Reformdruck, Russlands Wirtschaft und der Tod von Merkur-Gründer Gauselmann

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Die deutsche Wirtschaft fordert von der Bundesregierung schnelle Reformen, während Russland trotz Sanktionen Energieeinnahmen erzielt, aber unter wachsendem Haushaltsdruck leidet.

Die deutsche Wirtschaft steht unter Reformdruck, während Russland trotz Sanktionen weiterhin hohe Energieeinnahmen erzielt – und zugleich mit wachsenden finanziellen Problemen kämpft. Der Pressespiegel beleuchtet außerdem die zunehmende Rolle des Staates in Deutschland und den Abschied von Merkur-Gründer Paul Gauselmann.

Pressespiegel: Reformdruck, Russlands Wirtschaft und ein Unternehmensabschied

Großkonzerne fordern schnelle Reformen von Schwarz-Rot

Wirtschaftsverbände und Großkonzerne haben die Bundesregierung in einem gemeinsamen Schreiben zu schnellen Reformen aufgefordert. Nach Angaben der WELT müssten angekündigte oder im Koalitionsvertrag festgehaltene Vorhaben „schleunigst und ohne irgendwelche Abstriche“ umgesetzt werden.

Als Begründung verweisen die Unterzeichner auf hohe Energiekosten und sich wandelnde wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Unternehmen in Deutschland stünden dadurch unter „erheblichen Druck“. Die konkrete Ausgestaltung sozial- und wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen entscheide darüber, ob Unternehmen wettbewerbsfähig blieben, Arbeitsplätze hielten und Investitionen an ihren Standorten tätigten.

Zu den genannten Unterzeichnern gehören Audi, BMW, ZF, Mercedes-Benz, Porsche, Siemens und Eberspächer. Ebenfalls angeschlossen haben sich die Verbandsspitzen der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeber sowie des baden-württembergischen Verbands Südwestmetall.

Adressiert ist das Schreiben an Bundeskanzler Friedrich Merz, Arbeitsministerin Bärbel Bas, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie die Fraktionsvorsitzenden der Regierungsparteien. Eine zentrale Forderung betrifft die nachhaltige Reduzierung der Beitragsbelastung in der Sozialversicherung.

Diese liege derzeit mit über 42 Prozent auf einem Höchststand, heißt es laut WELT. Die Unterzeichner kritisieren außerdem, dass die Belastung für Teile der Wirtschaft und der Versicherten trotz stabiler Beitragssätze steige, weil die Beitragsbemessungsgrenzen angehoben würden.

„Schleunigst und ohne irgendwelche Abstriche“ müssten angekündigte oder im Koalitionsvertrag festgehaltene Reformvorhaben umgesetzt werden.

Zusammenfassung: Großunternehmen und Wirtschaftsverbände verlangen von der Bundesregierung eine unverzügliche Umsetzung der Reformvorhaben. Im Mittelpunkt stehen Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen, Arbeitsplätze und eine Senkung der Sozialversicherungsbelastung.

Russland bleibt trotz Sanktionen ein wichtiger Gaslieferant der EU

Die Frankfurter Rundschau berichtet über eine widersprüchliche Entwicklung: Russlands Wirtschaft schwächelt, zugleich fließen weiterhin Milliarden aus der Europäischen Union nach Moskau. Die EU hat seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar 2022 zahlreiche Sanktionspakete verabschiedet, zuletzt am 23. Juli 2026 das 21. Paket.

Inzwischen unterliegen laut dem Bericht insgesamt 100 russische Banken einem Transaktionsverbot. Fast 3000 Personen stehen wegen Handlungen gegen die Ukraine auf den Sanktionslisten der EU. Nach Einschätzung der EU-Kommission zeigen die Maßnahmen Wirkung.

KennzahlAngabe
Rückgang der liquiden Vermögenswerte des russischen Staatsfonds seit Kriegsbeginnmehr als zwei Drittel
Veränderung des realen Bruttoinlandsprodukts im ersten Quartal 2026minus 0,2 Prozent
Wachstumsprognose für 20261,3 Prozent
Wachstumsprognose für 20271,1 Prozent
Anstieg der EU-Importe von russischem Flüssiggas im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahr16 Prozent

Parallel zu den Sanktionen verdient Russland weiterhin an Energielieferungen nach Europa. Im ersten Quartal 2026 erreichten die EU-Importe von russischem Flüssiggas laut dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis einen historischen Höchststand. Russland bleibt damit nach den USA der zweitgrößte LNG-Lieferant der EU.

Zwischen Kriegsbeginn 2022 und 2025 gaben europäische Länder insgesamt 281 Milliarden Euro für russisches LNG aus. Davon flossen laut einem Wirtschaftswoche-Bericht 37,8 Milliarden Euro direkt in den russischen Staatshaushalt.

BereichAngabe
Anteil russischen LNGs an den gesamten EU-LNG-Importen im Jahr 202514 Prozent
Kosten für russisches LNG im Jahr 20256,7 Milliarden Euro
Kosten für russisches Pipeline-Gas im Jahr 20255,9 Milliarden Euro
Anteil russischen Gases an den gesamten Energieimporten der EU13 Prozent
Anteil vor dem Überfall auf die Ukraine39 Prozent

Die unterschiedlichen Angaben zum russischen Gasanteil erklären sich laut Frankfurter Rundschau durch eine Verschiebung der Transportwege. Lieferungen über Pipelines in Ost- und Südeuropa seien stark zurückgegangen, während der LNG-Handel deutlich zugenommen habe.

Nach Angaben der Wirtschaftswoche hätten sich die absoluten Importmengen von russischem LNG nach Europa zwischen dem ersten Quartal 2021 und dem zweiten Quartal 2025 nahezu verdreifacht. Rund 75 Prozent dieser Lieferungen stammten vom arktischen Terminal Jamal, das der sibirische Gaskonzern Novatek betreibt. Eisbrecher-Tanker transportierten die Ladungen unter anderem zu westeuropäischen Häfen wie Zeebrügge in Belgien.

Eine wichtige Rolle auf dieser Route spielt laut einer Kpler-Analyse der griechische Milliardär Georgios Prokopiou. Schiffe seiner Dynagas-Gruppe transportierten demnach in diesem Jahr bereits mehr als ein Drittel der russischen Arktis-Gasexporte. Zwischen Januar und Juli 2026 verschifften sie 53 Ladungen zu EU-Häfen im Wert von schätzungsweise 2,35 Milliarden Euro.

Die Frankfurter Rundschau führt aus, dass die griechische Regierung das 21. Sanktionspaket zunächst blockiert und eine Ausnahme für den heimischen Reeder verlangt habe. Am Ende habe die EU dieser Forderung nachgegeben.

Zusätzliche Einnahmen entstehen Russland über eine schwer kontrollierbare Schattenflotte. Diese wird auf 2500 bis 3000 Schiffe geschätzt, darunter rund 1500 Öl- und Gastanker. Im Sommer 2026 sei mehr als die Hälfte des seewärts transportierten russischen Öls mit sanktionierten Schattentankern befördert worden.

Die Schiffe fahren dem Bericht zufolge häufig unter Billigflaggen wie Gabun oder Panama, nutzen jahrzehntealte Tanker und operieren außerhalb westlicher Schiffsversicherungen. Durch abgeschaltete Transpondersignale werde die Herkunft der Ladungen verschleiert. Auf diese Weise umgeht Russland die von den G-7-Staaten festgelegte Preisobergrenze von 44,10 US-Dollar pro Barrel.

Mit dem 21. Sanktionspaket belegte die EU 41 weitere Schiffe der Schattenflotte mit einem Hafenverbot. Dies geschah zusätzlich zu den bereits 632 sanktionierten Tankern. Erstmals wurden außerdem fünf Bunkerschiffe gelistet, die sanktionierte Tanker regelmäßig betankt hatten.

Auch im Finanzsektor bestehen Ausweichmöglichkeiten. Russland wickelt einen wachsenden Teil seines Außenhandels über das chinesische Zahlungssystem CIPS ab und rechnet zunehmend in Yuan ab. China ist seit Kriegsbeginn zum größten Handelspartner Russlands aufgestiegen; mehr als ein Drittel des gesamten russischen Außenhandels, vor allem Öl und Gas, geht mittlerweile dorthin.

Infobox: Die EU-Sanktionen treffen russische Banken, Staatsreserven und Teile des Energiegeschäfts. Gleichzeitig bleiben LNG-Importe, Schattenflotten und Zahlungswege über China wichtige Kanäle für russische Einnahmen.

Russlands wirtschaftliche Probleme nehmen laut Analysten zu

Die Frankfurter Rundschau berichtet außerdem über wachsende wirtschaftliche und haushaltspolitische Probleme in Russland. Zwar wächst die Wirtschaft noch, Analysten sehen jedoch eine zunehmende Abhängigkeit von Militärausgaben, höhere Steuern und subventionierte Bankkredite.

Alex Kolyandr, Europa-Direktor der Eurasia Group, warnte laut CNBC davor, dass die erodierende Wirtschaftslage Präsident Wladimir Putin zu einer Eskalation des Konflikts verleiten könnte. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten würden seiner Einschätzung nach nicht einfach verschwinden und zeigten sich bereits in der Inflation, der Verlangsamung der Zivilwirtschaft und höheren Zinssätzen.

Charles Lichfield vom GeoEconomics Center des Atlantic Council verwies ebenfalls auf die Inflation und das Haushaltsdefizit. Russland steuere auf eine Verdopplung des Defizits von 2025 zu, das bereits doppelt so hoch gewesen sei wie das Defizit im Jahr 2024.

Wirtschaftliche KennzahlAngabe
Energieeinnahmen im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Wert vor zwei Jahren64 Prozent
Inflationvier Prozent
Liquide Mittel des Nationalen Wohlfahrtsfonds vor dem Krieg6,5 Prozent des BIP
Liquide Mittel des Nationalen Wohlfahrtsfonds im April 20261,8 Prozent des BIP
Anstieg der staatlichen Beschaffungen einschließlich Rüstungsaufträgen von Januar bis Juli im Jahresvergleichfast 40 Prozent
Staatliche Beschaffungen einschließlich Rüstungsaufträgen von Januar bis Juli8,44 Billionen Rubel
Anteil des Jahresplans, der damit erreicht wurde80 Prozent
Geschätztes Wachstum des real verfügbaren Einkommens 20260,6 Prozent

Die schwachen Energieeinnahmen seien nach Einschätzung Lichfields vor allem auf verschärfte westliche Sanktionen und anhaltende ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien zurückzuführen. Er rechne zudem nicht damit, dass die zuletzt auf vier Prozent gedrückte Inflation auf diesem Niveau bleiben werde.

Auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft bewertet die Lage kritisch. Der im Juni 2026 veröffentlichte Kiel-Report „Endgame: The State of the Russian Economy“ kommt zu dem Schluss, dass Moskaus fiskalische Reserven weitgehend aufgebraucht seien.

Andrei Klepach, ehemaliger stellvertretender Leiter des Wirtschaftsministeriums in Russland, führt das Haushaltsdefizit und die Liquiditätsengpässe vor allem auf das ungebremste Wachstum der Militärausgaben zurück. Die staatlichen Beschaffungen einschließlich der Rüstungsaufträge seien von Januar bis Juli im Jahresvergleich um fast 40 Prozent auf 8,44 Billionen Rubel gestiegen und hätten bereits 80 Prozent des Jahresplans erreicht.

Die wirtschaftlichen Belastungen könnten nach Einschätzung Klepachs zunehmend die Bevölkerung treffen. Das Wachstum des real verfügbaren Einkommens könnte 2026 lediglich 0,6 Prozent betragen. Zugleich verstärke sich die Ungleichheit, weil die Renten den Löhnen hinterherhinkten und Steuererhöhungen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen belasteten.

Zusammenfassung: Russland verzeichnet weiterhin Wachstum, doch sinkende Energieeinnahmen, schwindende Reserven, steigende Militärausgaben und Belastungen für Unternehmen und Haushalte verschärfen die wirtschaftlichen Probleme. Analysten sehen darin mögliche Risiken für die weitere Entwicklung des Ukraine-Kriegs.

DIW sieht wachsende Bedeutung des Staates für die deutsche Wirtschaft

Im Wirtschaftspodcast von Capital.de geht es um die Frage, warum der Staat für die deutsche Wirtschaft immer wichtiger wird. Die Erwartungen für das Wachstum sind demnach nicht eindeutig: Die Stimmung bleibt verhalten, zugleich rechnen einige Ökonomen inzwischen mit einem Wachstum von einem Prozent für dieses Jahr.

Geraldine Dany-Knedlik erläutert, dass die Sommerprognose des DIW bei 0,5 Prozent für das laufende Jahr und bei 0,8 Prozent für das kommende Jahr gelegen habe. Ein wichtiger Grund dafür seien die Auseinandersetzung im Iran sowie entsprechend hohe Öl- und Gaspreise gewesen.

Die Entwicklung im ersten und zweiten Quartal sei jedoch etwas besser ausgefallen als von den meisten erwartet. Zudem seien die Werte der Vergangenheit für das Bruttoinlandsprodukt erneut revidiert worden. Allein durch die Einspeisung der neuen Daten in die bestehende DIW-Hausprognose ergebe sich bereits ein Wert von ungefähr einem Prozent für dieses Jahr.

Auch der Ausblick habe sich verändert. Capital.de nennt steigende Auftragseingänge, mehr Baugenehmigungen und bessere Exporte als positive Signale. Bei den Auftragseingängen sei bereits seit längerer Zeit ein Anstieg zu beobachten, der vor allem aus dem Inland komme.

Die Exporte verbesserten sich zwar, seien aber weiterhin sehr schwach. Der Anstieg bei den Auftragseingängen könne laut Dany-Knedlik mit Großaufträgen für die Rüstung zusammenhängen. Stärkere Ausrüstungsinvestitionen des privaten Sektors seien dagegen noch nicht zu erkennen.

Die klassische Industrie befindet sich dem Bericht zufolge weiterhin in einer Schwächephase. Dazu zählen die Auto- und Chemiebranche. Aus einer übergeordneten Perspektive laufe das verarbeitende Gewerbe eher schlechter, zugleich sei eine Stabilisierung beziehungsweise Bodenbildung erkennbar.

Der öffentliche Sektor werde sowohl in den Wirtschaftszweigen als auch bei der Verwendung wichtiger. Der öffentliche Konsum sei stark und werde weiter zunehmen. Der private Teil der Wirtschaft entwickle sich dagegen eher schleppend.

Infobox: Das DIW sieht für Deutschland ein mögliches Wachstum von ungefähr einem Prozent für dieses Jahr. Positive Impulse kommen vor allem aus öffentlichen Ausgaben, steigenden inländischen Auftragseingängen und mehr Baugenehmigungen, während Industrie, Exporte und private Investitionen schwach bleiben.

Merkur-Gründer Paul Gauselmann gestorben

Der Deutschlandfunk meldet den Tod von Paul Gauselmann. Der Gründer des Glücksspielkonzerns Merkur, der als größter Glücksspielkonzern Deutschlands bezeichnet wird, ist gestorben.

Die Meldung ordnet Gauselmann als Gründer des Unternehmens ein, ohne weitere Angaben zu seinem Lebensalter, zum Todeszeitpunkt oder zu den Umständen seines Todes zu machen.

Zusammenfassung: Mit Paul Gauselmann ist der Gründer des deutschen Glücksspielkonzerns Merkur gestorben. Der Deutschlandfunk nennt Merkur Deutschlands größten Glücksspielkonzern.

Einschätzung der Redaktion

Die zentrale Bedeutung liegt im wachsenden Spannungsverhältnis zwischen politischen Ansprüchen und wirtschaftlicher Realität. Deutschlands Reformstau und die zunehmende Abhängigkeit von staatlichen Impulsen schwächen die private Dynamik, während die weiterhin wirksamen Russland-Sanktionen durch Energieimporte, Schattenflotten und alternative Finanzwege nur begrenzt durchschlagen. Das erhöht den Handlungsdruck auf Europa, wirtschaftliche Resilienz nicht nur anzukündigen, sondern strukturell umzusetzen.

Zusammenfassung: Reformfähigkeit, wirtschaftliche Eigenständigkeit und eine konsequentere Sanktionsdurchsetzung werden zu entscheidenden Faktoren für Europas Wettbewerbsfähigkeit und sicherheitspolitische Glaubwürdigkeit.

Quellen: