Deutsche Wirtschaft schrumpft im zweiten Quartal 2025 stärker als erwartet
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 mit -0,3 % stärker geschrumpft als erwartet; Hauptursachen sind schwache Industrie und Investitionen.
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 deutlich stärker geschrumpft als von Experten prognostiziert. Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen einen unerwartet kräftigen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts, der vor allem auf die schwächelnde Industrieproduktion und rückläufige Investitionen zurückzuführen ist. Die Ursachen reichen von internationalen Handelskonflikten bis zu einer anhaltend schwachen Binnennachfrage – und die Aussichten bleiben trüb.
Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der deutschen Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2025 stärker zurückgegangen als zunächst angenommen. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamts sank das BIP von April bis Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Ursprünglich war lediglich ein Rückgang von 0,1 Prozent prognostiziert worden. Als Hauptursache für diese Entwicklung wird die schwache Industrieproduktion genannt. Im ersten Quartal 2025 hatte es noch ein Wachstum von 0,3 Prozent gegeben. (Quellen: Ntv, Berliner Morgenpost, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel, SZ.de)
| Quartal | BIP-Veränderung zum Vorquartal | Quelle |
|---|---|---|
| Q1 2025 | +0,3 % | Statistisches Bundesamt (Ntv, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel) |
| Q2 2025 | -0,3 % | Statistisches Bundesamt (Ntv, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel) |
Die Industrieproduktion entwickelte sich laut Statistischem Bundesamt schlechter als zunächst angenommen. Auch die Investitionen in Bauten, Maschinen und Fahrzeuge gingen deutlich zurück. Der private und staatliche Konsum legten zwar zu, konnten den Rückgang jedoch nicht ausgleichen. (Ntv, Berliner Morgenpost, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel, SZ.de)
- BIP-Rückgang im Q2 2025: -0,3 %
- Industrieproduktion als Hauptursache
- Investitionen und Exporte schwach
Gründe für die schwache Entwicklung
Die Ursachen für das schwache Abschneiden der deutschen Wirtschaft sind vielfältig. Die erratische Handelspolitik der USA bremst die exportorientierte deutsche Industrie. Im zweiten Quartal war die Nachfrage nach deutschen Produkten, insbesondere aus den USA, bereits gesättigt, was zu schwachen Exporten führte. (Berliner Morgenpost)
Auch im Inland ließen die Investitionen in Bauten, Maschinen und Fahrzeuge durch Unternehmen deutlich nach. Die Industrieproduktion entwickelte sich schlechter als zunächst angenommen, und der private Konsum blieb hinter den Erwartungen zurück. (Berliner Morgenpost, Ntv, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel, SZ.de)
„Die Wachstumsbelebung zu Jahresbeginn war nur ein Strohfeuer, mehr nicht. Das fette Minus bei den Exporten ist das Ergebnis des zollgehemmten Handels. Der Zoll-Deal mit den USA wird erst einmal Wachstumspunkte kosten.“
Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe (Ntv)
- Schwache Industrieproduktion und Investitionen
- Exportprobleme durch US-Handelspolitik
- Private und staatliche Konsumausgaben konnten Rückgang nicht ausgleichen
Stagnation und Ausblick
Die Bundesbank rechnet auch für das laufende Sommerquartal nicht mit einem Wachstum. Europas größte Volkswirtschaft werde voraussichtlich stagnieren. Die trüben Aussichten für den Welthandel, die noch schwache Auftragslage und die niedrige Auslastung vorhandener Kapazitäten dürften die Investitionstätigkeit der Unternehmen weiter beeinträchtigen. Auch vom Bau kommen voraussichtlich keine starken Impulse für die Konjunktur. Zudem bremsen gedämpfte Aussichten am Arbeitsmarkt und eine nachlassende Lohndynamik den privaten Konsum. Auch die Dienstleister bleiben insgesamt ohne Schwung. (Ntv, FAZ, DIE ZEIT, Spiegel, SZ.de)
„Die erneut sinkende Wirtschaftsleistung ist kein gutes Zeichen. Auch im laufenden Quartal ist kaum mit einem Wachstum zu rechnen. Deutschland wird 2025 voraussichtlich stagnieren.“
Veronika Grimm, Wirtschaftsweise (Berliner Morgenpost)
- Bundesbank erwartet Stagnation im Sommerquartal
- Schwache Auftragslage und niedrige Auslastung
- Gedämpfte Konsum- und Bauimpulse
Staatliche Finanzen und Hoffnungsschimmer
Die Kassenlage des deutschen Staates hat sich verbessert. Im ersten Halbjahr 2025 gab der Fiskus 28,9 Milliarden Euro mehr aus, als er einnahm. Sozialbeiträge und Steuereinnahmen wuchsen jedoch schneller als die Staatsausgaben, sodass das staatliche Defizit um 19,4 Milliarden Euro niedriger war als ein Jahr zuvor. Das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung lag im ersten Halbjahr 2025 bei 1,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. (Ntv, FAZ)
| Zeitraum | Staatliches Defizit | Defizit in % des BIP |
|---|---|---|
| 1. Halbjahr 2025 | 28,9 Mrd. Euro | 1,3 % |
Ein Hoffnungsschimmer ist der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft mit Industrie und Dienstleistern. Dieser stieg im August überraschend um 0,3 auf 50,9 Punkte an und erreichte damit den besten Wert seit März. Das Barometer hält sich damit den dritten Monat in Folge über der Marke von 50, ab der es Wachstum signalisiert. (Ntv, DIE ZEIT, Spiegel)
„Auch wenn wir hier nur von moderaten Zuwächsen sprechen, sehen wir diese Entwicklung als ein Zeichen von Resilienz. Denn an widrigen Umständen wie den US-Zöllen, der geopolitischen Unsicherheit und relativ hohen Langfristzinsen mangelt es nicht.“
Cyrus de la Rubia, Chefökonom der Hamburg Commercial Bank (Ntv, DIE ZEIT, Spiegel)
- Staatliches Defizit gesunken, liegt bei 1,3 % des BIP
- Einkaufsmanagerindex steigt auf 50,9 Punkte
- Zeichen von Resilienz trotz widriger Umstände
Revisionen und politische Reaktionen
Das Statistische Bundesamt revidierte auch die Zahlen der Vorjahre. Für 2023 steht nun ein Minus von 0,9 Prozent (bisher: minus 0,3) in der Statistik, 2024 ging das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 Prozent (bisher: 0,2) zurück. Die revidierten Daten für das vierte Quartal 2024 zeigen nun ein Plus von 0,2 Prozent statt eines Minus von 0,2 Prozent. Für das erste Quartal 2025 wurde das bisherige Wachstum von 0,4 auf 0,3 Prozent nach unten revidiert. (Berliner Morgenpost)
| Jahr/Quartal | Alte Schätzung | Neue Schätzung |
|---|---|---|
| 2023 | -0,3 % | -0,9 % |
| 2024 | 0,2 % | -0,5 % |
| Q4 2024 | -0,2 % | +0,2 % |
| Q1 2025 | +0,4 % | +0,3 % |
Innerhalb der Bundesregierung wird betont, dass die beschlossenen Maßnahmen Zeit benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten. Die strukturellen Herausforderungen ließen sich nicht über Nacht lösen, so SPD-Fraktionsvize Armand Zorn. Die Bundesregierung setzt auf Investitionsanreize und eine Absenkung der Unternehmenssteuer ab 2028. (Berliner Morgenpost)
- Revisionen zeigen stärkeren Rückgang in 2023 und 2024
- Politik setzt auf mittelfristige Reformen und Investitionen
- Wachstumseffekte werden erst später erwartet
Einschätzung der Redaktion
Die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft verdeutlicht die strukturellen Herausforderungen, mit denen der Standort konfrontiert ist. Die Kombination aus rückläufiger Industrieproduktion, schwachen Investitionen und exporthemmenden Rahmenbedingungen signalisiert, dass kurzfristige Impulse allein nicht ausreichen werden, um eine nachhaltige Trendwende einzuleiten. Die wiederholten Revisionen der Wirtschaftsdaten nach unten unterstreichen zudem, dass die bisherigen Erwartungen an die Erholung zu optimistisch waren.
Die Stagnationstendenzen und die schwache Auftragslage deuten darauf hin, dass die deutsche Wirtschaft in einer Phase der Unsicherheit verharrt. Die angekündigten politischen Maßnahmen zur Stärkung von Investitionen und zur Entlastung der Unternehmen sind zwar ein Schritt in die richtige Richtung, werden aber erst mittelfristig Wirkung entfalten. Kurzfristig bleibt die Gefahr bestehen, dass die deutsche Wirtschaft weiter an Wettbewerbsfähigkeit verliert, wenn nicht entschlossen und umfassend gegengesteuert wird.
Positiv hervorzuheben ist die verbesserte Haushaltslage und die leichte Erholung im Einkaufsmanagerindex, die auf eine gewisse Widerstandsfähigkeit hindeuten. Dennoch bleibt der Ausblick verhalten, solange die strukturellen Probleme nicht konsequent adressiert werden und die internationalen Unsicherheiten fortbestehen.
- Strukturelle Schwächen und schwache Investitionen belasten die Konjunktur
- Politische Maßnahmen wirken erst mittelfristig
- Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum bleiben kurzfristig gefährdet
Quellen:
- Schlechte Industrie-Entwicklung: Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet
- BIP stärker geschrumpft: Warum die Wirtschaft nicht in Schwung kommt
- BIP um 0,3 Prozent gesunken: Wirtschaft im Frühjahr stärker geschrumpft als erwartet
- BIP: Wirtschaft im Frühjahr stärker geschrumpft als erwartet
- BIP: Deutsche Wirtschaft schrumpft im zweiten Quartal stärker als befürchtet
- Deutsche Wirtschaft schrumpft im zweiten Quartal - was sagen Ökonomen? - Wirtschaft - SZ.de