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Der Pressespiegel zeigt, wo Deutschlands Wirtschaft unter Druck und zugleich vor großen Chancen steht: Während die Mitbestimmung in Großunternehmen weiter erodiert, soll Dresden zum europäischen Chipzentrum werden. Zugleich verschärft die Ukraine ihren Kampf gegen Russlands Energieeinnahmen und Deutschland plant strengere Regeln für ausländische Übernahmen. Ein Überblick über Macht, Märkte und strategische Abhängigkeiten.
Mitbestimmung in Großunternehmen verliert weiter an Boden
Großunternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten müssen ihren Aufsichtsrat grundsätzlich paritätisch mit Vertretern der Anteilseigner und der Beschäftigten besetzen. Nach neuen Zahlen des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung der Hans-Böckler-Stiftung, über die die Süddeutsche Zeitung berichtet, wird diese Vorgabe jedoch von immer mehr Unternehmen umgangen.
Mindestens 3,18 Millionen Beschäftigte in rund 500 deutschen Großunternehmen haben demnach keinen Zugang zur paritätischen Mitbestimmung. Das sind etwa 700 000 Beschäftigte mehr als bei der Erhebung im Jahr 2022. Sebastian Sick, Unternehmensrechtsexperte beim IMU, spricht von einem Höchststand und hält es für wahrscheinlich, dass der Anteil der Unternehmen mit gelebter Aufsichtsratsmitbestimmung so niedrig ist wie nie seit Inkrafttreten des Mitbestimmungsgesetzes 1976.
Von den Großunternehmen, für die keine Ausnahmen gelten, verfügten 2025 nur noch knapp 57 Prozent über einen paritätisch besetzten Aufsichtsrat. 2022 waren es noch rund 60 Prozent, 2019 noch gut 67 Prozent. Von 503 Unternehmen ohne paritätische Mitbestimmung nutzten 285 nach Angaben des IMU legale juristische Konstruktionen, um dem Modell zu entgehen. In diesen Unternehmen arbeiten etwa 2,1 Millionen Beschäftigte in Deutschland. Weitere 218 Unternehmen mit rund 1,1 Millionen Beschäftigten ignorierten die gesetzlichen Vorgaben rechtswidrig.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Betroffene Beschäftigte | Mindestens 3,18 Millionen |
| Betroffene Großunternehmen | Rund 500 |
| Unternehmen mit legaler Umgehung | 285 |
| Beschäftigte in diesen Unternehmen | Etwa 2,1 Millionen |
| Unternehmen mit rechtswidriger Missachtung | 218 |
| Beschäftigte in diesen Unternehmen | Rund 1,1 Millionen |
| Anteil mit paritätischem Aufsichtsrat 2025 | Knapp 57 Prozent |
| Anteil 2022 | Rund 60 Prozent |
| Anteil 2019 | Gut 67 Prozent |
Als Wege zur legalen Umgehung nennt das IMU unter anderem die Europäische Aktiengesellschaft SE sowie juristische Hybrid-Konstruktionen wie die SE & Co KG. Werden ausländische Rechtsformen genutzt, können Unternehmen aus dem Geltungsbereich des deutschen Mitbestimmungsgesetzes herausfallen. Das Gesetz sieht zudem keine Strafen bei Verstößen vor; die Besetzung des Aufsichtsrats kann zwar gerichtlich geklärt werden, dies kann jedoch dauern.
Besonders häufig entziehen sich laut IMU Familienunternehmen den Regeln. Zugleich wächst der Streit über eine geplante europäische Rechtsform namens „EU Inc“. Nach Einschätzung des IMU könnten nationale gesellschaftsrechtliche Regelungen und damit auch die paritätische Mitbestimmung für diese Form grundsätzlich nicht gelten.
Das Bundesarbeitsministerium hält den Vorschlag der EU-Kommission für nicht ausreichend und verlangt Nachbesserungen. Parallel soll ein Gesetzentwurf vorbereitet werden, mit dem das nationale Missbrauchsverbot gegen künftige Vermeidungsstrategien verschärft werden soll. Die Arbeitgeberverbände sehen die Mitbestimmung dagegen als Bremse für schnelle Entscheidungen und als möglichen Abschreckungsfaktor für Investoren.
Eine noch unveröffentlichte Studie der Universitäten Marburg und Göttingen kommt zu einer gegenteiligen Einschätzung. Das Forschungsteam um Marc Steffen Rapp und Michael Wolff verglich europaweit gut 500 vergleichbare Großunternehmen mit und ohne Mitbestimmung. Unternehmen mit Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat seien bei der Digitalisierung erfolgreicher, entwickelten digitale Technologien weiter, hielten mehr Patente, erzielten im Schnitt einen höheren Umsatzanteil mit digitalen Angeboten, hätten häufiger einen Chief Digital Officer im Vorstand und verfügten über mehr digitale Schlüsselkompetenzen.
„In deutschen Großunternehmen wird den Beschäftigten immer häufiger die Mitbestimmung vorenthalten“, sagt Sebastian Sick vom IMU.
Zusammenfassung: Die paritätische Mitbestimmung gilt für immer weniger Großunternehmen. Während das IMU eine Aushöhlung des Gesetzes beklagt, sehen Arbeitgeber darin ein Hemmnis; eine Studie kommt hingegen zu dem Ergebnis, dass Mitbestimmung die digitale Entwicklung stärken kann.
TSMC baut in Dresden Europas neue Chip-Hoffnung
In Dresden entsteht die erste europäische Fabrik des taiwanischen Chipherstellers TSMC. Die WirtschaftsWoche beschreibt das Projekt als das teuerste Bauvorhaben, das der Freistaat Sachsen je gesehen hat: Zehn Milliarden Euro und elf Millionen Arbeitsstunden fließen in den Bau.
Das Projekt firmiert in Deutschland unter dem Namen ESMC. TSMC hält die Mehrheit, beteiligt sind Infineon, Bosch und NXP. Rund ein Drittel der Ingenieure in den provisorischen Büros kommt aus Taiwan. Die Ansiedlung soll Europas Versorgung mit Halbleitern unabhängiger machen und zugleich die Stellung Dresdens als bedeutendster europäischer Halbleiterstandort stärken.
Apple, Nvidia und Tesla lassen ihre Chips von TSMC fertigen. In Dresden soll künftig eine neue Generation von Chips für Europas Auto- und Maschinenbauer produziert werden. Das Werk ist Teil des Clusters „Silicon Saxony“, zu dem bereits Infineon, Globalfoundries und Bosch gehören.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Investitionsvolumen | Zehn Milliarden Euro |
| Arbeitsstunden für das Projekt | Elf Millionen Arbeitsstunden |
| Reinraumfläche | 45.000 Quadratmeter |
| Gewicht der Dachelemente | 100 Tonnen |
| Von Pierer ursprünglich versprochene Jobs | 1200 |
| Inzwischen entstandene Jobs | 82.500 |
Das Herzstück der Anlage ist ein 45.000 Quadratmeter großer, zweistöckiger Reinraum ohne Wände. Diese Bauweise ermöglicht es TSMC, die Maschinen zur Halbleiterfertigung später flexibel zu positionieren. Unter der oberen Reinraumetage liegt ein waffelartiger Betonboden, der Vibrationen der Maschinen abfedern soll. Zwei Zwischengeschosse unter jedem Reinraum dienen der Versorgung und Entsorgung von Luft, Wasser sowie weiteren Flüssigkeiten und Gasen.
Die Baustelle wird rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche betrieben; Ausnahmen sind Ostern und Weihnachten. Deutsche Beschäftigte, die das Werk später betreiben sollen, werden ein Jahr lang in Taiwan ausgebildet. Viele der taiwanischen Mitarbeiter verfügen laut WirtschaftsWoche über mehr als 20 Jahre Erfahrung und waren bereits an mehreren Fabriken beteiligt.
Die Entwicklung des Standorts geht auf Entscheidungen aus dem Jahr 1994 zurück. Nach dem Ende der DDR stand das Robotron-Kombinat vor dem Aus. Die sächsische Landesregierung hielt den Betrieb zwei Jahre lang aufrecht, übernahm Liegenschaften vom Bund und setzte gemeinsam mit Siemens auf den Aufbau einer neuen Halbleiterindustrie. Aus den damals von Heinrich von Pierer versprochenen 1200 Jobs sind inzwischen 82.500 geworden.
Siemens errichtete in Dresden zunächst ein Werk, 1996 folgte ein zweites Modul. Später kamen AMD, heute Globalfoundries, Infineon und Bosch hinzu. Das Cluster zog internationale Zulieferer wie Applied Materials an. Die Ansiedlung von Fachkräften, spezialisierten Dienstleistern und Zulieferern erzeugte nach Darstellung der WirtschaftsWoche ein sich selbst verstärkendes Ökosystem.
Der Standort hat jedoch auch Rückschläge erlebt. Das 1999 aus Infineon ausgegründete Speicherchipunternehmen Qimonda meldete Insolvenz an. Die verbliebenen Strukturen wurden später wieder genutzt: Infineon kaufte 2011 Gebäude zurück und setzte dort auf 300-Millimeter-Leistungshalbleiter. 2018 kam Bosch mit einer neuen Chipfabrik nach Dresden, zuletzt TSMC.
Die WirtschaftsWoche verweist außerdem auf Unterschiede zu Taiwan. In Deutschland und Europa seien Verwaltungsaufwand und Regulierung umfangreicher. Das Bürogebäude neben der Fabrik musste beispielsweise nach der Arbeitsstättenrichtlinie geplant werden, weshalb Lichthöfe für Tageslicht an den Büroarbeitsplätzen vorgesehen wurden. Ein Vorteil Dresdens ist dagegen, dass der Standort nicht in einem Erdbebengebiet liegt.
„So viel Grund für Optimismus wie zurzeit gab es seit Mitte der 1990er-Jahre nicht“, sagt Frank Bösenberg, der Chef der Verbände Silicon Saxony und Silicon Europe.
Zusammenfassung: Das TSMC-Projekt verbindet eine Investition von zehn Milliarden Euro mit dem Ausbau eines über Jahrzehnte gewachsenen Halbleiterclusters. Dresden soll damit Europas Chipversorgung stärken, bleibt aber auf internationales Know-how und den Erfolg gezielter Industriepolitik angewiesen.
Ukraine zielt auf russische Ölraffinerien und Energieeinnahmen
Die Ukraine will ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien ausweiten. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 4. Oktober, dass weiterhin gezielt Anlagen ins Visier genommen werden sollen, die nach ukrainischer Darstellung die russische Kriegsführung finanzieren. Darüber berichtet die Frankfurter Rundschau unter Berufung auf Ukrainska Pravda, Politico, dpa und AFP.
Selenskyj begründete die Strategie mit den russischen Angriffen auf die ukrainische Energieversorgung. Zugleich erklärte er, die Ukraine werde zivile Infrastruktur nicht willkürlich attackieren. Russland kündigte daraufhin eine Intensivierung der Angriffe auf militärische und militärisch-industrielle Anlagen sowie damit verbundene Infrastruktur in Kiew und anderen Regionen der Ukraine an.
Die Drohungen fielen mit dem Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew zusammen. Während seines Aufenthalts schlug eine russische Drohne unweit der Nordbrücke über den Dnipro ein. Nach Angaben der ukrainischen Nachrichtenagentur Ukrinform feuerte Russland in der Nacht mehr als einhundert Drohnen ab. Merz kündigte trotz des Angriffs weitere 1,35 Milliarden Euro militärischer und ziviler Unterstützung an.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Rückgang der russischen Ausfuhren in die Türkei im August | Rund 40 Prozent |
| Reichweite ukrainischer Angriffe 2025/2026 | Bis zu 2.000 Kilometer |
| Beschädigte russische Großraffinerien | Mindestens 24 von 33 |
| Zurückeroberte Fläche bei „Operation Vivaldi“ | Bis zu 176 Quadratkilometer |
| Russische Exporterlöse aus fossilen Brennstoffen im August | 604 Millionen Euro pro Tag |
| Rückgang der Einnahmen aus dem Schiffsexport von Ölprodukten | 32 Prozent |
| Militärische und zivile Unterstützung Deutschlands | 1,35 Milliarden Euro |
Die Frankfurter Rundschau ordnet die Angriffe als mehrstufige Kampagne ein. 2022 und 2023 standen demnach das Schwarze Meer und die Krim im Mittelpunkt. Mit Antischiff-Raketen und Seedrohnen seien rund ein Drittel der russischen Schwarzmeerflotte zerstört, die Krim-Brücke wiederholt beschädigt und russische Kriegsschiffe bis nach Noworossijsk zurückgedrängt worden.
Im Frühjahr 2024 verlagerte sich der Schwerpunkt auf Großraffinerien im russischen Kernland. Als Ziele werden unter anderem Rjasan, Kstowo und Nowoschachtinsk genannt. Seit 2025 und 2026 wurde der Radius laut Bericht auf bis zu 2.000 Kilometer erweitert; betroffen seien auch Regionen bis Baschkortostan und Westsibirien sowie Exporthäfen wie Ust-Luga und Primorsk.
Besonders wichtig sind demnach Vakuumdestillationskolonnen und sogenannte AVT-Anlagen. Diese gelten als technologisches Herzstück von Raffinerien und benötigen bei Schäden westliche Spezialbauteile. Zusätzlich richten sich die Angriffe gegen Öl- und Verladeterminals, Eisenbahnkorridore und Treibstofflogistik.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden im Bericht mit mehreren Kennzahlen beschrieben. Im August sanken die russischen Exporterlöse aus fossilen Brennstoffen auf 604 Millionen Euro pro Tag. Die Einnahmen aus dem Schiffsexport von Ölprodukten gingen im Monatsvergleich um 32 Prozent zurück und erreichten den niedrigsten Stand seit Beginn der Großinvasion. Seit Juli seien zentrale Verladeterminals für Treibstoff und Getreide getroffen und rund 100 Schiffe beschädigt worden.
Parallel zu den Angriffen laufen diplomatische Vorbereitungen. Selenskyj bestätigte, dass die USA bis Ende Oktober neue trilaterale Expertengespräche mit der Ukraine und Russland planen. Als möglicher Gesprächsort werden die Vereinigten Arabischen Emirate genannt.
„Wir lassen uns auch nicht einschüchtern durch einen Drohnenangriff“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz in Kiew.
Zusammenfassung: Die Ukraine richtet ihre Angriffe zunehmend gegen Raffinerien, Exporthäfen und Logistikstrukturen der russischen Energiewirtschaft. Der Bericht nennt sinkende Exporterlöse und einen Rückgang der Einnahmen aus Ölproduktexporten, während zugleich die Gefahr einer weiteren militärischen Eskalation wächst.
Deutschland plant strengere Regeln für ausländische Übernahmen
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will ausländische Übernahmen in Deutschland strenger prüfen lassen. Im Mittelpunkt steht ein Entwurf für ein Investitionsprüfgesetz, der nach Darstellung von Telepolis insbesondere den Einfluss autoritärer Staaten und damit vor allem Chinas begrenzen soll.
Als politisches Lehrstück gilt die Beteiligung der chinesischen Staatsreederei Cosco am Hamburger Hafen. Cosco sicherte sich 2023 ein Viertel der Anteile am Containerterminal des Hafenbetreibers HHLA. Die Bundesregierung erlaubte den Einstieg nur teilweise und begrenzte ihn auf 24,99 Prozent, also knapp unterhalb der Schwelle für gesellschaftsrechtliche Vetorechte.
Im Juni gab das Bundeswirtschaftsministerium nach einem Investitionsprüfverfahren die Übernahme des Elektronikhändlers Ceconomy, der Muttergesellschaft von Media Markt und Saturn, durch den chinesischen E-Commerce-Konzern JD.com frei. Die Genehmigung erfolgte unter dem Vorbehalt der Datensicherheit und einer Kontrollbefugnis der Bundesregierung. Im August leitete die EU eine eingehendere Untersuchung ein.
| Geplante beziehungsweise genannte Schwelle | Wert |
|---|---|
| Prüfschwelle für börsennotierte Unternehmen in sicherheitsrelevanten Sektoren | 15 Prozent |
| Bisherige Schwelle in diesen Bereichen | 20 Prozent |
| Aufstockung, die künftig geprüft werden soll | Von mehr als 75 Prozent auf 100 Prozent |
| Vorprüfungsfrist | 45 Tage |
| Unternehmen in chinesischer Hand in Deutschland | 264 |
| Kumulierter Umsatz dieser Unternehmen | Rund 55 Milliarden Euro |
| Umsatz deutscher Unternehmen in US-Besitz | 333 Milliarden Euro |
Der 86-seitige Entwurf sieht niedrigere Prüfschwellen bei börsennotierten Unternehmen vor. In sicherheitsrelevanten Sektoren soll eine Prüfung bereits ab einem Einstieg von 15 statt 20 Prozent greifen. Begründet wird dies mit der geringen Präsenz bei Hauptversammlungen, durch die bereits kleinere Beteiligungen eine faktische Sperrminorität ermöglichen können.
Neu geprüft werden soll außerdem die vollständige Übernahme eines Unternehmens, wenn ein Investor seinen Anteil von mehr als 75 Prozent auf 100 Prozent erhöht. Investoren aus EFTA-Staaten wie der Schweiz, Island, Liechtenstein und Norwegen sollen künftig wie Käufer aus China oder den USA behandelt werden. Zudem sollen Untersagungen ohne Kabinettsbeschluss möglich sein, wenn sich die beteiligten Ministerien einig sind.
Die geltende Außenwirtschaftsverordnung regelt bereits seit 2009 die Prüfung von Beteiligungen durch Investoren von außerhalb der EU. Bei kritischer Infrastruktur oder Rüstung greift die Prüfung ab 10 Prozent, bei anderen sicherheitsrelevanten Sektoren ab 20 Prozent und in den übrigen Bereichen ab 25 Prozent. Eine Verschärfung erfolgte nach der Übernahme des Augsburger Roboterherstellers Kuka durch den chinesischen Investor Midea im Jahr 2016 für 4,5 Milliarden Euro.
Nach der 2025 aktualisierten Analyse des Branchenportals Die Deutsche Wirtschaft befinden sich 264 deutsche Unternehmen in chinesischer Hand. Gemessen am kumulierten Umsatz von rund 55 Milliarden Euro liegt China im Länderranking auf Platz 9, bei der Zahl der Unternehmen auf Platz 10. 77 Prozent der chinesisch kontrollierten Firmen gehören zur Industrie. Genannt werden unter anderem Automobilzulieferer und Maschinenbauer.
Zu den aufgeführten Unternehmen gehören Linde Material Handling, LEONI, Grammer, Preh, SEG Automotive, Medion, Pirelli Deutschland, Putzmeister, Kiekert und ista. 2023 übernahm Huadong Medicine eine strategische Beteiligung an Heidelberg Pharma. Ams Osram verkaufte sein Digitalgeschäft an Inventronics in Hangzhou. Im Januar veräußerte die Pinault-Familie 29 Prozent an Puma für 1,5 Milliarden Euro an Anta Sports aus Fujian.
Die Daten liefern laut Telepolis zugleich kein eindeutiges Bild eines systematischen Ausverkaufs. Das ARD-Magazin Plusminus untersuchte im Juni 2026 rund 50 deutsche Unternehmen mit chinesischen Mehrheitseignern. Fünf Jahre nach dem Einstieg lagen deren Umsätze im Schnitt sechs Prozent über dem Niveau des Übernahmejahres; die Beschäftigtenzahlen erholten sich nach einem Corona-Einbruch wieder.
Rund 70 Prozent der befragten Firmen berichteten von Know-how-Transfer nach China. Mehr als die Hälfte gab jedoch auch an, selbst von chinesischem Wissen profitiert zu haben. Bei den DAX-Unternehmen liegt der ausländische Einfluss insgesamt deutlich höher: 52,6 Prozent der DAX-Aktien liegen in ausländischen Händen, während 33,1 Prozent deutschen Anlegern gehören.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Anteil ausländischer Aktionäre an DAX-Aktien | 52,6 Prozent |
| Anteil deutscher Anleger | 33,1 Prozent |
| DAX-Konzerne mit ausländischer Aktionärsmehrheit | 24 von 40 |
| Anteil nordamerikanischer Anleger 2010 | 17,1 Prozent |
| Anteil nordamerikanischer Anleger 2025 | 25,4 Prozent |
| Anteil europäischer Investoren 2010 | 25,7 Prozent |
| Anteil europäischer Investoren 2025 | 22,9 Prozent |
| DAX-Dividenden für das vergangene Geschäftsjahr | 54 Milliarden Euro |
| Davon ins Ausland | Mindestens 26,9 Milliarden Euro |
| Davon an deutsche Aktionäre | 21,7 Milliarden Euro |
Nordamerikanische Anleger steigerten ihren Anteil seit 2010 von 17,1 auf 25,4 Prozent. Der Anteil europäischer Investoren sank im selben Zeitraum von 25,7 auf 22,9 Prozent. Von den 54 Milliarden Euro Dividenden der DAX-Konzerne fließen mindestens 26,9 Milliarden Euro ins Ausland; deutsche Aktionäre erhalten 21,7 Milliarden Euro.
Damit kommt der größte ausländische Einfluss auf die deutschen DAX-Konzerne nach den im Artikel genannten Daten aus den USA und nicht aus China. Die geplante Verschärfung der Investitionskontrolle richtet den politischen Fokus dennoch vor allem auf chinesische Beteiligungen und kritische Infrastruktur.
Zusammenfassung: Der Gesetzentwurf soll Prüfschwellen senken, Verfahren beschleunigen und zusätzliche Übernahmen erfassen. Die vorliegenden Daten zeigen zugleich, dass chinesische Beteiligungen zwar in strategisch wichtigen Branchen präsent sind, der ausländische Einfluss auf Deutschlands börsennotierte Konzernelite insgesamt jedoch vor allem von nordamerikanischen Investoren geprägt wird.
Einschätzung der Redaktion
Die schwindende Mitbestimmung ist ein ernstes Warnsignal für die Qualität der Unternehmensführung. Wenn gesetzliche Beteiligungsrechte legal umgangen oder rechtswidrig ignoriert werden können, verliert der soziale Ausgleich im deutschen Wirtschaftsmodell an Verbindlichkeit. Besonders problematisch ist, dass dadurch nicht nur Arbeitnehmerrechte geschwächt werden, sondern auch ein bewährtes Kontrollinstrument unter Druck gerät.
Infobox: Die Entwicklung zeigt weniger ein Versagen der Mitbestimmung als ein Durchsetzungsproblem des geltenden Rechts. Ohne wirksame Sanktionen und klare Regeln für neue europäische Rechtsformen dürfte sich die Aushöhlung fortsetzen.
Quellen:
- Großunternehmen umgehen Mitbestimmung ihrer Beschäftigten - Wirtschaft - SZ.de
- TSMC Dresden: Ein exklusiver Einblick in Europas wichtigste Chipfabrik
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