China setzt auf KI-Kreditkarten, während Wirtschaft und Arbeitsmarkt unter Druck stehen

Autor: Wirtschaft-Ratgeber Redaktion

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Kategorie: Nachrichten

Zusammenfassung: Der Pressespiegel zeigt KI-Prämien chinesischer Banken, hitzebedingte Handelsrekorde, sinkende Zuwanderung in Deutschland und Argentiniens umstrittenen Sparkurs.

Chinesische Banken locken mit KI-Prämien, deutsche Händler profitieren von der Hitzewelle und Argentinien ringt um die Bilanz seines Sparkurses: Der Pressespiegel zeigt, wie technologische Trends, Migration und geopolitische Veränderungen die Wirtschaft prägen – vom Kreditkartengeschäft bis zum Militärfahrzeugbau.

China setzt im Kreditkartengeschäft auf künstliche Intelligenz

Chinesische Banken versuchen, verlorene Kundennähe gegenüber WeChat Pay und Alipay zurückzugewinnen. Nach Angaben von SZ.de waren 2022 noch 807 Millionen Kreditkarten im Umlauf, heute sind es laut People's Bank of China nur noch 687 Millionen.

Die Agricultural Bank of China brachte am 10. Juli gemeinsam mit American Express und dem Pekinger KI-Unternehmen Moonshot eine Kreditkarte auf den Markt, bei der Konsum in KI-Leistungen umgewandelt werden kann. Kunden sammeln Punkte und können diese im Verhältnis tausend zu eins in Nutzungsguthaben für KI-Anwendungen eintauschen, darunter Kontingente für selbstständig arbeitende KI-Programme, Programmierhilfe von Kimis und Testzugänge zu neuen Modellen.

Die normale Karte kostet 580 Yuan im Jahr, wobei das erste Jahr gratis ist. Die Platinversion kostet 880 Yuan und ist nur am Bankschalter erhältlich; wer nach der Bewilligung binnen zwei Monaten 5888 Yuan ausgibt, erhält zwei Monate Premium-Mitgliedschaft beim Chatbot sowie einen Kimi-Plüschanhänger.

Die China Merchants Bank hatte bereits im Juni eine Entwicklerkarte mit KI-Guthaben des Anbieters Minimax angeboten, mit bis zu 1,8 Milliarden Token im Monat. Auch die Bank Ping An und die Shanghai Pudong Development Bank starteten Kartenangebote mit KI-Bezug.

SZ.de verweist zugleich auf den begrenzten materiellen Wert der Prämien: Die Token-Pakete kosten im freien Verkauf zwischen zehn und hundert Yuan im Monat. Zudem sinken die Preise pro Token von Quartal zu Quartal, wodurch die Prämien an Wert verlieren können.

Der Hintergrund ist die schwierige Lage des chinesischen Kartengeschäfts. Bei der Industrial and Commercial Bank of China sank der Kartenumsatz 2025 von 2,13 auf 1,83 Billionen Yuan, während der Anteil fauler Kreditkartenkredite von 3,5 auf 4,6 Prozent stieg. Die KI-Karten richten sich insbesondere an junge Techkräfte mit hohen Gehältern und sollen die Kundenbindung stärken.

„Konsum ist Rechenleistung.“ – Formel, die laut SZ.de im chinesischen Netz für die neuen Bankangebote kursiert.

Zusammenfassung: Chinesische Banken koppeln Kreditkartenprämien an KI-Leistungen. Die Strategie soll junge Techkräfte zurückgewinnen, steht aber wegen sinkender Token-Preise und des schwachen Kartengeschäfts unter Druck.

Hitze beschert dem deutschen Handel Rekordabsätze bei Wasser und Eis

Die hohen Temperaturen sorgen für positive Nachrichten aus dem deutschen Einzelhandel. SZ.de berichtet über Rekordabsätze bei Wasser und Speiseeis und stellt ein Wachstum von 90 Prozent bei Speiseeis heraus.

Der Artikel ordnet die Entwicklung in eine insgesamt schwierige Wirtschaftslage ein. Als weitere positive Signale nennt SZ.de die Erwartung von Ökonomen, dass die deutsche Wirtschaft im Zeitraum von April bis Juni um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen ist.

Auch die Exporterwartungen deutscher Unternehmen verbesserten sich leicht. Der entsprechende Index des Münchner Ifo-Instituts stieg von minus 3,6 Punkte im Juni auf minus 3,3 Punkte im Juli.

Bei Mercedes wurden im zweiten Quartal 35 000 Autos weniger als im Vorjahreszeitraum verkauft. Zugleich sei der Gewinn gestiegen, nachdem er zuvor eingebrochen war.

Zusammenfassung: Die Hitze sorgt bei Wasser und Speiseeis für Rekordabsätze. Daneben nennt SZ.de ein erwartetes Wachstum von 0,1 Prozent, eine Verbesserung der Exporterwartungen von minus 3,6 auf minus 3,3 Punkte und einen gestiegenen Mercedes-Gewinn trotz 35 000 weniger verkaufter Autos.

IW warnt vor dreifacher Migrationswende am deutschen Arbeitsmarkt

Deutschland verzeichnet nach einer noch unveröffentlichten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft eine deutlich niedrigere Nettozuwanderung. WELT berichtet unter Berufung auf die „Rheinische Post“, dass der Saldo aus Zu- und Abwanderung 2025 auf 235.000 Menschen gesunken ist, nachdem er 2023 noch 663.000 Personen betragen hatte.

Damit habe sich die Nettozuwanderung seit 2023 mehr als halbiert. Laut der zitierten Studie lag das Niveau – mit einer Ausnahme während der Hochphase der Coronapandemie – seit dem Jahr 2010 nicht mehr so niedrig.

Das IW nennt drei Entwicklungen. Erstens sank die Zahl der Erstanträge von Asylbewerbern 2025 auf 113.000, während es 2023 noch 329.000 waren.

Zweitens beobachtet das Institut eine Rückwanderung von Menschen aus osteuropäischen EU-Staaten. Diese EU-Zuwanderer hatten 2023 bereits fünf Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Stellen in Deutschland ausgefüllt; 2025 verließen jedoch 45.000 mehr Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedsländer das Land, als zuzogen. Im Vorjahr waren es 35.000, während 2023 noch eine Nettozuwanderung von rund 42.000 Menschen verzeichnet worden war.

Drittens kehrten mehr Inländer Deutschland den Rücken. Ihre Zahl stieg zwischen 2023 und 2025 von 74.000 auf 97.000 Personen.

Die Forscher warnen, dass eine stärkere Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte bestehende Engpässe am Arbeitsmarkt verschärfen und die Innovationskraft sowie die längerfristigen Entwicklungspotenziale der Wirtschaft einschränken könnte. Als wichtigen Ansatz nennt das IW, die Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte zu stärken oder zumindest zu erhalten, insbesondere durch eine Begrenzung der Belastung durch Steuern und Abgaben.

EntwicklungWert
Nettozuwanderung 2023663.000 Personen
Nettozuwanderung 2025235.000 Menschen
Erstanträge von Asylbewerbern 2023329.000
Erstanträge von Asylbewerbern 2025113.000
Abwanderung von Inländern 202374.000 Personen
Abwanderung von Inländern 202597.000 Personen

Zusammenfassung: Die Nettozuwanderung sank laut IW von 663.000 Personen im Jahr 2023 auf 235.000 Menschen im Jahr 2025. Rückläufige Asylerstanträge, die Rückwanderung osteuropäischer EU-Bürger und eine steigende Abwanderung von Inländern könnten den Fachkräftebedarf und die Innovationskraft Deutschlands belasten.

IWF-Chefin lobt Argentiniens Sparkurs unter Javier Milei

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Kristalina Georgieva, hat die Wirtschaftsreformen der argentinischen Regierung gelobt. Bei einem Besuch in Buenos Aires sagte sie laut DIE ZEIT, die Lage sei seit dem Amtsantritt von Präsident Javier Milei „nach allen Kennzahlen deutlich solider“.

Georgieva führte die Entwicklung auf die harte Arbeit der Regierung und die Opfer der argentinischen Bevölkerung zurück. Sie verwies auf eine gesunkene Inflation, einen Haushaltsüberschuss und eine bessere Kreditwürdigkeit des Landes.

Von den Veränderungen profitieren nach ihrer Darstellung unter anderem die Öl- und Gasindustrie, der Bergbau und die Landwirtschaft. Zugleich müsse Argentinien mehr reguläre Arbeitsplätze schaffen und den Konsum stärken.

Milei hatte nach seinem Amtsantritt im Jahr 2023 hohe Kürzungen bei Staatsausgaben und Subventionen durchgesetzt. Der Sparkurs brachte Argentinien erstmals seit 14 Jahren einen Haushaltsüberschuss und ließ die Inflation deutlich sinken, führte aber auch wiederholt zu heftigen Protesten und ist teilweise juristisch umstritten.

Die wirtschaftliche Entwicklung bleibt widersprüchlich. Die Inflation ging zuletzt auf 33,5 Prozent im Jahresvergleich zurück, während die Wirtschaft nur um 0,2 Prozent wuchs; der IWF erwartet für dieses Jahr ein Plus von 3,5 Prozent.

Auch der private Konsum ist schwach. Der Anteil privater Haushalte, die Kredite für Notleidende erhalten, stieg binnen eines Jahres auf 12,8 Prozent und erreichte damit den höchsten Stand seit 20 Jahren.

Der Ökonom Patrick Kaczmarczyk bezeichnete die Reformbilanz als verheerend. Nach einer Auswertung von UN-Industriedaten schrumpfte Argentiniens Industrie zwischen 2023 und 2025 um 7,9 Prozent.

Argentinien ist der größte Schuldner des IWF. Im vergangenen Jahr vereinbarte das Land mit dem Währungsfonds ein vierjähriges Kreditprogramm über 20 Milliarden Dollar.

„Nach allen Kennzahlen deutlich solider“ – Kristalina Georgieva über die Lage Argentiniens seit dem Amtsantritt von Javier Milei.

Zusammenfassung: Der IWF lobt Argentiniens gesunkene Inflation, den Haushaltsüberschuss und die bessere Kreditwürdigkeit. Dem stehen ein Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent, ein schwacher Konsum, 12,8 Prozent Notkredite und ein Rückgang der Industrie um 7,9 Prozent gegenüber.

Mercedes will Geschäft mit Militärfahrzeugen intensivieren

Mercedes will sein Geschäft mit Militärfahrzeugen ausbauen. Das geht aus dem Business-Liveticker der FAZ hervor, der die Intensivierung des Militär-Geschäfts als eines der Unternehmensthemen nennt.

Der Bericht ordnet die Nachricht in eine Reihe weiterer Meldungen aus der Unternehmenswelt ein. Dazu gehören ein gesunkener Auto-Gewinn von Mercedes, eine neue Finanzierung für den Panzerausrüster Renk über eine Milliarde Euro, der Verkauf eines Carsharing-Anbieters durch Stellantis und weitere Entwicklungen in der Automobil- und Digitalwirtschaft.

Im selben Nachrichtenüberblick wird außerdem berichtet, dass Mercedes im zweiten Quartal 35 000 Autos weniger als im Vorjahreszeitraum verkauft habe. Zugleich sei der Gewinn gestiegen, nachdem er zuvor eingebrochen war.

Zusammenfassung: Mercedes will das Geschäft mit Militärfahrzeugen intensivieren. Der Ausbau fällt in ein Quartal mit 35 000 weniger verkauften Autos, während der Gewinn nach einem vorherigen Einbruch gestiegen ist.

Einschätzung der Redaktion

Die neuen Kreditkarten sind vor allem ein strategischer Versuch, Banken im Wettbewerb mit digitalen Zahlungsplattformen wieder relevanter zu machen. Als dauerhaftes Geschäftsmodell bleibt der Ansatz jedoch fragil: Sinkende Token-Preise begrenzen den Prämienwert, während die eigentliche Herausforderung – Vertrauen, Bequemlichkeit und tägliche Nutzung – damit nicht automatisch gelöst wird.

Infobox: KI-Prämien können Aufmerksamkeit erzeugen, ersetzen aber keine überzeugende Bankleistung und dürften das strukturelle Problem des Kreditkartengeschäfts allein nicht beheben.

Einschätzung der Redaktion

Die positiven Signale sind real, aber stark wetter- und saisonabhängig. Rekordverkäufe bei Wasser und Eis sagen wenig über die nachhaltige Konsumkraft aus. Entscheidend bleibt, ob sich die vorsichtige Stabilisierung bei Wachstum, Exporterwartungen und Unternehmensgewinnen über kurzfristige Sondereffekte hinaus bestätigt.

Infobox: Die Hitze liefert dem Handel einen Impuls, ist aber kein belastbarer Beleg für eine breite wirtschaftliche Erholung.

Einschätzung der Redaktion

Die Entwicklung ist für Deutschland wirtschaftlich brisant, weil gleichzeitig weniger Menschen zuwandern und mehr Inländer das Land verlassen. Dadurch verschärft sich der Wettbewerb um Fachkräfte unabhängig davon, wie sich einzelne Branchen entwickeln. Eine attraktive Standortpolitik wird damit zu einer zentralen Voraussetzung für Wachstum und Innovationsfähigkeit.

Infobox: Die entscheidende Herausforderung ist nicht nur die Zahl der Zuwanderer, sondern die Fähigkeit Deutschlands, qualifizierte Menschen dauerhaft zu gewinnen und zu halten.

Einschätzung der Redaktion

Der Sparkurs zeigt, dass eine Stabilisierung der Staatsfinanzen und eine sinkende Inflation möglich sind, doch diese Erfolge reichen ohne tragfähiges Wachstum nicht aus. Die schwache Industrie, der geringe Konsum und die hohe Belastung privater Haushalte verdeutlichen, dass fiskalische Disziplin soziale und wirtschaftliche Kosten erzeugt. Nachhaltig wäre der Kurs erst, wenn Stabilität auch in Investitionen, Beschäftigung und Lebensstandard sichtbar wird.

Infobox: Argentiniens Reformbilanz ist ein Fortschritt bei den Staatsfinanzen, aber noch kein überzeugender Beleg für eine breit getragene wirtschaftliche Erholung.

Einschätzung der Redaktion

Der Ausbau des Militärgeschäfts kann Mercedes in einer Phase schwacher ziviler Autonachfrage zusätzliche Aufträge und eine breitere Umsatzbasis eröffnen. Gleichzeitig erhöht er die Abhängigkeit von politischen Entscheidungen und öffentlichen Budgets und bringt eine erhebliche ethische und reputative Verantwortung mit sich. Wirtschaftlich sinnvoll ist die Diversifizierung daher nur, wenn sie nicht von der notwendigen Erneuerung des Kerngeschäfts ablenkt.

Infobox: Militärfahrzeuge können ein strategisches Zusatzgeschäft werden, sind aber kein Ersatz für die Lösung der strukturellen Probleme im Pkw-Geschäft.

Quellen: