Deutsche Wirtschaft wächst, doch Krisen belasten Konjunktur und Unternehmen
Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion
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Kategorie: Nachrichten
Zusammenfassung: Deutschlands Wirtschaft wächst, doch Energiepreise, Transportprobleme, Inflation und der VW-Umbau gefährden die fragile Erholung.
Die deutsche Wirtschaft wächst stärker als zunächst erwartet – doch Energiepreise, Transportprobleme und internationale Spannungen bleiben erhebliche Risiken. Zugleich stehen steigende Tariflöhne, der Umbau bei Volkswagen und die vorsichtige Stimmung an den Börsen im Fokus. Der Pressespiegel zeigt, wo sich die Erholung festigt und welche Belastungen den Aufschwung gefährden.
Deutsche Wirtschaft wächst im zweiten Quartal um 0,3 Prozent
Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von April bis Juni um 0,3 Prozent zum Vorquartal, nachdem eine erste Schätzung noch ein Plus von 0,2 Prozent ausgewiesen hatte.
Nach Angaben von tagesschau.de setzte sich damit die Wachstumsdynamik vom Jahresbeginn fort. Die Präsidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, führte die Entwicklung erneut auf die gute Exportentwicklung zurück. Ende 2025 war die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent gewachsen, in den ersten drei Monaten 2026 um 0,4 Prozent.
Auch STERN.de berichtet, dass neu vorliegende Informationen zum Außenhandel zu einer merklichen Aufwärtsrevision der Exportzahlen für Juni geführt hätten. Die Warenexporte legten im zweiten Quartal um 2,6 Prozent zu, während die Dienstleistungsexporte konstant blieben. Insgesamt stiegen die Exporte um 2,0 Prozent.
| Kennzahl | Entwicklung |
|---|---|
| Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal | +0,3 Prozent zum Vorquartal |
| Erste Schätzung | +0,2 Prozent |
| Wirtschaftswachstum Ende 2025 | +0,3 Prozent |
| Wirtschaftswachstum im ersten Quartal 2026 | +0,4 Prozent |
| Warenexporte im zweiten Quartal | +2,6 Prozent |
| Exporte insgesamt | +2,0 Prozent |
| Importe insgesamt | +1,5 Prozent |
Bei den Importen stiegen die Warenimporte um 2,1 Prozent und die Dienstleistungsbezüge aus dem Ausland um 0,3 Prozent. Die Bruttowertschöpfung erhöhte sich um 0,4 Prozent. Im Verarbeitenden Gewerbe betrug das Plus 0,9 Prozent, insbesondere getragen von der Herstellung chemischer Erzeugnisse und elektrischer Ausrüstungen.
Das Baugewerbe verzeichnete dagegen ein Minus von 0,1 Prozent. Nach Einschätzung des Statistikamtes schwächte sich damit die Abwärtsdynamik der vergangenen Quartale zumindest ab. Im Dienstleistungsbereich stieg die Wirtschaftsleistung in nahezu allen Unterbereichen; Information und Kommunikation, das Grundstücks- und Wohnungswesen sowie die öffentlichen Dienstleister erzielten jeweils ein Plus von 0,6 Prozent. Finanz- und Versicherungsdienstleister mussten bei der Bruttowertschöpfung einen Rückgang hinnehmen.
Zusammenfassung: Das BIP legte im zweiten Quartal um 0,3 Prozent zu. Haupttreiber waren die Exporte, während das Baugewerbe und die Finanz- und Versicherungsdienstleister Rückgänge verzeichneten.
Konjunkturaussichten zwischen Erholung und Belastungen
BILD verweist auf weitere positive Signale für die deutsche Konjunktur. Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe kletterte im August auf den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Die Industrie profitiere dabei unter anderem von staatlichen Großaufträgen für Infrastruktur und Verteidigung.
Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken verdoppelte seine Wachstumsprognose für das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 0,5 auf 1,0 Prozent. Zugleich bleibt die Erholung durch hohe Ölpreise infolge des Iran-Kriegs belastet.
Als weiterer Bremsfaktor gilt das Rekord-Niedrigwasser auf dem Rhein. Nach Angaben der Bundesbank könnten die eingeschränkten Transportwege auf wichtigen Flüssen und deutlich steigende Transportkosten die Industrieproduktion und das Exportwachstum beeinträchtigen. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im dritten Quartal „allenfalls noch leicht zulegen“.
„Das sind erfreuliche Nachrichten. Das bereits ohnehin ursprünglich gemeldete robuste Wachstum wird weiter nach oben revidiert“, sagte Thomas Gitzel von der VP Bank laut BILD.
Gitzel bewertete das Wachstum angesichts der teilweise düsteren Konjunkturaussichten infolge des Iran-Kriegs als erstaunlich solide. Nach seiner Einschätzung könnten sich die positiven Nachrichten fortsetzen; zugleich profitierten nicht alle Branchen gleichermaßen.
- Positive Impulse: Exportentwicklung, Industrie, staatliche Großaufträge.
- Belastungen: Hohe Ölpreise, Rekord-Niedrigwasser auf dem Rhein, steigende Transportkosten.
- Ausblick: Das BIP dürfte im dritten Quartal „allenfalls noch leicht zulegen“.
Zusammenfassung: Die Konjunkturaussichten haben sich aufgehellt, bleiben aber durch Energie- und Transportprobleme gefährdet. Die Industrie erhält Impulse durch Exporte und staatliche Aufträge.
Tariflöhne könnten 2026 stärker steigen als Verbraucherpreise
Nach einer Hochrechnung des WSI-Tarifarchivs der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung könnten die Tariflöhne in Deutschland im laufenden Jahr stärker steigen als die Verbraucherpreise. Wie SZ.de berichtet, könnte den Tarifbeschäftigten nach Abzug der Inflation ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben.
Auf dieser Grundlage würden die Tariflöhne im laufenden Jahr nominal um durchschnittlich 3,1 Prozent steigen. Dem steht eine durchschnittliche Steigerung der Verbraucherpreise um 2,4 Prozent im ersten Halbjahr gegenüber. Mehr Kaufkraft könnte den privaten Konsum stärken und damit die Konjunktur unterstützen.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Nominaler Anstieg der Tariflöhne 2026 | 3,1 Prozent |
| Durchschnittliche Verbraucherpreise im ersten Halbjahr | 2,4 Prozent |
| Möglicher realer Lohnzuwachs | 0,7 Prozent |
| Tariflohnzuwachs 2025 | 2,6 Prozent |
| Reales Lohnplus 2025 | 0,4 Prozent |
| Von aktuellen Tariferhöhungen betroffene Beschäftigte | mehr als 15 Millionen |
In die Berechnung flossen die Tarifeinigungen aus dem ersten Halbjahr sowie bereits in den Vorjahren für 2026 vereinbarte Tariferhöhungen ein. Von den aktuellen Erhöhungen profitieren den Angaben zufolge mehr als 15 Millionen Beschäftigte.
Allerdings sind noch nicht alle Tarifrunden abgeschlossen. Im Einzelhandel wird weiterhin verhandelt, während die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie im Herbst beginnen. Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs, wies darauf hin, dass die Inflationsraten nach den derzeitigen Prognosen noch etwas höher ausfallen könnten. Ob die Kaufkraft am Jahresende gesichert sei, hänge deshalb von den noch offenen Tarifrunden ab.
Der Rückgang der Reallöhne aus den Krisenjahren 2021 bis 2023 ist laut WSI bisher nicht vollständig ausgeglichen. Im Juli des laufenden Jahres stieg die Teuerungsrate in Deutschland auf 2,8 Prozent. Nach dem Auslaufen des zweimonatigen Tankrabatts wirkten sich steigende Energiepreise wieder vollständig aus.
Zusammenfassung: Für 2026 wird ein nominaler Anstieg der Tariflöhne um 3,1 Prozent erwartet. Ob daraus tatsächlich ein reales Plus von 0,7 Prozent entsteht, hängt von der weiteren Inflation und den noch offenen Tarifverhandlungen ab.
Volkswagen steht vor angespannten Betriebsversammlungen
Bei Volkswagen ist die Stimmung vor den anstehenden Betriebsversammlungen in Wolfsburg nach einem Bericht von n-tv.de „extrem aufgeladen“. Die Belegschaft kritisiert insbesondere die Kommunikation des Vorstands und erwartet von VW-Chef Oliver Blume Klarheit über die Zukunft der Standorte und mögliche Beschäftigungsfolgen.
Blume bezeichnete die Lage bei Volkswagen in einem im Intranet veröffentlichten Interview als „mehr als kritisch“. Geplant ist, die Kapazitäten in den europäischen VW-Werken um 500.000 Fahrzeuge jährlich zu senken. Die langfristige Fertigung in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm steht demnach zur Disposition; außerdem sollen die Kosten deutlich reduziert werden.
Im Juli war der Vorstand mit seinen Plänen im Aufsichtsrat gescheitert. Im Umfeld der Betriebsversammlungen geht es laut n-tv.de insbesondere um mögliche Werksschließungen, einen massiven Arbeitsplatzabbau und die Forderung nach einem weiteren Sparpaket. Die Belegschaft kritisierte die Kommunikation des Vorstands als „desaströs“.
Volkswagens Betriebsratschefin Daniela Cavallo lehnte betriebsbedingte Kündigungen ab. Sie verwies auf die erkämpfte Beschäftigungssicherung und forderte, Veränderungen müssten sozialverträglich stattfinden. Altersteilzeit, insbesondere das Blockmodell, müsse weiterhin angeboten werden können.
„Meine Linie ist klar“, sagte Daniela Cavallo. „Wir haben eine Beschäftigungssicherung erkämpft und wir werden auch in Zukunft dafür kämpfen, dass Veränderungen sozialverträglich stattfinden.“
Auch Werksschließungen erteilte Cavallo eine Absage. Ein Zukunftsprogramm könne nicht allein aus Arbeitskostenreduzierung, Personalabbau und dem Infragestellen von Standorten bestehen.
- Geplante Kapazitätsreduzierung in europäischen VW-Werken: 500.000 Fahrzeuge jährlich.
- Zur Diskussion stehende Standorte: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
- Position des Betriebsrats: keine betriebsbedingten Kündigungen und keine Werksschließungen.
- Weitere Themen: Beschäftigungssicherung, Altersteilzeit und das Blockmodell.
Zusammenfassung: Volkswagen will Kapazitäten und Kosten senken, während der Betriebsrat Kündigungen und Werksschließungen ablehnt. Die Betriebsversammlungen sollen vor allem Klarheit über Standorte, Beschäftigung und die strategische Zukunft des Konzerns bringen.
Börsen: Dax stabil, Technologieaktien unter Druck
Der Dax startete am 25. August 2026 fester in den Handel. Nachdem der deutsche Börsenleitindex am Vortag mit 26.107 Punkten und 0,1 Prozent schwächer geschlossen hatte, notierte er am Morgen im Bereich von 26.210 Zählern.
Nach Einschätzung von Marktteilnehmern waren zunächst keine großen Bewegungen zu erwarten. Im Mittelpunkt standen die am Mittwoch nach Börsenschluss in den USA erwarteten Quartalszahlen von Nvidia. Anleger erhoffen sich davon Hinweise darauf, ob die Nachfrage die umfangreichen Investitionen in den Ausbau künstlicher Intelligenz rechtfertigt.
Wie n-tv.de berichtet, trennten sich Investoren vorsichtshalber von Technologiewerten, besonders von Titeln mit KI-Bezug. Steigende Zinsen sorgten zusätzlich für Gegenwind im Technologiesektor. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen lag wieder über 4,70 Prozent, was insbesondere zinsempfindliche Technologiewerte belastete.
| Markt beziehungsweise Wert | Stand oder Veränderung |
|---|---|
| Dax am Vortag | 26.107 Punkte, −0,1 Prozent |
| Dax am Morgen | Bereich von 26.210 Zählern |
| Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen | über 4,70 Prozent |
| Kupferpreis | 14.225,50 Dollar je Tonne, −0,3 Prozent |
Auch an den asiatischen Börsen zeigte sich kein einheitliches Bild. In Tokio gewann der Nikkei-Index 0,3 Prozent, der Topix rückte um 0,5 Prozent vor. Der Hang-Seng-Index in Hongkong gab um 0,3 Prozent nach, der Kospi in Seoul sank um 0,2 Prozent.
Zusätzlicher Druck kam von den Chipwerten Samsung Electronics und SK Hynix. Daneben analysierten Händler neue US-Maßnahmen gegen den Iran. Der Dollar notierte im asiatischen Handel zunächst kaum verändert bei 159,13 Yen.
Zusammenfassung: Der Dax lag am Morgen bei rund 26.210 Zählern. Vor den Nvidia-Zahlen und angesichts steigender US-Renditen blieb die Stimmung an den Technologiemärkten jedoch vorsichtig.
Autoindustrie fordert weitere EU-Zölle auf chinesische Hybridautos
Die deutsche Autoindustrie steht nach Angaben von n-tv.de vor schwierigen Herausforderungen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bezeichnete Deutschland insbesondere bei den Energiekosten als nicht wettbewerbsfähig und verwies zusätzlich auf den Wettbewerb durch chinesische Autobauer.
Die Europäische Union habe mit Zöllen auf Elektroautos aus China eine Lösung für eine faire Wettbewerbssituation gefunden, sagte Lies. Er forderte die EU zugleich auf, auch Zölle auf Hybridautos aus China zu verhängen.
Die Debatte fällt in eine angespannte Phase für Volkswagen. Konzernchef Oliver Blume sollte sich in Wolfsburg bei einer außerordentlichen Betriebsversammlung den Fragen der Mitarbeiter stellen. Anschließend waren weitere Betriebsversammlungen an anderen Standorten vorgesehen.
Zusammenfassung: Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies fordert EU-Zölle auch auf chinesische Hybridautos. Als zentrale Belastungen für die deutsche Autoindustrie werden Energiekosten, chinesischer Wettbewerb und die angespannte Lage bei Volkswagen genannt.
Kupferpreis gibt nach
Der Kupferpreis fiel laut n-tv.de um 0,3 Prozent auf 14.225,50 Dollar je Tonne. Analysten der Societe Generale bewerteten den Markt angesichts neuer preisbeeinflussender Faktoren als zunehmend schwer zu interpretieren.
Stützend wirkten demnach ein begrenztes Minenangebot und die wachsende Nachfrage aus Bereichen wie der künstlichen Intelligenz. Gleichzeitig habe die zollbedingte Arbitrage große Mengen an Kupferbeständen in die USA umgeleitet. Dadurch würden die Lagerbestände andernorts beeinträchtigt und eine Bewertung allein anhand traditioneller Marktbedingungen erschwert.
Zusammenfassung: Kupfer verbilligte sich auf 14.225,50 Dollar je Tonne. Angebotsengpässe und KI-Nachfrage stützen den Preis, während Zollwirkungen und veränderte Lagerbestände die Marktanalyse erschweren.
Einschätzung der Redaktion
Die Nachrichten zeichnen ein widersprüchliches Bild: Die deutsche Wirtschaft gewinnt an Dynamik, bleibt aber stark von Exporten und staatlichen Impulsen abhängig. Gleichzeitig zeigen die Konflikte bei Volkswagen, die Forderungen nach weiteren Schutzzöllen und der Druck auf Technologie- und Rohstoffmärkte, wie anfällig das industrielle Modell für Energie-, Handels- und Strukturveränderungen ist. Entscheidend wird daher nicht die kurzfristige Wachstumsrate sein, sondern ob daraus eine breitere, binnenwirtschaftlich tragfähige Erholung entsteht.
Kernaussage: Die Erholung ist ein positives Signal, aber noch kein Beleg für eine nachhaltige Trendwende.
Quellen:
- Deutsche Wirtschaft wächst um 0,3%
- 08:59 Stimmung in Wolfsburg "extrem aufgeladen, jeder mauert"
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