Energiekrise und Niedrigwasser belasten Europas Wirtschaft – Märkte nervös

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Der Euroraum bleibt robust, doch Niedrigwasser, steigende Renditen und geopolitisch bedingte Energiepreisrisiken bedrohen Wachstum und Versorgung im Winter.

Der Euroraum zeigt sich trotz Energiepreisschock und geopolitischer Spannungen bislang erstaunlich widerstandsfähig. Doch Rekordniedrigwasser am Rhein, steigende Anleiherenditen und die Risiken des kommenden Winters zeigen, wie fragil die wirtschaftliche Lage bleibt. Der Pressespiegel beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen an Märkten, in Unternehmen und in der deutschen Wirtschaft.

Euroraum verkraftet Energiepreisschock bislang – Winter birgt größere Risiken

Der Euroraum hat die Folgen der seit Februar weitgehend gesperrten Straße von Hormus und des damit verbundenen Energiepreisschocks nach Einschätzung der FAZ bislang vergleichsweise gut verkraftet. Die befürchteten Rezessionsszenarien seien nicht eingetreten, obwohl die Vereinigten Staaten und Israel Ende Februar Iran angegriffen hatten und die Energiepreise zunächst deutlich gestiegen waren.

Das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum erhöhte sich von April bis Juni um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Werden die stark schwankenden Daten zur irischen Wirtschaftsleistung herausgerechnet, lag der Anstieg – wie im ersten Quartal des Jahres – bei 0,3 Prozent. In Deutschland stieg das BIP im zweiten Quartal vorläufig um 0,2 Prozent; damit halbierte sich die konjunkturelle Geschwindigkeit im Vergleich zum ersten Quartal.

In Deutschland erwiesen sich nach den vorliegenden Andeutungen vor allem die Exporte als Wachstumstreiber. Die Ausfuhr in den Euroraum, der für deutsche Unternehmen wichtiger sei als der Export nach Amerika oder China, habe in den vergangenen Monaten zugelegt. Investitionen gingen dagegen zurück, während der private Konsum nur verhalten anstieg.

Im Euroraum senkten Verbraucher nach Einschätzung von Volkswirten von Capital Economics offenbar ihre Sparleistung, um höhere Energiepreise auszugleichen. Zugleich stiegen die Produktion in der Industrie und im Baugewerbe zuletzt stark. In der Industrie könnte dies auch darauf zurückzuführen sein, dass Unternehmen ihre Produktion vorgezogen haben, um erwarteten höheren Energiepreisen auszuweichen.

Die Dürre und die Waldbrände in Spanien, Frankreich und Griechenland dürften nach Einschätzung der zitierten Ökonomen gesamtwirtschaftlich geringere Schäden verursachen. Als größeres Risiko gilt der niedrige Wasserstand des Rheins, der den Transport von Rohstoffen, Energie und Gütern verteuert. Oxford Economics veranschlagt für Deutschland einen BIP-Schaden von 0,2 Prozentpunkten im dritten Quartal, andere Ökonomen rechnen mit bis zu 0,4 Prozentpunkten.

Für den Euroraum insgesamt prognostiziert Oxford Economics im dritten Quartal einen BIP-Zuwachs von 0,3 Prozent. Die Prognose für das Gesamtjahr von 0,8 Prozent sei dadurch nicht ernsthaft gefährdet. Deutlich kritischer wird der kommende Winter bewertet: Niedrige Gasvorräte in der Europäischen Union, Ausfälle norwegischer Gasfelder, weniger Wasserkraft und Nuklearstrom sowie die faktisch geschlossene Straße von Hormus könnten die Inflation im Euroraum gegen Jahresende auf mehr als 3,5 Prozent treiben.

Wirtschaftliche KennzahlWert
BIP-Wachstum Euroraum, April bis Juni0,4 Prozent
BIP-Wachstum Euroraum ohne Irland0,3 Prozent
BIP-Wachstum Deutschland im zweiten Quartal0,2 Prozent
Prognose BIP-Wachstum Euroraum im dritten Quartal0,3 Prozent
Prognose BIP-Wachstum Euroraum im Gesamtjahr0,8 Prozent
Erwartete Inflation im Euroraum gegen Jahresendemehr als 3,5 Prozent

Zusammenfassung: Der Euroraum zeigt bislang eine solide Entwicklung, während Deutschland langsamer wächst. Die wichtigsten Risiken verlagern sich von Dürre und Hitze auf Energieversorgung, Gaspreise und die Inflation im kommenden Winter.

Dax gibt nach, Anleiherendite steigt auf höchsten Stand seit Mai 2011

Der deutsche Aktienmarkt ist am Montag, dem 17. August 2026, nur schwer vorangekommen. Nach Angaben von n-tv.de fiel der Dax um 0,4 Prozent auf 26.339 Punkte, während der EuroStoxx50 kaum verändert bei 6538 Stellen notierte.

Die Anleger hielten sich angesichts der geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zurück. Der Schiffsverkehr durch die für Öltransporte wichtige Straße von Hormus verlangsamte sich am Wochenende erneut. Zudem erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtchi, dass der Iran noch nicht über eine Wiederaufnahme der Gespräche mit den USA entschieden habe.

Der Zinsoptimismus stützte vor allem Technologiewerte. Die Aktien von Infineon, Aixtron, Jenoptik, Suss Microtec und Siltronic legten zwischen 0,4 und 2,4 Prozent zu. Im MDax gewannen Salzgitter 3,4 Prozent, nachdem die Bank of America eine Kaufempfehlung ausgesprochen hatte.

Die geopolitischen Sorgen wirkten sich auch auf den Anleihemarkt aus. Die Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihe stieg bis auf 3,2158 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2011. Investoren befürchten, dass der Konflikt im Nahen Osten die Inflation länger hochhalten und die Europäische Zentralbank zu weiteren Zinsschritten veranlassen könnte.

Die Rendite der zweijährigen Bundesanleihe lag dagegen kaum verändert bei 2,79 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wurde im weiteren Tagesverlauf laut Daten von LSEG stabil bei 3,20 Prozent ausgewiesen.

MarktEntwicklung beziehungsweise Stand
Daxminus 0,4 Prozent auf 26.339 Punkte
EuroStoxx50kaum verändert bei 6538 Stellen
Rendite zehnjähriger Bundesanleihebis auf 3,2158 Prozent
Rendite zweijähriger Bundesanleihe2,79 Prozent

Zusammenfassung: Der Dax bewegte sich zum Wochenstart kaum, während die Nahost-Spannungen die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf ein 15-Jahres-Hoch trieben. Technologiewerte profitierten vom Optimismus hinsichtlich der Zinsen.

BASF meldet Lieferengpässe wegen Niedrigwasser am Rhein

Das extreme Niedrigwasser am Rhein belastet nach einem Bericht von n-tv.de die Lieferfähigkeit von BASF. Vorstandschef Markus Kamieth erklärte, es gebe bislang keine signifikanten Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis im laufenden Jahr. Mit jeder weiteren Woche der Dürre steige jedoch das Risiko von Produktionsunterbrechungen.

BASF habe Kunden bereits darüber informiert, dass der Konzern bei einigen Produkten nicht mehr vollständig lieferfähig sei. Kamieth betonte zugleich, der Konzern sei deutlich besser auf Wetterextreme vorbereitet als im Dürrejahr 2018. Die aktuelle Lage halte sich im Vergleich zu 2018 noch im Rahmen.

Die Auswirkungen des Niedrigwassers zeigen sich vor allem bei Transporten von Rohstoffen und Fertigprodukten. Der Rhein ist für die Versorgung des Industriestandorts Ludwigshafen von großer Bedeutung, weshalb eine längere Einschränkung der Schifffahrt die Produktionsabläufe erschweren kann.

Zusammenfassung: BASF verzeichnet bislang keine signifikanten Auswirkungen auf das laufende Geschäftsergebnis, warnt aber vor zunehmenden Produktionsrisiken und Lieferengpässen bei einigen Produkten.

Rheinpegel unter Null: Frachtpreise erreichen Rekordhoch

Die WiWo berichtet, dass die Dürre die Schifffahrt auf dem Rhein zunehmend einschränkt. In Düsseldorf rutschte der Pegelstand am Wochenende in den Negativbereich. Auch am für die Schifffahrt besonders wichtigen Abschnitt bei Kaub lag der amtliche Pegelstand bei minus 2 Zentimetern.

Der Pegelnullpunkt bezeichnet dabei ein Standardlevel, das sich auf den physischen Standort der Pegelmesslatte außerhalb der Fahrrinne bezieht. In der Flussmitte standen den Schiffen bei Kaub nach Angaben der Quelle noch 119 Zentimeter zum Rangieren zur Verfügung. Für ein großes Flussschiff reicht diese Wassertiefe nicht mehr aus.

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 seien an Deutschlands größtem Fluss noch nie derart niedrige Pegel gemessen worden. Flusskreuzfahrtschiffe mit einem Tiefgang von 1,50 Metern könnten die Engstelle bei Kaub damit nicht passieren. Für Flussfrachter ist der Rhein grundsätzlich für Tiefgänge zwischen 2,50 und 4,50 Metern freigegeben; unter den aktuellen Bedingungen sei das vollständig illusorisch.

Schiffe, die trotz der schwierigen Bedingungen weiterfahren, können nicht voll beladen werden. Die Quelle schlussfolgert aus den angegebenen Tiefgängen, dass Schiffe mit mehr als 1,30 Metern Tiefgang ihre Ladung reduzieren müssen. Händlern zufolge fahren Schiffe auf den nördlichen Rheinabschnitten teilweise nur noch mit einem Fünftel ihrer üblichen Ladung.

Die Probleme haben laut WiWo bereits im März begonnen, als der Rheinpegel kontinuierlich sank. Inzwischen seien breite Sandbänke aufgetaucht, wo normalerweise nur kleine Inseln aus dem Fluss ragen. Weil nur noch speziell für geringe Wasserstände ausgelegte oder weniger stark beladene Schiffe eingesetzt werden können, befinden sich die Preise für den Schiffstransport zwischen Karlsruhe und Rotterdam laut Bloomberg-Daten auf einem Allzeithoch.

„Bei ineffizienter Rationierung kann Niedrigwasser die Preise auch unnötig in die Höhe treiben“, sagte die Wirtschaftsweise Veronika Grimm dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Die steigenden Transportkosten könnten entlang der Lieferkette weitergereicht werden. Betroffen seien unter anderem die Chemie- und Energiemärkte. Der Transport von Öl zu Raffinerien werde durch die niedrigen Pegelstände erschwert. Wie stark die Preise einzelner Grundstoffe reagieren, hängt laut Grimm von den Lagerkapazitäten der Unternehmen ab.

AngabeWert
Pegelstand Kaubminus 2 Zentimeter
Verfügbare Wassertiefe zum Rangieren bei Kaub119 Zentimeter
Tiefgang vieler Flusskreuzfahrtschiffe1,50 Meter
Freigegebener Tiefgang für Flussfrachterzwischen 2,50 und 4,50 Metern
Übliche Ladung auf nördlichen Rheinabschnittennur noch ein Fünftel

Zusammenfassung: Rekordniedrige Pegelstände zwingen Schiffe zu deutlichen Ladungsreduzierungen. Die Frachtpreise zwischen Karlsruhe und Rotterdam liegen laut Bloomberg-Daten auf einem Allzeithoch, wodurch weitere Preissteigerungen in den Lieferketten möglich sind.

Regierung plant „neue Gründerzeit“ in Ostdeutschland

Die Bundesregierung will die Rahmenbedingungen für Firmengründungen in Ostdeutschland verbessern. Das berichtet der Deutschlandfunk unter der Überschrift „Wirtschaft – Regierung will ‚neue Gründerzeit‘ in Ostdeutschland“.

Der Bericht nennt als Kern des Vorhabens bessere Bedingungen für Unternehmensgründungen in den ostdeutschen Ländern. Weitere konkrete Maßnahmen oder Zahlen enthält der vorliegende Inhalt nicht.

Zusammenfassung: Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, Firmengründungen in Ostdeutschland zu erleichtern und damit eine „neue Gründerzeit“ anzustoßen.

Unternehmensmeldungen und Märkte im Überblick

Der chinesische Autobauer Geely richtet seine Expansion stärker auf Europa aus. Nach Angaben von n-tv.de sank der Nettogewinn im ersten Halbjahr um 1,8 Prozent auf umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro, während der Umsatz um 15 Prozent auf rund 22 Milliarden Euro stieg.

Geely verkaufte insgesamt 1,42 Millionen Fahrzeuge. Die Auslandsverkäufe verdoppelten sich mehr als und erreichten 474.288 Fahrzeuge. Die Entwicklung außerhalb Chinas federte die schwächere Nachfrage im chinesischen Markt ab. Für weiteres Wachstum setzt Geely auf Europa und eine Fertigungspartnerschaft mit Ford in Spanien.

Geely-Gründer Eric Li gibt zudem den Spitzenposten an der Spitze des Verwaltungsrats ab. Andy An soll diese Aufgabe übernehmen. Li bleibt an der Spitze der Geely-Holding und will sich verstärkt anderen geschäftlichen Verpflichtungen widmen. Geely strebt langfristig an, zwei Drittel seines Absatzes außerhalb Chinas zu erzielen.

Auch EBM-Papst steht vor einem Eigentümerwechsel. Die drei Eigentümerfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak verkaufen den württembergischen Ventilatoren- und Lüfterhersteller an den US-Konzern Madison Air. EBM-Papst werde dabei mit 5,1 Milliarden Euro bewertet; der Kaufpreis beträgt nach Angaben des Firmenchefs Klaus Geißdörfer 4,775 Milliarden Euro.

Im Geschäftsjahr 2025/26 erzielte EBM-Papst einen Umsatz von 2,24 Milliarden Euro. Bis 2030 soll der Umsatz im Kerngeschäft auf 3,4 Milliarden Euro steigen. Das 1963 gegründete Familienunternehmen beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter, davon 5800 in Deutschland.

Rheinmetall erhielt von der Bundeswehr einen Auftrag über mehr als 500 Millionen Euro für 149 zusätzliche geschützte und ungeschützte mobile Rettungsstationen. Damit steigt die Gesamtzahl auf 165 Systeme mit einem Gesamtwert von mehr als 600 Millionen Euro brutto. Die Produktion soll im ersten Quartal 2027 beginnen.

Der Schweizer Generikahersteller Sandoz sicherte sich von Shanghai Henlius Biotech die weltweiten Vermarktungsrechte für zunächst drei Biosimilars. Für die Rechte außerhalb Chinas zahlt Sandoz erfolgsabhängig bis zu 322 Millionen Dollar; kurzfristig könnten bis zu 100,5 Millionen Dollar fällig werden.

Die Aktie der SIG Group verlor an der Züricher Börse rund 17 Prozent. Der Verpackungsspezialist verzeichnete damit einen deutlichen Kursrückgang, nachdem Mikko Keto das Unternehmen überraschend verlassen hatte. Es war bereits der zweite Chefwechsel innerhalb kurzer Zeit.

Zusammenfassung: Die Unternehmensmeldungen reichen von Geelys Europa-Expansion und dem Verkauf von EBM-Papst bis zu neuen Aufträgen für Rheinmetall und Lizenzvereinbarungen von Sandoz. Die SIG Group geriet nach einem weiteren Führungswechsel stark unter Druck.

Einschätzung der Redaktion

Die zentrale Gefahr liegt weniger in einem unmittelbaren Konjunktureinbruch als in der gleichzeitigen Überlagerung mehrerer Belastungen: Energieversorgung, Logistik, Inflation und geopolitische Unsicherheit. Der bisherige Widerstand der Wirtschaft darf daher nicht als Entwarnung gelten. Besonders Deutschland bleibt verwundbar, weil industrielle Produktionsketten stark von Energie- und Transportwegen abhängen. Ein anhaltend niedriger Rheinpegel könnte sich vom regionalen Infrastrukturproblem zu einem breiten Kosten- und Versorgungsrisiko ausweiten.

Für Unternehmen steigen damit die Anreize, Lagerhaltung, Bezugsquellen und Produktionsstandorte zu diversifizieren. Politische Maßnahmen zur Gründungsförderung und industrielle Investitionen sind sinnvoll, entfalten ihre Wirkung aber nur, wenn sie von einer verlässlichen Energie- und Verkehrsinfrastruktur begleitet werden. Andernfalls drohen höhere Kosten, schwächere Margen und zusätzlicher Inflationsdruck.

Infobox: Die Widerstandsfähigkeit des Euroraums ist bislang belastbar, bleibt aber angesichts kumulierender Energie-, Transport- und Versorgungsrisiken fragil.

Quellen: