Wirtschaft kompakt: Digitales Bezahlen, Tankrabatt und Messewirtschaft im Fokus

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Digitales Bezahlen wächst, bleibt aber hinter Nordeuropa zurück; Tankregeln werden kritisiert, Marburg setzt auf Start-ups und ein Tankrabatt soll entlasten.

Digitales Bezahlen, steigende Spritkosten und der Strukturwandel in wichtigen Wirtschaftsregionen: Der Pressespiegel zeigt, wie politische Entscheidungen und neue Geschäftsmodelle Alltag, Unternehmen und Arbeitsplätze verändern – von der Tankstelle bis zum Pharmastandort und Messegeschäft.

Digitales Bezahlen nimmt in Deutschland zu – Abstand zu Nordeuropa bleibt groß

Deutschland holt beim digitalen Bezahlen auf, liegt im internationalen Vergleich aber weiterhin zurück. Nach einer Analyse der Boston Consulting Group (BCG), über die SZ.de berichtet, wurden 2025 hierzulande im Schnitt rund 300 elektronische Zahlungen pro Kopf getätigt.

Der EU-Durchschnitt lag bei rund 400 Zahlungen. In Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland waren es etwa 700. Zugleich wuchs die Zahl der Pro-Kopf-Transaktionen in Deutschland mit rund 10 Prozent stärker als im EU-Schnitt mit 8 Prozent.

Die BCG berücksichtigt sämtliche elektronischen Zahlungen von Verbrauchern, darunter Kartenzahlungen. Bargeld, Schecks und papierbasierte Überweisungen sind ausgenommen. Grundlage der zum 24. Mal veröffentlichten Studie sind elektronische Zahlungen von Verbrauchern ab 15 Jahren; maßgeblich stützt sich die Analyse auf Daten der Europäischen Zentralbank.

Auch bei Kartenzahlungen allein zeigt sich ein Aufholprozess. 2025 wurden in Deutschland im Schnitt 196 Kartentransaktionen pro Kopf registriert. Im gesamten deutschsprachigen Raum mit Österreich und der Schweiz waren es 216, in der EU 327 und in den nordischen Ländern 539. Die USA kamen auf 647 Kartentransaktionen pro Kopf.

VergleichElektronische Zahlungen pro Kopf 2025
Deutschlandrund 300
EU-Durchschnittrund 400
Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnlandetwa 700

Die Zahl der Kartenzahlungen pro Kopf stieg in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 11,3 Prozent. Damit lag das Wachstum über dem Wert der EU von 7,9 Prozent sowie über dem Wachstum in den nordischen Ländern und den USA.

Bargeld bleibt dennoch verbreitet. Nach Angaben der Bundesbank bezahlten die Menschen 2025 ihre Einkäufe erstmals öfter digital als mit Bargeld; 55 Prozent der Transaktionen waren bargeldlos. Mit Scheinen und Münzen zahlen vor allem Ältere sowie Menschen mit wenig Einkommen oder geringer digitaler Erfahrung.

BCG-Experte Markus Ampenberger bezeichnet die Entwicklung als Aufholprozess, betont aber zugleich die anhaltende Bargeldtreue in Deutschland. Der Abstand zu den nordischen Ländern sei weiterhin groß.

Nach dem Willen von Finanzminister Lars Klingbeil sollen Geschäfte und Restaurants künftig zusätzlich zu Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Handy akzeptieren müssen. Das Finanzministerium strebt an, dass ein Gesetzesentwurf noch dieses Jahr im Kabinett beschlossen und 2027 umgesetzt wird.

„Die Deutschen holen beim digitalen Bezahlen zwar auf, bleiben dem Bargeld aber weiterhin treu“, sagt Markus Ampenberger, BCG-Experte für Zahlungsverkehr und Co-Autor der Studie.

Infobox: Deutschland verzeichnete 2025 rund 300 elektronische Zahlungen und 196 Kartentransaktionen pro Kopf. 55 Prozent der Transaktionen waren bargeldlos.

ADAC fordert Abschaffung der 12-Uhr-Regel an Tankstellen

Der ADAC spricht sich für die Abschaffung der sogenannten 12-Uhr-Regel an Tankstellen aus. Die Regel habe zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen erheblich reduziert und den Zeitpunkt der Preiserhöhung vorhersehbarer gemacht, die Preise aber keinesfalls gesenkt, berichtet Die Rheinpfalz.

Stattdessen habe sich die Preisdifferenz innerhalb eines Tages deutlich ausgeweitet. Seit dem 1. April dürfen Tankstellen die Preise für Benzin und Diesel nur einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12.00 Uhr. Preissenkungen sind jederzeit möglich.

Der ADAC kritisiert, dass Verbraucher, die nach 12 Uhr tanken müssen, erhebliche Zusatzkosten tragen. Aus Sicht des Automobilclubs hat die Regel ihr Ziel aus Verbrauchersicht nicht erreicht.

„Vielmehr hat sich die Preisdifferenz innerhalb eines Tages deutlich ausgeweitet“, teilte der ADAC mit.

Auch Wissenschaftler haben die Auswirkungen untersucht. Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung schrieb Ende April, dass die einmalige Preiserhöhung zu höheren Durchschnittspreisen führe. Die Preise seien von der Mittagszeit bis in die Abendstunden systematisch erhöht, während sie in den Morgenstunden tendenziell unter den Tagesdurchschnitt fielen.

Nach Einschätzung des ZEW hatten Verbraucher vor der 12-Uhr-Regel über den Tag zahlreiche Gelegenheiten, günstiger zu tanken. Auch das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung bewertete die Maßnahme negativ.

Der ADAC unterstützt die von der Bundesregierung beschlossene befristete Senkung der Energiesteuer. Diese sei aktuell die realistisch umsetzbare Entlastungsmöglichkeit für Autofahrer. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass die Steuersenkung möglichst vollständig an der Zapfsäule weitergegeben werde.

Den angekündigten Spritpreisdeckel will der ADAC konstruktiv begleiten. Ein staatlich festgelegter Höchstpreis könne kurzfristig vor extremen Preisspitzen schützen, garantiere jedoch nicht automatisch dauerhaft niedrigere Preise. Entscheidend seien insbesondere die konkrete Höhe und die Berechnung des zulässigen Preises.

Infobox: Die 12-Uhr-Regel gilt in Deutschland seit dem 1. April. Der ADAC und wissenschaftliche Einrichtungen kritisieren, dass sie die Preisschwankungen innerhalb des Tages vergrößert habe.

Start-ups sollen Pharmastandort Marburg neuen Schwung geben

Nach Stellenstreichungen bei Pharmaunternehmen setzt Marburg auf neue Unternehmensgründungen. Im Mittelpunkt steht ein Forschungs- und Entwicklungs-Campus von CSL Behring, der erst vor wenigen Jahren errichtet wurde und künftig Labor- und Büroflächen für Start-ups bereitstellen soll, berichtet SZ.de.

Die Flächen werden frei, weil CSL die bei der Tochter CSL Innovation gebündelten Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Marburg einstellt. Bereits zuvor war geplant, auf dem Campus eine Drehscheibe für Gründer aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Life Sciences zu schaffen.

Nach Angaben des Präsidenten der Marburger Philipps-Universität, Thomas Nauss, soll die Initiative trotz der Schließung umgesetzt werden. Wissenschaftler und Branchenexperten sollen dort künftig Seite an Seite arbeiten können.

„Wir hoffen, dass wir das bis Jahresende ans Laufen bekommen“, sagte Thomas Nauss, Präsident der Marburger Philipps-Universität, der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Sprecherin von CSL erklärte, dass die vorhandene Infrastruktur für den Forschungsstandort genutzt werden solle. Die Ansiedlung von Gründern soll dem Pharmastandort neue Impulse geben und die frei werdenden Flächen einer neuen Nutzung zuführen.

Die Entwicklung steht im Zusammenhang mit mehreren angekündigten Stellenstreichungen. CSL, das Biotechnologieunternehmen Biontech und der Standortbetreiber Innexis hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren Einschnitte angekündigt.

Durch diese Entscheidungen könnten in Marburg rund 1.500 Arbeitsplätze verloren gehen. Bei CSL steht hinter den Einschnitten ein Sparkurs. Biontech begründete seine Maßnahmen mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kosteneinsparungen.

Das Mainzer Unternehmen Biontech, das während der Corona-Pandemie durch seinen Impfstoff weltbekannt wurde, prüft für Marburg und weitere Standorte mögliche Veräußerungsoptionen. Die geplante Gründerdrehscheibe soll parallel dazu die vorhandene Forschungs- und Büroinfrastruktur für neue Unternehmen nutzbar machen.

Infobox: Der CSL-Campus soll zur Drehscheibe für Gründer in Pharma, Biotechnologie und Life Sciences werden. Durch angekündigte Einschnitte könnten in Marburg rund 1.500 Arbeitsplätze verloren gehen.

Neuer Tankrabatt soll Autofahrer ab Anfang Oktober entlasten

Ab Anfang Oktober soll ein neuer Tankrabatt Autofahrer entlasten. Die ARD-Sendung Wirtschaft vor acht berichtete am 22.09.2026 zugleich darüber, dass eine Entlastung beim Dieselpreis in der Vergangenheit nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde.

Besonders die Logistikbranche leidet laut der Sendung unter den gestiegenen Kosten. Ein Ende der Belastungen sei derzeit noch nicht in Sicht.

Infobox: Der neue Tankrabatt soll ab Anfang Oktober wirken. Die ARD thematisiert zugleich die unvollständige Weitergabe früherer Entlastungen beim Dieselpreis.

Messe-Standort Hannover sichert 13.300 Arbeitsplätze

Der Messe-Standort Hannover sichert in einem durchschnittlichen Jahr rund 13.300 Arbeitsplätze und erzeugt Umsatzeffekte von 1,39 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie der Prognos AG im Auftrag der Deutschen Messe AG hervor, über die NDR.de berichtet.

Von den Umsätzen profitieren vor allem die Stadt und die Region Hannover. Dort verbleiben 688 Millionen Euro der Umsätze, im restlichen Niedersachsen 245 Millionen Euro. Auf das übrige Bundesgebiet entfallen 454 Millionen Euro.

BereichWert
Gesicherte Arbeitsplätzerund 13.300
Umsatzeffekte1,39 Milliarden Euro
Umsätze in Stadt und Region Hannover688 Millionen Euro
Umsätze im restlichen Niedersachsen245 Millionen Euro
Umsätze im übrigen Bundesgebiet454 Millionen Euro

Besonders Messedienstleistungen und das Gastgewerbe tragen zu den regionalen Umsätzen bei. Allein in Hannover übernachten pro Jahr knapp 460.000 Messebesucher, im Umland kommen weitere rund 210.000 Übernachtungen hinzu.

Von den Arbeitsplätzen entstehen mehr als die Hälfte in Hannover. Durch die Umsätze der Messen werden dort rund 7.000 Vollzeitstellen im Jahr finanziert. Im weiteren niedersächsischen Umland sind es rund 2.800 Stellen und bundesweit 3.500 Stellen.

RegionFinanzierte Vollzeitstellen pro Jahr
Hannoverrund 7.000
Weiteres niedersächsisches Umlandrund 2.800
Bundesweit3.500

Die Messe kämpft laut NDR zwar mit sinkenden Besucherzahlen. Nach Einschätzung des Studienautors Andreas Sachs muss dies jedoch nicht zwangsläufig zu weniger Umsatz führen, weil Besucher mit einem höheren Ausgabevolumen den Rückgang ausgleichen könnten.

„Es kann sein, dass Messebesucher mit einem höheren Ausgabevolumen so etwas ausgleichen“, sagte Studienautor Andreas Sachs.

Problematisch seien insbesondere Messen mit einem starken regionalen Publikum, das nicht übernachtet. Der Vorstandsvorsitzende Jochen Köckler leitet daraus eine stärkere Konzentration auf Investitionsgüter-Messen wie die Hannover Messe, die Interschutz und die IAA Nutzfahrzeuge ab.

„Wir profitieren von den Standgebühren auf diesen Messen am meisten“, sagte Jochen Köckler.

Bei solchen Veranstaltungen bleiben Besucher laut dem Bericht länger in der Stadt. Vergleichswerte liegen allerdings nicht vor, weil die Studie erstmals durchgeführt wurde. Auch Vergleiche mit anderen Städten seien schwierig.

Als Orientierung nennt der Bericht Friedrichshafen mit 500 Millionen Euro Umsatz und München mit 4,4 Milliarden Euro Umsatz. In München wurden jedoch auch die Effekte von Konzerten eingerechnet. Für Hannover wurden im Zeitraum 2024/2025 Durchschnittswerte für die 22 Messen errechnet; als Grundlage dienten Befragungen auf der INFA, LIGNA und Hannover Messe.

Infobox: Die Messen in Hannover erzeugen laut Prognos 1,39 Milliarden Euro Umsatzeffekte und sichern rund 13.300 Arbeitsplätze. Knapp 460.000 Messebesucher übernachten pro Jahr in Hannover, weitere rund 210.000 im Umland.

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklung zeigt, dass Deutschland beim digitalen Bezahlen zwar messbar vorankommt, der Wandel aber weiterhin durch soziale, infrastrukturelle und kulturelle Hürden gebremst wird. Eine verpflichtende zusätzliche digitale Zahlungsoption könnte den Zugang verbessern, darf jedoch nicht zu einem faktischen Ausschluss von Menschen führen, die auf Bargeld angewiesen sind.

Kernaussage: Der Fortschritt ist relevant, aber erst eine verlässliche und inklusive Zahlungsinfrastruktur würde Deutschland näher an die nordischen Länder heranführen.

Einschätzung der Redaktion

Die 12-Uhr-Regel wirkt ordnungspolitisch gut gemeint, erzeugt aber offenbar neue Nachteile für Verbraucher mit unflexiblen Tankzeiten. Wenn eine Regulierung Preisspitzen bündelt, statt den Wettbewerb zu stärken, sollte sie korrigiert werden. Entscheidend bleibt, dass Entlastungen transparent und nachprüfbar an den Zapfsäulen ankommen.

Kernaussage: Die Regel sollte nicht aus Gewohnheit fortbestehen, wenn sie ihre verbraucherpolitische Wirkung verfehlt.

Einschätzung der Redaktion

Die geplante Gründerdrehscheibe ist ein sinnvoller Versuch, aus einem industriellen Rückschlag eine neue Wachstumsbasis zu entwickeln. Sie kann den Verlust etablierter Arbeitsplätze jedoch nur teilweise auffangen und benötigt langfristig verlässliche Finanzierung, Zugang zu Forschung sowie eine enge Verbindung zwischen Universität und Unternehmen.

Kernaussage: Der Campus bietet Chancen für strukturelle Erneuerung, ersetzt aber keine unmittelbar verlorenen Arbeitsplätze.

Einschätzung der Redaktion

Ein Tankrabatt kann kurzfristig entlasten, bleibt aber ohne wirksame Kontrolle anfällig für Mitnahmeeffekte. Die entscheidende Frage ist daher nicht nur die Höhe der staatlichen Hilfe, sondern ihre tatsächliche Weitergabe an Verbraucher und Unternehmen. Für die Logistikbranche wäre zudem eine befristete Maßnahme allein keine nachhaltige Lösung.

Kernaussage: Der Rabatt ist nur dann wirksam, wenn seine Wirkung an der Zapfsäule überprüfbar ankommt.

Einschätzung der Redaktion

Die Zahlen unterstreichen die hohe wirtschaftliche Bedeutung des Messestandorts für Hannover und darüber hinaus. Sinkende Besucherzahlen machen jedoch eine strategische Neuausrichtung plausibel: Investitionsgüter-Messen mit längeren Aufenthalten und höherem Ausgabenpotenzial dürften für die regionale Wertschöpfung wichtiger werden als rein publikumsorientierte Veranstaltungen.

Kernaussage: Hannover bleibt wirtschaftlich stark vom Messegeschäft abhängig, muss sein Profil aber konsequent auf besonders wertschöpfende Formate konzentrieren.

Quellen: