Wirtschaft im Überblick: Immobilien, Hitze, Kriegskosten und Stellenabbau nutzer.
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Der Pressespiegel zeigt steigende Wohnkosten, hitzebedingte Branchenchancen, wachsende Kriegslasten in Russland und Stellenabbau bei BMW.
Steigende Wohnkosten, Hitzerekorde, milliardenschwere Kriegslasten und der Umbau der Autoindustrie: Der aktuelle Pressespiegel zeigt, wie tiefgreifend sich die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse verändern. Während manche Branchen unter dem Druck leiden, entstehen andernorts neue Chancen – von der Kühltechnik bis zur Rüstungsindustrie.
Pressespiegel: Immobilien, Hitze, Kriegskosten und Industrie prägen die Wirtschaftsnachrichten
Preiswerte Eigenheime fast nur noch auf dem Land
Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts IW Köln zeigt laut ntv.de ein deutliches regionales Gefälle bei den Preisen für Einfamilienhäuser. Günstige Eigenheime seien demnach quasi nur noch auf dem Land und in strukturschwachen Regionen zu finden.
Im Vergleich der sechzehn Bundesländer sind Eigenheime im Saarland, in Schleswig-Holstein und in Sachsen-Anhalt am billigsten. Ein typischer Modellhaushalt muss dort im Schnitt gut ein Viertel des Nettoeinkommens für die monatliche Rate des Immobilienkredits aufbringen. In Berlin, Bayern und Hamburg verschlingt die Abzahlung dagegen im Schnitt an die vierzig Prozent des Nettoeinkommens oder mehr.
Für die Untersuchung werteten IW-Immobilienfachmann Michael Voigtländer und seine Mitarbeiter die Einfamilienhauspreise in sämtlichen 400 Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands aus. Grundlage war eine Familie mit zwei Kindern und einem für Eigenheiminteressenten typischen Einkommen im siebzigsten Perzentil, also ein Haushalt mit höherem Einkommen als 70 Prozent der deutschen Haushalte.
Als tragbar gelten im Erschwinglichkeitsindex monatliche Ausgaben für die Immobilie von bis zu 35 Prozent des Nettoeinkommens. Der bundesweite Durchschnittswert liegt bei 103. In kleineren Großstädten und deren Nachbarlandkreisen muss ein Musterhaushalt laut Studie im Schnitt etwa ein Drittel seines Einkommens für die Abzahlung eines Einfamilienhauses ausgeben.
Besonders erschwinglich sind Einfamilienhäuser im Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein mit einem Indexwert von 187 und im Kreis Rhön-Grabfeld in Bayern mit einem Indexwert von 184. Dort verzehrt der Hauskauf weniger als ein Fünftel des Nettoeinkommens des angenommenen Musterhaushalts.
Am anderen Ende steht der Kreis Garmisch-Partenkirchen mit einem Indexwert von 53. Am oberbayerischen Alpenrand müsste der Musterhaushalt zwei Drittel seines Nettoeinkommens für die Monatsrate ausgeben. In Ebersberg kostet die Monatsrate noch 54 Prozent des Monatseinkommens; Potsdam folgt mit einem Indexwert von 66.
Nach Angaben von Interhyp leben etwa 45 Prozent der betrachteten Modellhaushalte in einer Region, in der der Erwerb eines Einfamilienhauses erschwinglich ist. IW-Ökonom Michael Voigtländer rechnet laut der Mitteilung weder mit spürbar besseren Finanzierungskonditionen noch mit einem massiven Rückgang bei den Preisen.
| Region oder Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Bundesweiter Durchschnitt | 103 |
| Kreis Steinburg | 187 |
| Kreis Rhön-Grabfeld | 184 |
| Kreis Garmisch-Partenkirchen | 53 |
| Ebersberg | 54 Prozent des Monatseinkommens |
| Potsdam | Indexwert 66 |
| Modellhaushalte in erschwinglichen Regionen | etwa 45 Prozent |
Zusammenfassung: Quelle: ntv.de. Leistbare Einfamilienhäuser finden sich laut IW-Studie vor allem in ländlichen und strukturschwachen Regionen. Die teuersten Gebiete liegen in München, im Münchner Umland und im Alpenvorland.
Heiße Sommer bringen einzelnen Branchen eine Sonderkonjunktur
Hohe Temperaturen belasten die deutsche Wirtschaft, schaffen aber zugleich zusätzliche Nachfrage in einzelnen Branchen. Der SWR berichtet, dass die Produktivität sinkt und ein einziger Hitzetag Deutschland laut Prognos-Institut mehr als 430 Millionen Euro kostet.
Zusätzliche Schäden entstehen an Straßen und Schienen. Gleichzeitig profitieren Hersteller von Klimaanlagen, Ventilatoren und mobilen Klimageräten von der hohen Nachfrage. Hans-Jürgen Völz, Chefvolkswirt beim Bundesverband mittelständische Wirtschaft, erklärt laut SWR Aktuell, dass mit der Zunahme von Hitzetagen branchenweit die Nachfrage nach Kühl- und Kältetechnik wächst.
Ventilatoren und mobile Klimageräte seien vielerorts ausverkauft. Der Verband Deutscher Kälte-Klima-Fachbetriebe meldet eine durchschnittliche Wartezeit von bis zu drei Monaten für den Einbau festinstallierter Anlagen.
Auch Getränke- und Nahrungsmittelhersteller profitieren von den Temperaturen. In der letzten Juniwoche wurden 77 Prozent mehr stilles Wasser und 63 Prozent mehr Sprudelwasser gekauft als in einer durchschnittlichen Sommerwoche der Jahre 2023 bis 2025.
Der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnete zudem 90 Prozent mehr Absatz von Speiseeis als in den Sommerwochen der letzten drei Vorjahre. Auch Energieversorger profitieren vom höheren Stromverbrauch durch Millionen von Klimaanlagen.
Betreiber von Solarparks kommen die Hitzewellen ebenfalls zugute, weil diese mit einer sehr viel höheren Sonnenstrahlung einhergehen und dadurch die Produktion erhöht wird.
- Hersteller von Klimaanlagen, Ventilatoren und mobilen Klimageräten profitieren von hoher Nachfrage.
- Für den Einbau festinstallierter Anlagen beträgt die durchschnittliche Wartezeit bis zu drei Monate.
- Der Absatz von stillem Wasser stieg um 77 Prozent.
- Der Absatz von Sprudelwasser stieg um 63 Prozent.
- Der Absatz von Speiseeis lag 90 Prozent über dem Vergleichswert.
Zusammenfassung: Quelle: SWR. Hitze verursacht erhebliche wirtschaftliche Belastungen, sorgt aber bei Kühltechnik, Getränken, Speiseeis, Energieversorgern und Solarparks für zusätzliche Geschäfte.
Russische Bahn erhöht Ticketpreise wegen angespannter Finanzlage
Russlands Staatsbahn steht wegen steigender Schulden, sinkender Einnahmen und hoher Kriegskosten unter Druck. Die Frankfurter Rundschau berichtet unter Berufung auf das russische Wirtschaftsportal RBC, dass die Fahrpreise für Fernverkehrszüge zum 1. Oktober um 9,2 Prozent angehoben werden.
Die Tariferhöhung war ursprünglich erst für 2027 vorgesehen. Gleichzeitig steigen die Frachttarife um 8,5 Prozent. Die vorgezogene Anpassung soll die Finanzlage der staatlichen Eisenbahngesellschaft RZD stabilisieren.
Die Russische Eisenbahn transportiert jedes Jahr mehr als eine Milliarde Fahrgäste und spielt eine zentrale Rolle im Güterverkehr. Nach Angaben der Frankfurter Rundschau sitzt die RZD auf Schulden von rund vier Billionen Rubel, was umgerechnet rund 40 Milliarden Euro entspricht.
Wegen der angespannten Finanzlage musste das Unternehmen sein Investitionsprogramm deutlich kürzen. Die zusätzlichen Einnahmen aus den höheren Tarifen sollen dieses Investitionsprogramm stützen.
Nach Informationen von RBC war bereits im März ein Sonderaufschlag von einem Prozent auf Bahntarife eingeführt worden. Seit Februar 2022 summiert sich der Anstieg der Frachttarife damit auf insgesamt 56 Prozent.
Für Millionen Russen bedeutet die Erhöhung spürbare Mehrkosten. Besonders Familien, Pendler und Menschen in abgelegenen Regionen sind auf günstige Zugverbindungen angewiesen. Gleichzeitig verteuern Inflation, höhere Lebensmittelpreise, Energie und Dienstleistungen viele Alltagsbereiche.
Auch der Güterverkehr steht unter Druck. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist das Frachtaufkommen des Staatskonzerns zuletzt auf den niedrigsten Stand seit 16 Jahren gesunken. Die Entwicklung gilt als Hinweis auf eine schwächere Konjunktur und zunehmende wirtschaftliche Belastungen in Russland.
| Bereich | Änderung oder Wert |
|---|---|
| Fernverkehrstickets ab 1. Oktober | 9,2 Prozent |
| Frachttarife | 8,5 Prozent |
| Schulden der RZD | rund vier Billionen Rubel |
| Umrechnung der Schulden | rund 40 Milliarden Euro |
| Sonderaufschlag im März | ein Prozent |
| Anstieg der Frachttarife seit Februar 2022 | insgesamt 56 Prozent |
| Frachtaufkommen | niedrigster Stand seit 16 Jahren |
Zusammenfassung: Quelle: Frankfurter Rundschau, verwendet wurden RBC und Reuters. Die russische Staatsbahn soll durch höhere Personen- und Frachttarife stabilisiert werden; die finanzielle Belastung wird damit auf Reisende und Unternehmen verlagert.
BMW plant Abbau von rund 8000 Stellen in Deutschland
BMW will seine Kosten senken und dafür rund 8000 Jobs in Deutschland abbauen. Wie die SZ.de berichtet, entspricht dies mehr als jeder elften Stelle in Deutschland.
Vorstand und Betriebsrat haben ein Abfindungsprogramm für alle deutschen Standorte vereinbart. Etwa 40 000 Beschäftigte sollen demnächst angeschrieben und mit einem Abfindungsangebot angesprochen werden. Das entspricht knapp der Hälfte der insgesamt etwa 84 000 BMW-Mitarbeiter in Deutschland.
Die konkrete Abfindungssumme soll sich vor allem nach der jeweiligen Betriebszugehörigkeit und dem derzeitigen Einkommen richten. Das Programm soll im Oktober starten und bis Ende kommenden Jahres laufen.
BMW plant allein für dieses Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag für Abfindungen ein. Wie viel im Laufe des kommenden Jahres zusätzlich hinzukommt, sei noch nicht klar.
Im Mittelpunkt des Stellenabbaus stehen insbesondere Jobs im indirekten Bereich, also in Büros und abseits der Werkshallen. Dazu zählen unter anderem die Konzernverwaltung und das Forschungs- und Innovationszentrum in München.
„Doch wir müssen sicherstellen, dass unser Unternehmen wieder profitabler und wettbewerbsfähiger wird“, sagte BMW-Chef Milan Nedeljković laut SZ.de.
Das Ziel sei, die Managementstruktur des Konzerns neu aufzustellen und schlanker zu machen. Nach Angaben des BMW-Chefs soll mehr Verantwortung in die wertschöpfenden Bereiche gelegt werden; unternehmerisches Handeln mit hoher Eigenverantwortung müsse wieder das Leitbild werden.
Der Abbau erfolgt vor dem Hintergrund einer Krise der Autoindustrie. Mercedes hatte bereits ein Abfindungsprogramm aufgelegt, bei dem rund 5500 Mitarbeiter den Konzern verließen. Bei Porsche sollen in den kommenden Jahren zusätzlich zum bereits vereinbarten Abbau von 3900 Stellen noch einmal 5000 Jobs wegfallen.
Bei BMW hatte der neue Vorstandschef Milan Nedeljković im Juni die Prognosen seines Vorgängers zusammengestrichen. Nach einer Gewinnwarnung wurden weitere Struktur- und Effizienzmaßnahmen angekündigt. Die BMW-Aktie hat seit Jahresanfang fast ein Drittel an Wert eingebüßt.
BMW meldete zugleich, dass vom Elektro-SUV iX3 bereits 50 000 Stück im neuen Werk im ungarischen Debreczin vom Band gelaufen seien. Die Vorbestellungen würden bald die Marke von 100 000 erreichen. Im Münchner Stammwerk soll außerdem die Serienproduktion der Elektro-Limousine i3 anlaufen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Geplanter Stellenabbau bei BMW | rund 8000 Jobs |
| BMW-Mitarbeiter in Deutschland | etwa 84 000 |
| Beschäftigte mit Abfindungsangebot | etwa 40 000 |
| Geplanter Start des Abfindungsprogramms | Oktober |
| Laufzeit des Programms | bis Ende kommenden Jahres |
| Produktion des iX3 in Debreczin | 50 000 Stück |
| Erwartete iX3-Vorbestellungen | 100 000 |
| Früherer BMW-Stellenabbau im Sommer 2020 | 6000 Jobs |
Zusammenfassung: Quelle: SZ.de. BMW will rund 8000 Stellen abbauen und bis zu 40 000 Beschäftigten ein Abfindungsangebot machen. Der Konzern begründet die Maßnahmen mit veränderten Marktbedingungen, sinkender Profitabilität und dem Ziel einer schlankeren Managementstruktur.
Immobilienbranche soll trotz politischer Erleichterungen liefern
Die WELT beschreibt eine wachsende Erwartung an die Bau- und Immobilienbranche. Länder streichen demnach Bauregeln, während der Bund schnellere Genehmigungen und niedrigere Standards möglich macht.
Damit liefere die Politik der Branche wichtige Voraussetzungen. Der wiederholte Verweis auf den Staat als Problemlöser wirke deshalb ausgehöhlt, heißt es in dem Beitrag.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wer unter den verbesserten Rahmenbedingungen tatsächlich bauen will. Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht damit stärker unter Druck, die vorhandenen Möglichkeiten in konkrete Projekte umzusetzen.
Zusammenfassung: Quelle: WELT. Nach politischen Erleichterungen bei Bauregeln, Genehmigungen und Standards erwartet der Beitrag von der Immobilienbranche, nun selbst stärker aktiv zu werden.
Bremer Wirtschaft blickt vorsichtig optimistisch auf höhere Verteidigungsausgaben
Die Stimmung in der bremischen Wirtschaft hellt sich auf, die Gesamtlage bleibt jedoch angespannt. Das berichtet buten un binnen unter Berufung auf den aktuellen Konjunkturbericht der Handelskammer.
Gestiegene Staatsausgaben für Sicherheit und Verteidigung führen dem Bericht zufolge zumindest bei einigen Industriebetrieben zu einer guten Geschäftslage. Dadurch ergeben sich für Teile der Bremer Wirtschaft zusätzliche wirtschaftliche Perspektiven.
Die positive Entwicklung ist laut Bericht jedoch nicht mit einer umfassenden Entspannung gleichzusetzen. Die Handelskammer beschreibt die bremische Wirtschaft als vorsichtig optimistisch.
Zusammenfassung: Quelle: buten un binnen. Höhere Ausgaben für Sicherheit und Verteidigung verbessern die Geschäftslage einzelner Industriebetriebe, während die allgemeine wirtschaftliche Situation angespannt bleibt.
Einschätzung der Redaktion
Die Meldungen zeigen weniger einzelne Ausreißer als eine gemeinsame Verschiebung wirtschaftlicher Lasten: Wohnraum wird regional zur Standortfrage, Hitze zur dauerhaften Kosten- und Nachfragekomponente, während Kriegsfolgen über Preise, Investitionskürzungen und öffentliche Ausgaben in die Wirtschaft hineinwirken. Besonders relevant ist, dass selbst starke Industrieunternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit zunehmend über Personalabbau und Effizienzprogramme sichern müssen. Politische Erleichterungen können Wachstum ermöglichen, ersetzen aber keine private Investitionsbereitschaft und keine tragfähigen Geschäftsmodelle.
Infobox: Die zentrale Herausforderung besteht darin, strukturelle Anpassungen zu bewältigen, ohne soziale Belastungen und regionale Ungleichgewichte weiter zu verschärfen.
Quellen:
- IW-Studie zeigt Gefälle: Preiswerte Eigenheime gibt es nur noch auf dem Land
- Hitze als Konjunktur-Treiber: Diese Branchen profitieren vom Supersommer
- Putins Krieg frisst sich durch Russlands Staatskasse – dafür zahlen jetzt auch Russlands Bahnfahrer
- BMW will sparen – und dafür bis zu 8000 Jobs streichen
- Bau- und Immobilienbranche: Der Wirtschaft gehen die Ausreden aus
- Höhere Verteidigungsausgaben lassen Bremer Wirtschaft hoffen