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Zwischen digitalem Wandel, geopolitischem Druck und strukturellen Problemen im Einzelhandel zeigt der Pressespiegel, wie tiefgreifend sich Unternehmen und Verbraucher auf neue Realitäten einstellen müssen. Im Mittelpunkt stehen politische Vorgaben, internationale Verantwortung und die Frage, welche Geschäftsmodelle noch eine Zukunft haben.
Bargeld bleibt gefragt, doch die Nachfrage nach digitalen Zahlungen wächst
Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland konnte in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen. Laut der von der SZ.de aufgegriffenen YouGov-Umfrage für den Genoverband lag der Anteil bei 56 Prozent und damit höher als 2021, als er 45 Prozent betragen hatte.
Wer entgegen der ursprünglichen Planung mit Bargeld zahlen musste, berichtete überwiegend von zwei bis fünf solchen Fällen im laufenden Jahr. Dies gaben 28 Prozent der Befragten an. Für die repräsentative Umfrage wurden im August 1.534 Erwachsene befragt.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will Geschäfte und Restaurants künftig verpflichten, neben Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Smartphone zu akzeptieren. Eckpunkte für eine entsprechende Regelung befinden sich laut Quelle in der Abstimmung. Ziel des Finanzministeriums sei, dass ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen und dann 2027 umgesetzt wird.
Digitale Zahlungen könnten aus Sicht des Staates Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschweren, weil sie immer dokumentiert werden. Unter den Vorständen der Volksbanken im Verbandsgebiet des Genoverbandes, das alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg umfasst, findet der Vorstoß mehrheitlich Zustimmung: 77 Prozent von 196 befragten Vorständen befürworten eine Akzeptanzpflicht für Karten- und Digitalzahlungen.
Gleichzeitig sprachen sich 49 Prozent dafür aus, dass Bargeld bis zu einer bestimmten Höchstgrenze verpflichtend angenommen werden muss. Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbands, betont laut SZ.de die Bedeutung einer Wahlfreiheit: Smartphone und Karte würden für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr wichtiger, zugleich bleibe die Möglichkeit der Barzahlung für viele Menschen relevant.
Vier von zehn Befragten erwarten, dass ihre persönliche Bargeldnutzung in den kommenden Jahren abnehmen wird. 20 Prozent rechnen mit einem deutlichen Rückgang, 21 Prozent mit einem zumindest etwas geringeren Einsatz von Bargeld. Häufiger mit Schein und Münze zahlen wollen 6 Prozent.
49 Prozent der Umfrageteilnehmer würden dagegen gerne häufiger mit Karte oder Smartphone bezahlen. Als Gründe nennt die Quelle mehr Möglichkeiten für bargeldlose Zahlungen, die Option, an der Ladenkasse Bargeld abzuheben, sowie einen besseren Überblick darüber, wo bargeldloses Bezahlen möglich ist.
Zusammenfassung: Laut SZ.de scheitert bargeldloses Bezahlen für viele Verbraucher weiterhin an fehlenden Akzeptanzstellen. 56 Prozent waren in diesem Jahr mindestens einmal betroffen, während 49 Prozent gerne häufiger digital zahlen würden.
Starbucks gerät wegen Filialen in Xinjiang unter politischen Druck
Die US-Kaffeekette Starbucks steht wegen ihrer ersten Filialen in der chinesischen Region Xinjiang unter Druck. Wie PZ-news unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur berichtet, forderte John Moolenaar, Vorsitzender des China-Sonderausschusses im US-Repräsentantenhaus, das Unternehmen auf, die Geschäfte angesichts der Unterdrückung der Uiguren wieder zu schließen.
Der republikanische Abgeordnete bezeichnete die Eröffnung als „schockierend und moralisch bankrott“. Starbucks solle unverzüglich den Kurs ändern und seine Filialen in Xinjiang schließen, erklärte Moolenaar demnach. Mit jedem dort verkauften Becher werde eine bekannte amerikanische Marke mit dem Vorgehen der Kommunistischen Partei gegen die Uiguren verknüpft.
Starbucks hatte am Dienstag zwei Cafés in der Regionalhauptstadt Urumqi eröffnet. Eines befindet sich am Großen Basar, ein weiteres am internationalen Flughafen.
In Xinjiang leben viele Angehörige der überwiegend muslimischen Minderheit der Uiguren. Menschenrechtsorganisationen werfen der chinesischen Regierung vor, die Minderheit zu unterdrücken. Peking weist diese Vorwürfe zurück.
Auch die Eigentümerstruktur des Starbucks-Geschäfts in China hat sich verändert. Starbucks hatte im Frühjahr 60 Prozent seines Filialgeschäfts in China an den chinesischen Finanzinvestor Boyu Capital verkauft. Die übrigen 40 Prozent gehören weiterhin Starbucks.
Unternehmen geraten im Zusammenhang mit Xinjiang laut PZ-news wiederholt von beiden Seiten unter Druck. Volkswagen stand wegen seines Werks in der Region jahrelang in der Kritik. Ende 2024 wurde der gemeinsam mit SAIC betriebene Standort verkauft. H&M und Adidas waren 2021 in China Ziel von Boykottaufrufen, nachdem sie Bedenken wegen möglicher Zwangsarbeit in Xinjiang geäußert hatten.
Zusammenfassung: Starbucks eröffnete zwei Cafés in Urumqi und sieht sich deshalb Forderungen nach einem Rückzug aus Xinjiang gegenüber. Im Hintergrund stehen die Vorwürfe gegen die chinesische Regierung sowie die politische und wirtschaftliche Sensibilität der Region.
Galeria: Experten sehen Zukunft nur mit weniger Standorten
Nach der erneuten Insolvenz von Galeria halten Experten eine Fortführung der Warenhauskette für möglich, allerdings voraussichtlich mit deutlich weniger Standorten. Das Mindener Tageblatt berichtet unter Berufung auf die Deutsche Presse-Agentur über unterschiedliche Einschätzungen zur Zukunft des Unternehmens.
Der Handelsexperte Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn sagte, ein vollständiges Aus sei möglich, aber keineswegs zwangsläufig. Eine Fortführung mit deutlich weniger Standorten könne insbesondere für die Mitarbeiter eine mögliche Lösung sein, eine dauerhafte Rettung des gesamten bisherigen Filialnetzes sei dagegen nicht zu erwarten.
Galeria verfügt aktuell über 83 Filialen und beschäftigt rund 12.000 Menschen. Das Düsseldorfer Unternehmen hatte am Freitag erneut Insolvenz angemeldet – zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren.
Für eine Fortführung seien laut Kortum wirtschaftlich tragfähige Häuser, ein klares Sortimentsprofil und ausreichend Eigenkapital für Modernisierungen und Umbauten erforderlich. Zudem brauche Galeria endlich einen Eigentümer, der nicht nur kurzfristige finanzielle Interessen verfolge, sondern langfristig an das Geschäftsmodell Kaufhaus glaube.
„Eine weitere Sanierung, die hauptsächlich wieder nur auf Forderungsverzicht und Kostensenkung setzt, dürfte kaum ausreichen“, sagte Carsten Kortum laut Mindener Tageblatt.
Selbst wenn die heutige Unternehmensstruktur scheitern sollte, könnten einzelne attraktive Warenhäuser in guten Lagen unter anderen Eigentümern weiterbestehen. Kortum sieht die bisherigen Sanierungen als unzureichend an, weil sie die grundlegenden Probleme des Geschäftsmodells nicht gelöst hätten.
Als zentrale Schwierigkeiten nennt der Experte zu große und teilweise wenig attraktive Verkaufsflächen, hohe laufende Kosten sowie ein zu schwaches Sortimentsprofil im Wettbewerb mit Onlinehandel, Fachgeschäften und Discountern. Schuldenschnitte, Insolvenzgeld und neue Kredite könnten kurzfristig entlasten, ersetzten aber keine Investitionen in ein überzeugendes Angebot.
„Man kann Schulden streichen und Verträge kündigen, aber keine Kundennachfrage herbeisanieren“, erklärte Kortum laut Mindener Tageblatt.
Der Handelsexperte Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sieht die fehlende Wettbewerbsfähigkeit im Mode-Sortiment als Hauptursache für die erneute Insolvenz. Dieses Sortiment mache über die Hälfte des Umsatzes aus.
Die Insolvenzen von Galeria sowie der Vorgängerunternehmen Kaufhof und Karstadt verglich Roeb mit einem Gummiball, der eine Treppe hinunterhüpft. Jede Insolvenz bringe zwar kurzfristig Verbesserung und Hoffnung, verstelle aber zugleich den Blick auf die langfristige Entwicklung.
„Zwar hüpft er bei jedem Aufschlag noch einmal in die Höhe, landet dann aber doch tiefer als beim vorherigen Aufschlag“, sagte Thomas Roeb laut Mindener Tageblatt.
Auch Jörg Funder von der Hochschule Worms beurteilt die Lage skeptisch. Er nennt eine schwache Unternehmensführung, Schwächen des Geschäftsmodells und eine anhaltende Konsumschwäche als Hauptgründe für die erneute Insolvenz.
Funder hatte bereits 2008 geschätzt, dass in Deutschland maximal 55 zentral geführte Warenhausfilialen wirtschaftlich betrieben werden könnten. Den jüngsten Eigentümern wirft er ein mangelndes Interesse am operativen Geschäft vor. Es habe an einem wirklichen Plan und einer Zukunftsperspektive gefehlt.
„Ich glaube, es wird Zeit von der Palliativstation ins Ruhebett überzusiedeln“, beschrieb Jörg Funder die Aussichten der Kette laut Mindener Tageblatt.
Zusammenfassung: Galeria hat laut den zitierten Experten nur mit einer deutlich kleineren Zahl wirtschaftlich tragfähiger Standorte eine Perspektive. Neben einem klareren Sortiment und Investitionen wird vor allem ein langfristig orientierter Eigentümer als Voraussetzung genannt.
Einschätzung der Redaktion
Die Entwicklung zeigt einen grundlegenden Strukturwandel im Zahlungsverkehr: Digitale Angebote werden stärker nachgefragt, ihre Verlässlichkeit und flächendeckende Akzeptanz sind jedoch noch nicht ausreichend. Eine gesetzliche Akzeptanzpflicht könnte Teilhabe und Transparenz verbessern, muss aber die Wahlfreiheit und die Funktionsfähigkeit von Bargeld ausdrücklich sichern.
Zusammenfassung: Entscheidend ist kein Ersatz von Bargeld, sondern ein verlässliches Nebeneinander beider Zahlungsformen.
Einschätzung der Redaktion
Starbucks unterschätzt mit dem Markteintritt in Xinjiang die politische und ethische Tragweite seiner Präsenz. In einer Region, die mit schwerwiegenden Menschenrechtsvorwürfen verbunden ist, kann wirtschaftliche Expansion schnell als Normalisierung staatlicher Politik wahrgenommen werden. Der Vorgang erhöht daher nicht nur den Reputationsdruck, sondern auch das Risiko politisch motivierter Boykotte in mehreren Märkten.
Zusammenfassung: Die Expansion in Xinjiang ist für Starbucks vor allem ein erhebliches Glaubwürdigkeits- und Reputationsrisiko.
Einschätzung der Redaktion
Eine weitere Insolvenz kann Galeria nur dann nachhaltig stabilisieren, wenn sie zu einer konsequenten Neuausrichtung führt. Kostensenkungen und Schuldenschnitte verschaffen lediglich Zeit; ohne wettbewerbsfähiges Sortiment, kleinere und leistungsfähige Standorte sowie eine klare Eigentümerstrategie bleibt das Geschäftsmodell strukturell gefährdet. Für Beschäftigte und Innenstädte dürfte deshalb eher ein konzentriertes Filialnetz als eine Rückkehr zur früheren Größe realistisch sein.
Zusammenfassung: Galerias Zukunft hängt nicht von einer weiteren Übergangslösung, sondern von einer tiefgreifenden strategischen Erneuerung ab.
Quellen:
- „Cash only“ verlangt - Mehr als jeder Zweite scheitert beim bargeldlosen Bezahlen - Wirtschaft - SZ.de
- Starbucks wegen neuer Filialen in Xinjiang unter Druck - Wirtschaft weltweit - Pforzheimer-Zeitung
- Experte sieht Zukunft für Galeria - mit weniger Standorten
- Wiedervereinigung: Kluft zwischen Einkommen in Ost- und Westdeutschland nimmt weiter zu
- Firmenentwicklung unterstützen?: Schröder soll im Aufsichtsrat der russischen Supermarktkette Globus sitzen
- Wirtschaft - Bericht: Bund leitet Reprivatisierung des Gaskonzerns Sefe ein



















