Unternehmen von unnötiger Bürokratie entlasten: Verwaltungsprozesse digitalisieren, verbindliche Fristen für Bewilligungen einführen und einen Einheitssatz bei der Mehrwertsteuer einführen.
- Für internationale Firmen attraktiv bleiben: Folgen der OECD-Mindeststeuer prüfen, Standortbedingungen verbessern und auf zusätzliche Lohnabgaben verzichten.
Die NZZ betont, dass die Schweiz keine Industriepolitik nach französischem Vorbild oder teure Industriestrompreissubventionen wie in Deutschland benötigt. Vielmehr müsse die Politik ein breiteres Problembewusstsein entwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit gezielt stärken.
Infobox: Die Schweiz setzt auf eine Kombination aus Marktzugang, Bürokratieabbau und Innovationsförderung, um den Herausforderungen durch US-Zölle und internationalen Protektionismus zu begegnen. (Quelle: Neue Zürcher Zeitung)
Einschätzung der Redaktion
Die anhaltende Stagnation der deutschen Wirtschaft signalisiert eine strukturelle Schwäche, die nicht allein auf externe Faktoren wie den Welthandel zurückzuführen ist. Die fehlenden Impulse aus Industrie, Bau und Dienstleistungssektor deuten auf eine tieferliegende Investitionszurückhaltung und mangelnde Innovationsdynamik hin. Die schwache Binnennachfrage verstärkt diesen Trend und erschwert eine eigenständige Erholung. Ohne gezielte wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Stärkung von Investitionen, Innovation und Konsum droht Deutschland, im internationalen Vergleich weiter an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Die Unsicherheiten im globalen Handel verschärfen die Lage zusätzlich und könnten die Erholung weiter verzögern.
- Strukturelle Schwächen und Investitionszurückhaltung bremsen die Erholung.
- Ohne wirtschaftspolitische Impulse droht ein weiterer Wettbewerbsverlust.
- Globale Unsicherheiten verstärken die Risiken für die deutsche Wirtschaft.
Quellen:
- Wirtschaft vor acht
- Bundesbank-Prognose: Deutsche Wirtschaft dürfte im Sommerquartal stagnieren
- Wie sich die Schweiz eigenständig gegen Trumps Zölle wappnen könnte
- Handelsstreit: US-Importzoll auf EU-Autos soll niedriger ausfallen – auch rückwirkend
- Bundesbank: Deutsche Wirtschaft tritt auf der Stelle
- Update Wirtschaft vom 21.08.2025