US-Schulden, Russlands Energieexporte und deutsche Firmenschließungen im Fokus

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Steigende US-Schulden verteuern Kredite, während Russland Sanktionen durch Energieexporte umgeht und in Deutschland Unternehmensschließungen zunehmen.

Steigende US-Schulden, Russlands robuste Energieeinnahmen trotz Sanktionen und eine neue Schließungswelle in Deutschland zeigen, wie stark politische Entscheidungen, globale Märkte und strukturelle Probleme die Wirtschaft prägen. Der Pressespiegel beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen – ergänzt um einen Veranstaltungshinweis aus Melle.

USA: Steigende Zinsen und hohe Schulden setzen Trump unter Druck

Der US-Anleihemarkt entwickelt sich laut ntv.de zu einem wichtigen Gegenspieler von Donald Trump. Die Zinsen für 30-jährige US-Staatsanleihen stiegen auf über 5,3 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten.

Die Entwicklung erhöht die langfristigen Kreditkosten der Vereinigten Staaten. Als Reaktion versprach US-Finanzminister Scott Bessent eine Verdoppelung der Rückkäufe von Staatsanleihen mit den längsten Laufzeiten. Die Renditen der 30-Jahres-Anleihen sanken zunächst um gut 0,1 Prozent, stiegen in den folgenden Tagen jedoch wieder auf nahezu dasselbe Niveau.

Mohamed El-Erian bezeichnete das Vorgehen im US-Fernsehen als „Operation Twist“. Dabei würden langfristige Anleihen zurückgekauft und im Gegenzug mehr kurzlaufende Anleihen ausgegeben, um die Renditen kurzfristig zu beeinflussen.

Als Belastungsfaktoren nennt ntv.de den seit sechs Monaten andauernden Iran-Krieg, den dadurch verstärkten Inflationsdruck, den hohen Kapitalbedarf von KI-Unternehmen und die unklare Zinspolitik des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. KI-Firmen leihen sich dem Bericht zufolge Billionen Dollar für zusätzliche Rechenzentren und konkurrieren damit mit der US-Regierung um knappes Kapital.

Die US-Staatsschulden überschritten erstmals 40 Billionen Dollar. Das entspricht rund 126 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das jährliche Defizit liegt bei 7,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, während die USA inzwischen mehr als eine Billion Dollar jährlich für Zinsen ausgeben.

Der Schuldendienst ist laut Quelle der zweitgrößte Posten im mehr als 7 Billionen Dollar schweren US-Haushalt. Nur die Sozial- und Rentenversicherung beansprucht noch mehr Mittel. 1981 lag die Schuldenlast noch bei gerade einmal einer Billion Dollar; in den vergangenen 20 Jahren vervierfachte sie sich.

In Trumps beiden Amtszeiten nahm die Schuldenlast um rund 11,6 Billionen Dollar zu. Als Ursachen werden unter anderem die Covid-Hilfsprogramme und umfangreiche Steuersenkungspakete genannt. Der frühere Fed-Chef Jerome Powell bezeichnete den Schuldenberg als „nicht länger tragfähig“ und warnte: „Das wird ein böses Ende nehmen, wenn wir nicht bald etwas tun.“

Die steigenden Renditen verteuern nicht nur die Finanzierung der Regierung, sondern auch Firmenfinanzierungen, Hypotheken und Autokredite. Mohamed El-Erian sieht deshalb wachsenden „Erschwinglichkeitsdruck“ und ein „großes politisches Thema“ vor den Zwischenwahlen zum US-Kongress im Herbst.

Zusammenfassung: Die Vereinigten Staaten stehen vor steigenden Finanzierungskosten, während Schulden und Defizit weiter hoch sind. Der Druck trifft sowohl den Staat als auch Unternehmen und private Haushalte.

Russland verdient trotz EU-Sanktionen weiter an Energieexporten

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass Russlands Wirtschaft zwar spürbar schwächelt, dennoch aber weiterhin Milliarden aus Europa nach Moskau fließen. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 hat die EU zahlreiche Sanktionspakete verabschiedet; zuletzt wurde am 23. Juli 2026 das 21. Paket beschlossen.

Inzwischen unterliegen 100 russische Banken einem Transaktionsverbot. Fast 3000 Personen stehen wegen Handlungen gegen die Ukraine auf den Sanktionslisten der EU. Nach Einschätzung der EU-Kommission zeigen die Maßnahmen Wirkung: Die liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds seien seit Kriegsbeginn um mehr als zwei Drittel geschrumpft.

Das reale Bruttoinlandsprodukt Russlands ging im ersten Quartal 2026 um 0,2 Prozent zurück. Brüssel rechnet für 2026 mit einem Wachstum von 1,3 Prozent und für 2027 mit 1,1 Prozent.

Gleichzeitig erreichten die EU-Importe von russischem Flüssiggas im ersten Quartal 2026 laut Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse einen historischen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr stiegen sie um 16 Prozent. Nach den USA bleibt Russland damit der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU.

Zwischen 2022 und 2025 gaben europäische Länder insgesamt 281 Milliarden Euro für russisches LNG aus. Davon flossen laut einem Bericht der Wirtschaftswoche 37,8 Milliarden Euro direkt in den russischen Staatshaushalt. Allein 2025 entfielen 14 Prozent der gesamten EU-LNG-Importe auf russisches LNG; die Kosten lagen bei 6,7 Milliarden Euro. Zusätzlich wurden 5,9 Milliarden Euro für russisches Pipeline-Gas ausgegeben.

Der Rückgang russischer Pipeline-Lieferungen verschleiert laut Frankfurter Rundschau den wachsenden LNG-Handel. Die absoluten Importmengen russischen LNGs nach Europa hätten sich zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem zweiten Quartal 2025 nahezu verdreifacht. Rund 75 Prozent dieser Lieferungen stammten vom arktischen Terminal Jamal.

Eine wichtige Rolle spielt dem Bericht zufolge die Dynagas-Gruppe des griechischen Reeders Georgios Prokopiou. Von Januar bis Juli 2026 transportierten Schiffe der Gruppe 53 Ladungen zu EU-Häfen, deren Wert auf 2,35 Milliarden Euro geschätzt wird. Die griechische Regierung hatte das 21. Sanktionspaket zunächst blockiert und eine Ausnahme für den heimischen Reeder verlangt; anschließend gab die EU nach.

Zusätzliche Einnahmen ermöglicht eine Schattenflotte, die auf 2500 bis 3000 Schiffe geschätzt wird. Darunter befinden sich rund 1500 Öl- und Gastanker. Im Sommer 2026 wurde laut Recherchen von Geheimdiensten und Militärs mehr als die Hälfte des seewärts transportierten russischen Öls mit sanktionierten Schattentankern befördert.

Die Schiffe fahren demnach häufig unter Billigflaggen wie Gabun oder Panama, operieren außerhalb westlicher Schiffsversicherungen und verschleiern ihre Herkunft durch abgeschaltete Transpondersignale. Auf diese Weise werde die von den G-7-Staaten festgelegte Preisobergrenze von 44,10 US-Dollar pro Barrel umgangen.

Mit dem 21. Sanktionspaket belegte die EU 41 weitere Schiffe der Schattenflotte mit einem Hafenverbot. Das kommt zu den bereits 632 sanktionierten Tankern hinzu. Erstmals wurden zudem fünf Bunkerschiffe gelistet, die sanktionierte Tanker regelmäßig betankt hatten.

Auch im Finanzsektor bestehen Ausweichmöglichkeiten. Russland wickelt einen wachsenden Teil seines Außenhandels über das chinesische Zahlungssystem CIPS ab und rechnet zunehmend in Yuan ab. China ist seit Kriegsbeginn zum größten Handelspartner Russlands aufgestiegen; mehr als ein Drittel des gesamten russischen Außenhandels entfällt inzwischen auf China.

Zusammenfassung: Die EU-Sanktionen belasten Russlands Wirtschaft, unterbinden aber die Einnahmen aus Energieexporten nicht vollständig. LNG-Lieferungen, Schattenflotte und Zahlungssysteme über China schaffen weiterhin wichtige Ausweichmöglichkeiten.

Deutschland: Immer mehr Betriebe schließen ohne Insolvenz

Nach einer Analyse von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, über die der Merkur berichtet, haben 2025 in Deutschland 187.744 Unternehmen ihren Betrieb aufgegeben. Gegenüber dem Vorjahr erhöhte sich die Zahl um knapp zehn Prozent.

Die Zahlen der Vorjahre wurden auf erweiterter Basis neu berechnet. Mehr Unternehmensschließungen gab es in der Zeitreihe zuletzt 2007 mit fast 208.000. 2025 war der zweite Anstieg in Folge.

Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, erklärt, dass inzwischen auch eigentlich gesunde Firmen ihre Geschäftstätigkeit beenden. Die Krisendynamik erfasse damit die gesamte Breite der Wirtschaft. Während Insolvenzen großer Unternehmen viel Aufmerksamkeit erhielten, sei die Zahl der kleinen und mittleren Unternehmen, die ohne großes Aufsehen verschwinden, um ein Vielfaches höher.

Als Ursachen nennt die Analyse technologischen Wandel, zunehmenden Wettbewerbsdruck und Arbeitskräftemangel. Hinzu kommt die demografische Entwicklung: Immer mehr Firmen schließen, weil die Inhaber in den Ruhestand gehen und keine Nachfolger finden.

Dr. Sandra Gottschalk vom ZEW Mannheim zufolge erfolgt fast ein Drittel aller freiwilligen Schließungen mittlerweile aus Altersgründen. Das sei deutlich mehr als noch vor 10 oder 15 Jahren. Rund 87 Prozent der Geschäftsaufgaben erfolgen ohne Insolvenzverfahren und damit nahezu geräuschlos; nur knapp 13 Prozent der Schließungen gingen 2025 auf ein Insolvenzverfahren zurück.

Besonders stark betroffen war die Gastwirtschaft. Knapp 15.000 Restaurants, Kneipen und Beherbergungsunternehmen schlossen, 15 Prozent mehr als 2024.

Im Gesundheitswesen setzte sich die seit etwa zehn Jahren beobachtete Negativentwicklung fort. Knapp 11.000 Betriebe schlossen; damit lag die Zahl etwa doppelt so hoch wie 2008. Allein knapp 5.500 Arztpraxen gaben auf, fast ein Viertel beziehungsweise 23 Prozent mehr als 2024. Häufig fehlte ein Nachfolger für Ärztinnen und Ärzte, die in den Ruhestand gingen.

In der Industrie schlossen etwa 11.000 Betriebe. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Hantzsch beschreibt die Situation als „Krisenzange“, die die deutsche Wirtschaft von zwei Seiten packe: durch geopolitische Verwerfungen wie den Iran-Krieg und US-Zölle sowie durch hohe Energiepreise und Bürokratie im Inland.

BereichZahl beziehungsweise Entwicklung
Unternehmensaufgaben 2025187.744
Veränderung gegenüber 2024knapp zehn Prozent
Schließungen ohne Insolvenzverfahrenetwa 87 Prozent
Schließungen mit Insolvenzverfahrenknapp 13 Prozent
Gastwirtschaftknapp 15.000 Betriebe, 15 Prozent mehr als 2024
Gesundheitswesenknapp 11.000 Betriebe
Geschlossene Arztpraxenknapp 5.500, 23 Prozent mehr als 2024
Industrieetwa 11.000 Betriebe, zehn Prozent mehr als im Vorjahr

Zusammenfassung: Die Zahl der Geschäftsaufgaben erreicht in Deutschland einen Höchststand seit 20 Jahren. Besonders auffällig ist, dass viele wirtschaftlich gesunde Betriebe ohne Insolvenz schließen, häufig wegen fehlender Nachfolge, Arbeitskräftemangel und wachsendem Kostendruck.

Melle: Veranstaltung „Mensch, Natur, Wirtschaft“

Die Stadt Melle führt für Sonntag, den 23.08.2026, die Veranstaltung „Mensch, Natur, Wirtschaft“ im Veranstaltungskalender. Als Zeitraum ist 10:00 bis 18:00 Uhr angegeben.

Weitere nutzbare Angaben zum konkreten Programm, zu einzelnen Beteiligten oder zu Veranstaltungsorten enthält der übermittelte Inhalt nicht.

Zusammenfassung: In Melle ist für den 23.08.2026 von 10:00 bis 18:00 Uhr die Veranstaltung „Mensch, Natur, Wirtschaft“ angekündigt.

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklung markiert einen strukturellen Belastungstest für die US-Wirtschaftspolitik. Hohe Zinsen begrenzen den politischen Spielraum, während steigende Refinanzierungskosten den Druck auf Staat, Unternehmen und Haushalte zugleich verstärken. Kurzfristige Eingriffe in den Anleihemarkt können die grundlegende Verschuldungsproblematik jedoch nicht lösen.

Kernaussage: Trumps wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit wird zunehmend durch die Kosten der eigenen Verschuldungsdynamik begrenzt.

Einschätzung der Redaktion

Die Sanktionspolitik verliert an Wirkung, solange europäische Abnehmer weiterhin erhebliche Energiemengen aus Russland beziehen und Umgehungsstrukturen bestehen. Besonders problematisch ist der Widerspruch zwischen politischem Druck und faktischer Finanzierung russischer Einnahmen. Ohne konsequente Kontrollen und einen schnelleren Ersatz russischer Lieferungen bleibt die wirtschaftliche Isolation unvollständig.

Kernaussage: Die Sanktionen erhöhen Russlands Kosten, unterbrechen aber den Energie- und Zahlungsfluss noch nicht wirksam genug.

Einschätzung der Redaktion

Die Unternehmensaufgaben weisen auf ein tiefer liegendes Standortproblem hin, das in klassischen Insolvenzstatistiken unterschätzt wird. Wenn Betriebe ohne Insolvenz und vielfach aus Nachfolgemangel schließen, gehen regionale Versorgung, Arbeitsplätze und wirtschaftliches Know-how dauerhaft verloren. Besonders dringlich sind deshalb bessere Rahmenbedingungen für Unternehmensübergaben, Fachkräftegewinnung und Investitionen.

Kernaussage: Nicht nur akute Krisen, sondern vor allem fehlende Nachfolge und dauerhaft hohe Belastungen schwächen die wirtschaftliche Substanz.

Einschätzung der Redaktion

Die Veranstaltung verbindet zentrale Zukunftsthemen, deren praktische Umsetzung nur im Zusammenspiel von Gesellschaft, Umwelt und Wirtschaft gelingen kann. Ihr Wert hängt daher maßgeblich davon ab, ob sie konkrete Lösungsansätze und lokale Beteiligung fördert statt lediglich allgemeine Debatten zu führen.

Kernaussage: Die Themenkombination ist relevant; entscheidend bleibt der konkrete Nutzen für die regionale Praxis.

Quellen: