Wirtschaft im Spannungsfeld: Investitionen, Klimaschutz und globale Risiken

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Auslandsinvestitionen in Deutschland steigen, doch Unternehmen zögern bei Klimaschutz, während Handelskonflikte, geopolitische Risiken und Abhängigkeiten Resilienzstrategien erfordern.

Steigende Auslandsinvestitionen treffen auf zögerliche Klimaschutzbudgets, während Handelskriege, geopolitische Konflikte und wachsende Schulden die globale Wirtschaft unter Druck setzen. Der Pressespiegel zeigt, wo Deutschland und Europa verwundbar sind – und welche Strategien Industrie und Politik für mehr wirtschaftliche Resilienz verfolgen.

Pressespiegel: Investitionen, globale Risiken und wirtschaftliche Resilienz

Auslandsinvestitionen in Deutschland steigen auf rund 86 Milliarden Euro

Unternehmen aus dem Ausland haben im vergangenen Jahr rund 86 Milliarden Euro in Deutschland investiert. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das laut der ARD Mediathek einem Plus von 50 Prozent.

Die Entwicklung fällt je nach Herkunftsland unterschiedlich aus. Vor allem mehr britische Unternehmen wollten in Deutschland investieren, während sich US-Unternehmen stark zurückzogen. Grundlage der Einordnung ist eine Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft.

Infobox: Auslandsinvestitionen in Deutschland: rund 86 Milliarden Euro; Veränderung gegenüber dem Vorjahr: Plus von 50 Prozent; Quelle: ARD Mediathek, „Wirtschaft vor acht“.

Unternehmen zögern bei Klimaschutzinvestitionen

Deutschlands Unternehmen wollen den Anteil ihrer Investitionen für Klimaschutz in den kommenden Jahren laut einer Umfrage des Ifo-Instituts kaum erhöhen. Im Jahr 2025 entfielen im Durchschnitt 9,3 Prozent der Investitionen auf Klimaschutzmaßnahmen im eigenen Betrieb.

Für 2026 planten die Unternehmen einen Anteil von 10,6 Prozent, für 2027 waren 10,5 Prozent vorgesehen. Ifo-Forscher Gerome Wolf sprach von keiner nennenswerten Steigerung in einer Phase, in der klimafreundliche Investitionen besonders wichtig seien, um internationale und nationale Emissionsziele zu erreichen. Die Auswertung beruht auf der Ifo-Konjunkturumfrage vom Mai 2026.

JahrAnteil der Investitionen für Klimaschutz
20259,3 Prozent
202610,6 Prozent
202710,5 Prozent

Zwischen den Branchen bestehen deutliche Unterschiede. Dienstleister planten 2026 mit 12,2 Prozent den höchsten Anteil an Klimainvestitionen, gefolgt vom Bauhauptgewerbe mit 10,5 Prozent, dem Verarbeitenden Gewerbe mit 8,8 Prozent und dem Handel mit 8,5 Prozent.

Nur das Bauhauptgewerbe wollte seinen Anteil 2027 nochmals steigern. Dort waren 11,2 Prozent vorgesehen. Die Gründe für die Zurückhaltung seien aus der Umfrage nicht eindeutig ersichtlich.

BrancheAnteil 2026Anteil 2027
Dienstleister12,2 Prozentnicht angegeben
Bauhauptgewerbe10,5 Prozent11,2 Prozent
Verarbeitendes Gewerbe8,8 Prozentnicht angegeben
Handel8,5 Prozentnicht angegeben
„Denkbar wäre, dass Unternehmen vor dem Hintergrund gesunkener Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten sowie gestiegener geopolitischer Risiken andere Prioritäten gesetzt haben“, sagte Ifo-Forscher Gerome Wolf.

Das Ifo-Institut verweist zusätzlich auf wirtschaftspolitische Unsicherheit beim CO2-Preis. Damit werden sowohl die Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten als auch geopolitische Risiken und die Unsicherheit über den CO2-Preis als mögliche Einflussfaktoren genannt.

Infobox: Für 2025 wurden 9,3 Prozent der Investitionen für Klimaschutz eingesetzt; für 2026 sind 10,6 Prozent und für 2027 10,5 Prozent geplant. Quelle: Tagesspiegel unter Berufung auf das Ifo-Institut und den dpa-Newskanal.

G20-Finanzminister beraten über Handelskriege und geopolitische Risiken

Beim G20-Finanzministertreffen in Asheville stehen laut WELT Handelskriege, Wettbewerbsverzerrungen, die Straße von Hormus und die Finanzierung von Wladimir Putins Krieg im Mittelpunkt. Für den deutschen Finanzminister Lars Klingbeil ist das Treffen damit kein gewöhnlicher wirtschaftspolitischer Termin.

Klingbeil erklärte vor seiner Reise nach North Carolina, alle müssten dazu beitragen, die massiven globalen Unsicherheiten zu verringern. Deutschland dränge deshalb auf ein Ende des Iran-Kriegs und offene Seewege durch die Straße von Hormus.

„Alle müssen ihren Beitrag leisten, dass die massiven globalen Unsicherheiten abnehmen. Deshalb drängen wir auf ein Ende des Iran-Kriegs und offene Seewege durch die Straße von Hormus“, sagte Lars Klingbeil.

Während die Finanzminister beraten, arbeiten ihre Sherpas an einem Communiqué, in dem die Ergebnisse des Treffens festgehalten werden sollen. Die US-Regierung unter Finanzminister Scott Bessent wollte ausdrücklich, dass ein solcher Text vorgelegt wird. Ob darin eine Forderung an die Vereinigten Staaten aufgenommen wird, den Krieg mit dem Iran unverzüglich zu beenden, galt laut WELT jedoch als eher unwahrscheinlich.

Ein weiterer Streitpunkt ist China. Dabei geht es um Überkapazitäten, Subventionen und Ausfuhrbeschränkungen. Mit Verständigungen sei beim G20-Treffen nicht zu rechnen, vielmehr werde ein Verharren bei den bekannten Positionen erwartet. Impulse könnten laut WELT von einem bevorstehenden Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping ausgehen. Außerdem wolle die Europäische Union ihre China-Politik grundlegend neu ausrichten.

Für Verstimmungen sorgten Berichte, wonach der russische Finanzminister Anton Siluanow am G20-Tisch teilnehmen könnte. Es wäre das erste Mal seit 2022, seit Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine, dass Russland auf Ministerebene vertreten wäre. Eine Teilnahme Siluanows könnte zudem Spekulationen über eine mögliche Teilnahme Wladimir Putins am G20-Gipfel verstärken, zu dem Trump im Dezember nach Miami einlädt.

Auch der eskalierte Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada birgt Konfliktpotenzial. Berlin sucht laut WELT demonstrativ den Schulterschluss mit Ottawa. Klingbeil wollte sich in Asheville mit seinem kanadischen Amtskollegen François-Philippe Champagne zu einem Gespräch zurückziehen.

„Handelskriege und Wettbewerbsverzerrungen“ seien „Gift für die wirtschaftliche Entwicklung weltweit“, sagte Lars Klingbeil.

Als weiteres Risiko wird eine neue Staatsschuldenkrise beschrieben. Diese könnte durch Amerikas rasant steigendes Kreditvolumen und die Nervosität der Märkte ausgelöst werden. Klingbeil gab sich in dieser Frage vorerst gelassen.

Infobox: Im Mittelpunkt des G20-Treffens stehen Handelskriege, Wettbewerbsverzerrungen, die Straße von Hormus, China, Russland und das Risiko einer neuen Staatsschuldenkrise. Quelle: WELT.

EU-Schulden und Eurobonds im Zeichen der US-Politik

Der Spiegel berichtet über die Frage, wie Donald Trump gemeinsame EU-Schulden attraktiver machen könnte. Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung gemeinsamer Schulden der Europäischen Union.

Brüssel habe bereits in den vergangenen Jahren mehr als 820 Milliarden Euro gemeinsamer Schulden gemacht. Der Beitrag war zum Abrufzeitpunkt nicht mehr vollständig zugänglich.

Infobox: Gemeinsame Schulden der EU: mehr als 820 Milliarden Euro. Quelle: Spiegel.

BDI stellt Rohstoff- und Energiesicherheit in den Mittelpunkt

Der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. kündigt den Resilienzkongress der Wirtschaft unter dem Titel „Wirtschaft.Sicher.Machen.“ an. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie zukunftsfähige Wertschöpfung durch Rohstoff- und Energiesicherheit gewährleistet werden kann.

Rohstoffe und Energie stehen laut BDI am Anfang jeder industriellen Wertschöpfungskette. Die Versorgungssicherheit im Bedrohungs- und Krisenfall bestimme Gegenwart und Zukunft. Konkurrenten und Gegenspieler könnten die fundamentale Bedeutung von Rohstoffen und Energie nutzen, um einseitige Abhängigkeiten zu schaffen und diese als strategisches Druckmittel einzusetzen.

Als Beispiele nennt der BDI Erdgas, Öl und Seltene Erden. Angriffe auf diese Bereiche zielten auf die Grundlage der wirtschaftlichen Wettbewerbs- und Handlungsfähigkeit. In einer von geoökonomischer Aggression geprägten Weltunordnung seien externe Schocks für die europäische Wertschöpfung das neue Normal.

Der Kongress soll erörtern, wie Deutschland gemeinsam mit seinen Partnern die eigene Resilienz stärken und eine sichere Energie- und Rohstoffversorgung zu einem Vorteil im internationalen Standortwettbewerb machen kann. Außerdem geht es um die Aufgaben von Politik und Wirtschaft, um die Verwundbarkeit zu verringern und die Grundlage für eine von technologischer Innovation und erfolgreicher Transformation geprägte Zukunft zu schaffen.

Die Teilnahme am Resilienzkongress 2026 ist nur auf persönliche Einladung möglich. Der BDI bietet Partnern unter anderem Möglichkeiten für Branding, Lead-Generierung und Thought Leadership an.

Infobox: Der BDI konzentriert den Resilienzkongress auf Rohstoff- und Energiesicherheit, Versorgungssicherheit und industrielle Wertschöpfung. Die Teilnahme am Resilienzkongress 2026 ist nur auf persönliche Einladung möglich. Quelle: Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.

Einschätzung der Redaktion

Die zentrale Herausforderung ist nicht fehlendes Kapital, sondern fehlende Planungssicherheit. Internationale Investitionen zeigen weiterhin Standortinteresse, während Klimaschutz-, Energie- und Rohstoffentscheidungen durch geopolitische Risiken, Handelskonflikte und unsichere Rahmenbedingungen gebremst werden. Für Deutschland wird Resilienz damit zum Wettbewerbsfaktor: Wer Versorgungssicherheit, verlässliche CO2-Preise und europäische Handlungsfähigkeit nicht schneller verbessert, riskiert, dass Investitionen zwar stattfinden, aber nicht ausreichend in Zukunftstechnologien und industrielle Erneuerung fließen.

Kernaussage: Wirtschaftliche Sicherheit und Klimaschutz sind keine Gegensätze, sondern müssen politisch und unternehmerisch zusammen gedacht werden.

Quellen: