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Der deutsche Wirtschaftsstand steht unter mehrfachen Vorzeichen: Arbeitgeberverbände verlangen tiefgreifende Reformen, Unternehmen kämpfen gegen wachsende Bürokratie und politische Pläne setzen verstärkt auf staatliche Eingriffe. Zugleich sorgen ein mögliches Kalisalz-Abkommen der USA mit Belarus und unterschiedliche Einschätzungen zur Konjunktur für internationale und regionale Perspektiven. Der Pressespiegel ordnet die wichtigsten Debatten, Risiken und wirtschaftspolitischen Weichenstellungen ein.
Wirtschaft im Pressespiegel: Reformdruck, Bürokratie und staatliche Eingriffe
Arbeitgeberverbände fordern das Ende der abschlagsfreien Frührente
Die Präsidenten der Arbeitgeberverbände BDA und des Industrieverbands BDI, Rainer Dulger und Peter Leibinger, fordern nach den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin eine konsequente Reformpolitik. In einem Gastbeitrag im „Handelsblatt“, über den FOCUS online berichtet, schreiben sie, die Parteien der Mitte dürften aus den Wahlergebnissen nicht die falschen Schlüsse ziehen.
Die Verbandspräsidenten sehen eine Chance für einen „Turnaround“ durch Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung. Dafür brauche es Mut, Konsequenz sowie eine stabile, handlungsfähige und handlungswillige Bundesregierung. In der Politik seien zuletzt jedoch Personaldebatten und kleinteilige Grabenkämpfe zu beobachten gewesen.
Besonders deutlich wenden sich Dulger und Leibinger gegen die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte, die sogenannte Rente ab 63. Diese müsse nun wie geplant abgeschafft werden. Die beiden begründen ihre Forderung nicht nur mit der Finanzierung, sondern auch mit der Gerechtigkeit.
Darüber hinaus verlangen sie eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Der entsprechende Gesetzentwurf könne nach ihrer Einschätzung längst vorliegen. Auch die geplante Einkommensteuerreform kritisieren sie: Der Entwurf enthalte lediglich „kleinteilige Korrekturen mit minimaler Entlastungswirkung“, während Unternehmen unter dem Strich stärker statt weniger belastet würden.
„Sie haben die Chance auf einen Turnaround: Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Beschäftigung.“ – Rainer Dulger und Peter Leibinger, zitiert von FOCUS online
Zusammenfassung: FOCUS online berichtet über Forderungen der Arbeitgeberverbände nach der Abschaffung der abschlagsfreien Rente ab 63, einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit und einer umfassenderen Entlastung der Unternehmen.
Bürokratie gilt Unternehmen als größtes Standortproblem
Unternehmen in Deutschland betrachten umfangreiche bürokratische Pflichten als das größte Problem für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf eine Umfrage des Münchner Ifo-Instituts.
50 Prozent der befragten Unternehmen nannten Bürokratie als wichtigstes Problem. Energie- und Arbeitskosten folgten mit deutlichem Abstand: Sie wurden von 27 beziehungsweise 22 Prozent genannt.
| Problem | Anteil der Nennungen |
| Bürokratie | 50 Prozent |
| Energiekosten | 27 Prozent |
| Arbeitskosten | 22 Prozent |
| Fachkräftemangel | 17 Prozent |
| Politische Rahmenbedingungen | 16 Prozent |
| Steuern und Abgaben | 13 Prozent |
| Fehlende Planungssicherheit | 13 Prozent |
Der Leiter der Ifo-Befragungen, Klaus Wohlrabe, erklärt den Effekt auf zwei Wegen. Einerseits binde der bürokratische Aufwand Personal, das an anderer Stelle fehle. Andererseits verhindere er Investitionen, wenn sich Vorhaben wegen des Genehmigungs- und Dokumentationsaufwands nicht mehr rechneten. Dieser zweite Effekt erscheine in keiner Statistik, weil das Vorhaben gar nicht erst begonnen werde.
Je größer ein Unternehmen ist, desto stärker wird die Bürokratie als Belastung wahrgenommen. Bei den betreffenden Betrieben wird sie in 59 beziehungsweise 58 Prozent der Fälle genannt. Bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen liegen die entsprechenden Werte bei 33 beziehungsweise 41 Prozent.
Wohlrabe führt die Unterschiede darauf zurück, dass Unternehmen mit Beschäftigten, Anlagen und Exportgeschäft von mehreren Regelwerken gleichzeitig erfasst würden. Dazu zählten unter anderem Arbeitsrecht, Berichtspflichten und Datenschutz. Bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen griffen viele dieser Pflichten noch nicht, während sie ab einer bestimmten Betriebsgröße fast gleichzeitig wirksam würden.
Die Bürokratie wird laut der Umfrage in allen Wirtschaftsbereichen am häufigsten als Problem genannt. Im Bau und bei den Dienstleistern liegen die Anteile bei 45 und 46 Prozent, in der Industrie bei 55 Prozent.
In der Industrie folgen Energiekosten mit 39 Prozent. Auch am Bau werden Energiekosten mit 39 Prozent genannt; dort folgen Arbeitskosten mit 24 Prozent. Bei den Dienstleistern gibt es keine eindeutige Nummer zwei. Politische Rahmenbedingungen werden mit 17 Prozent am zweithäufigsten genannt. Im Handel liegen Nachfrage und allgemeine Wirtschaftslage mit 25 Prozent auf dem zweiten Rang vor Energie- und Arbeitskosten.
„Der bürokratische Aufwand wirkt auf zwei Wegen: Er bindet Personal, das an anderer Stelle fehlt, und er verhindert Investitionen, die sich nicht mehr rechnen, sobald man den Genehmigungs- und Dokumentationsaufwand einpreist.“ – Klaus Wohlrabe, zitiert vom Spiegel
Zusammenfassung: Der Spiegel berichtet, dass 50 Prozent der befragten Unternehmen Bürokratie als größtes Standortproblem nennen. Besonders große Unternehmen und die Industrie sehen sich belastet.
Berliner Linke setzt auf Enteignung, Verstaatlichung und höhere Einnahmen
Die Berliner Linke plant laut FAZ eine deutliche Ausweitung staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. Im Wahlprogramm der Partei wird der Markt mehr als sechzig Mal erwähnt; der Marktmechanismus wird mit der Aussage eingeführt: „Der Markt ist blind für das, was unsere Stadt braucht.“
Der Staat soll mehr als 200.000 Mietwohnungen aus dem Bestand privater Immobilienkonzerne enteignen. Die Umsetzung eines Vergesellschaftungsgesetzes im Sinne des nicht bindenden Volksentscheids „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ von 2021 wird als eine der Top-Prioritäten bezeichnet.
Die Kostenschätzungen für die Verstaatlichung liegen abhängig vom Verkehrswert und den Entschädigungsplänen zwischen zehn und 40 Milliarden Euro. Die rechtliche Umsetzung einer Enteignung auf Grundlage von Artikel 15 des Grundgesetzes ist umstritten; laut FAZ drohen jahrelange juristische Auseinandersetzungen.
Allein aus dem Wohnungsbestand des Immobilienkonzerns Vonovia, der die Deutsche Wohnen übernommen hat, könnten in Berlin mehr als 130.000 Wohnungen betroffen sein. Der Aktienkurs des Unternehmens war am Montagmittag mit einem Abschlag von mehr als zwei Prozent Schlusslicht im Leitindex.
Die Pläne der Linken beschränken sich nicht auf Wohnungen. Auch die S-Bahn soll verstaatlicht werden. Zudem sieht das Wahlprogramm eine neu zu gründende Industrie-Holding vor, über die sich das Land Berlin an Unternehmen beteiligen soll, die in eine Krise geraten sind. Der Einfluss öffentlicher Beteiligungen soll auch genutzt werden, um die sozial-ökologische Transformation voranzutreiben.
Eine neue Agentur für strategische Investitionen soll künftig die Beteiligungen landeseigener Unternehmen steuern. Der Berliner Bodenfonds soll mehr Immobilien und Grundstücke auf Reserve kaufen. Den landeseigenen Wohnungsunternehmen sollen jährlich bis zu zwei Milliarden Euro Eigenkapital zugeführt werden, um den kommunalen Wohnungsbau zu fördern.
Künftig sollen zwei Drittel der Berliner Haushalte berechtigt sein, Sozialwohnungen zu beziehen. Zur Finanzierung verweist die Linkspartei auf Einnahmepotenziale, darunter die Besteuerung von Villen und Luxusimmobilien mit einem Verkaufswert oberhalb von vier Millionen Euro. Außerdem sollen die Gewerbesteuer erhöht und eine neue Grundsteuer eingeführt werden, die der Spekulation entgegenwirken soll.
Das Wahlprogramm sieht ferner eine Ausweitung der rechtlichen Möglichkeiten Berlins zur Aufnahme neuer Kredite vor. Die Tilgungszeiträume für Kredite sollen gestreckt werden; zudem sollen „alle Reserven zur Finanzierung“ ausgeschöpft werden.
| Finanzielle Kennzahl | Angabe der FAZ |
| Kostenschätzung der Verstaatlichung | zwischen zehn und 40 Milliarden Euro |
| Strukturelles Defizit im laufenden Haushalt | mehr als eine Milliarde Euro |
| Finanzierungsdefizit | mehr als vier Milliarden Euro |
| Schulden | mehr als 70 Milliarden Euro |
| Geplante jährliche Eigenkapitalzuführung | bis zu zwei Milliarden Euro |
| Prognostizierter Schuldenstand bis 2027 | 77 Milliarden Euro |
Die Berliner Wirtschaft warnt vor einer zusätzlichen Umverteilung zulasten der Unternehmen. Die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg fordern eine Politik, die Unternehmen entlastet und für mehr Dynamik sorgt. Auch die Industrie- und Handelskammer Berlin betont, Voraussetzung für die Umsetzung von Wahlversprechen sei eine starke und wachsende Wirtschaft.
Harald Christ, Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller, warnt insbesondere vor der Enteignung privater Wohnungsbestände. Die hochverschuldete Stadt benötige privates Kapital für Wohnungen, Infrastruktur und Arbeitsplätze.
Der Wirtschaftswissenschaftler Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet, dass Enteignungspläne privates Kapital abschrecken und den Neubau bremsen könnten. Michael Moritz, Geschäftsführender Partner und Mitgründer der Investmentbank Carlsquare, berichtet laut FAZ, dass die Folgen der Enteignungsdebatte im Geschäft mit Fusionen und Übernahmen bereits wahrnehmbar seien.
„Wer in dieser Stadt Privateigentum enteignen will, setzt unsere Zukunft aufs Spiel.“ – Harald Christ, zitiert von der FAZ
Zusammenfassung: Die FAZ beschreibt ein Wahlprogramm der Berliner Linken mit der Enteignung von mehr als 200.000 Mietwohnungen, der Verstaatlichung der S-Bahn, höheren Abgaben und einer stärkeren Kreditaufnahme. Wirtschaftsvertreter warnen vor einer Belastung der Unternehmen und vor ausbleibenden privaten Investitionen.
Trump plant Kalisalz-Abkommen mit Belarus
US-Präsident Donald Trump bereitet nach eigenen Angaben ein „umfassendes“ Abkommen mit Belarus über den Kauf von Kalisalz vor. Darüber berichtet n-tv.de. Trump erklärte, der Preis werde deutlich niedriger sein als der Betrag, den die USA derzeit an Kanada zahlten.
Für US-amerikanische Bauern und Viehzüchter sei dies nach Trumps Darstellung eine gute Nachricht. Kalisalze wie Kaliumchlorid sind ein wichtiger Bestandteil von Düngemitteln.
Die USA importieren laut n-tv.de nahezu ihren gesamten Bedarf an Kalisalz. Nach Angaben der US-Behörden stammten im Jahr 2024 fast 80 Prozent der Einfuhrmenge aus Kanada, elf Prozent aus Russland und vier Prozent aus Belarus.
| Herkunftsland | Anteil der US-Kalisalzimporte im Jahr 2024 |
| Kanada | fast 80 Prozent |
| Russland | elf Prozent |
| Belarus | vier Prozent |
Das geplante Abkommen würde Kanada als wichtigsten Lieferanten treffen. Das Verhältnis zwischen Washington und Ottawa hat sich durch Trumps aggressive Wortwahl und seine Zollpolitik verschlechtert. Beide Regierungen verhängten zuletzt hohe Zölle auf Produkte aus dem jeweils anderen Land.
Der groß angelegte Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 ließ die Preise für Kalisalz auf dem Weltmarkt steigen. Seitdem sind die Preise zwar etwas gesunken, bewegen sich aber weiterhin auf hohem Niveau.
Belarus steht nach der Niederschlagung von Massenprotesten im Jahr 2020 unter Sanktionen zahlreicher westlicher Staaten. Trumps Regierung bemüht sich laut n-tv.de seit Monaten um bessere Beziehungen zu Belarus.
Zusammenfassung: n-tv.de berichtet über ein von Donald Trump angekündigtes Kalisalz-Abkommen mit Belarus. Die USA beziehen fast 80 Prozent ihrer Kalisalzimporte aus Kanada; ein günstigeres Abkommen mit Belarus könnte daher die bisherigen Handelsbeziehungen verändern.
Professor sieht Wirtschaft in Stendal und der Altmark besser als ihr Ruf
Die Stimmung in Deutschland, der Altmark und im Landkreis Stendal sei schlecht, die wirtschaftlichen Zahlen jedoch nicht unbedingt, berichtet die Volksstimme. Volker Wiedemer, Professor für Volkswirtschaftslehre und Prorektor der Hochschule in Stendal, erklärt in einem Gastbeitrag, warum die Wirtschaft besser dastehen könne, als viele Menschen annehmen.
Der Beitrag ordnet die wirtschaftliche Lage Deutschlands und insbesondere des Landkreises Stendal ein. Wiedemer tritt dabei der verbreiteten pessimistischen Einschätzung entgegen und stellt die Stimmung den wirtschaftlichen Daten gegenüber.
Konkrete weitere Zahlen oder Kennwerte enthält der zugängliche Inhalt der Volksstimme nicht. Die zentrale Aussage des Beitrags ist, dass die wirtschaftliche Lage in Stendal und der Altmark nach Einschätzung des Professors besser ist als ihr Ruf.
Zusammenfassung: Die Volksstimme stellt eine Einschätzung des Stendaler Wirtschaftsprofessors Volker Wiedemer vor. Danach fällt die öffentliche Stimmung negativer aus als die wirtschaftliche Lage in Deutschland, der Altmark und dem Landkreis Stendal.
Weitere Spiegel-Meldung: Verhaltener Aufschwung in Deutschland
Der Spiegel stellt in einem weiteren Wirtschaftsbeitrag die Frage, ob der Aufschwung in Deutschland endlich da ist und ob er anhält. Der zugängliche Inhalt ist jedoch durch eine Zugriffsbeschränkung nicht vollständig abrufbar.
Aus der verfügbaren Überschrift und dem Vorspann geht hervor, dass Ökonomen einen verhaltenen Aufschwung in Deutschland betrachten. Weitere konkrete Daten, Zahlen oder Einschätzungen sind im vorliegenden Inhalt nicht enthalten und werden daher nicht ergänzt.
Zusammenfassung: Der Spiegel berichtet über die Einschätzung von Ökonomen zu einem verhaltenen Aufschwung in Deutschland. Der zugängliche Quellenausschnitt enthält keine weiteren nutzbaren Fakten.
Einschätzung der Redaktion
Die zentrale wirtschaftspolitische Herausforderung liegt weniger in einzelnen Reformforderungen als in ihrer konsequenten Umsetzung. Bürokratieabbau, verlässliche Rahmenbedingungen und eine tragfähige Finanzierung müssen zusammen gedacht werden. Staatliche Eingriffe können bei klarer Zielsetzung sinnvoll sein, bergen bei hoher Verschuldung und unsicherer Rechtslage jedoch erhebliche Risiken für Investitionen, Wachstum und Vertrauen.
Kernaussage: Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit entscheidet sich daran, ob Reformen Priorität erhalten und staatliches Handeln finanzierbar, rechtssicher und investitionsfreundlich bleibt.
Quellen:
- Wirtschaft fordert: Abschlagsfreie Frührente muss jetzt weg
- Wirtschaft in Deutschland: Bürokratie ist größtes Standortproblem für Unternehmen
- Die Linke Berlin: Enteignung und Verstaatlichung im Wahlprogramm
- Kanada hätte das Nachsehen: Trump plant großen Kalisalz-Deal mit Lukaschenko
- Ein Professor erklärt: Wirtschaft in Stendal und der Altmark: Warum die Lage besser ist als ihr Ruf
- (S+) Wirtschaft in Deutschland: Ökonomen sehen verhaltenen Aufschwung in Deutschland



















